Gütersloh. Das NRW-Umweltministerium (LANUV) wurde am Freitag über einen positiven EHEC-Befund in einem Kläranlagenablauf einer Anlage im Kreis Gütersloh informiert. Nach Informationen der NW handelt es sich um die Kläranlage Putzhagen im Stadtteil Pavenstädt. Laut Ministerium sei der EHEC-Erreger vom Serotyp O104:H4. Das Bundesinstitut für Risikobewertung verbreitet, dass dieses Bakterium als Krankheitsursache für das derzeitige EHEC-Ausbruchsgeschehen eindeutig identifiziert worden sei.
Der vorsorglichen Untersuchung des Kläranlagenbetreibers sei ein ein Erlass des Ministeriums zur Untersuchung von Kläranlagenabläufe vorausgegangen, teilt die Düsseldorfer Staatskanzlei mit.
Die Auswertung habe in Gütersloh ein privates Analyse-Labor übernommen. Das Ergebnis werde jetzt einer zweiten Überprüfung unterzogen. Die Probe aus der Kläranlage stamme vom 30. Juni. Am 27. Juni seien vom Landesumweltamt Oberflächengewässer-Proben im Dalkebach genommen worden. Das Ergebnis sei negativ gewesen. Das LANUV habe gestern noch weitere Proben vom Kläranlagenablauf und aus dem Gewässer entnehmen und prüfen lassen. Die Proben würden über das Wochenende zum Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nach Berlin gebracht und dort untersucht.
Andere Qualität als die Erkrankungen
Für den Pressesprecher des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Frank Seidlitz, steht fest, dass von der EHEC-Belastung des Dalkebaches keine Gefährdung ausgehe. "Das Baden ist dort verboten, und Trinkwasser wird aus dem Dalkebach nicht entnommen", sagte er auf Anfrage der Neuen Westfälischen. Dennoch weist das Ministerium "vorsorglich" darauf hin, dass bei Kontakt zu offenen Gewässer grundsätzlich nicht von einer Keimfreiheit ausgegangen werden könne. 20 Gewässer habe das Ministerium in Ostwestfalen-Lippe testen lassen, so Seidlitz. Nur in Gütersloh sei der gefährliche Erreger aufgetaucht.
Für Jan Focken, den Sprecher des Kreises Gütersloh, ist der Fund keine Überraschung. "EHEC-Patienten gehen auf die Toilette. Wo, wenn nicht in der Kläranlage soll der Erreger denn landen?" Dieser Fund habe eine andere Qualität als die Erkrankungen: "Erst hatten wir den Erreger auf dem Speiseteller, nun in der Kläranlage. Das ist ein gewichtiger Unterschied", sagte Focken. Er ist davon überzeugt, dass man den Erreger in all jenen Kläranlagen nachweisen könne, in die Patientenausscheidungen geflossen seien. Focken erinnert daran, dass 28 Menschen im Kreis Gütersloh an EHEC erkrankt seien. Einer von ihnen werde immer noch stationär behandelt. "Nicht alle waren in einem Krankenhaus", erklärt Focken und verweist auf die Fäkalien-Streuung, die das zur Folge habe.
Der Kreis werde die Analyse der weiteren Proben abwarten. "Es gibt nichts, was wir jetzt tun können", sagte Focken.
Erreger bislang nur im Menschen nachgewiesen
Der EHEC-Forscher Helge Karch vom Universitätsklinikum Münster teilte vor zwei Wochen mit, dass er davon ausgehe, dass sich der gefährliche Darmkeim im Moment vermehrt in der Umwelt ablagere. "Viele Menschen scheiden derzeit den Erreger aus", sagte Karch, dadurch gelange er in die Umwelt. "Dass der Keim jetzt im Wasser gefunden wurde, hat mich nicht überrascht." Karch schätzt diesen Typ des Erregers als extrem widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen ein.
Für das Bundesinstitut für Risikobewertung spricht vieles dafür, dass der Eintrag des Erregers in betroffene Lebensmittel über den Menschen oder indirekt vom Menschen über die Umwelt erfolgt sei. Während verwandte Stämme im Darm von Wiederkäuern leben, sei der nun identifizierte Erreger bislang nur im Menschen nachgewiesen worden. Beide Erreger lösen schwere Durchfallerkrankungen aus. Bei der derzeitigen Datenlage seien tierische Exkremente (Gülle) als Eintragspfad eher unwahrscheinlich.