Delbrücker Realschülerin Sandra K. durch "bodenlosen Leichtsinn" getötet
Delbrück (lnw). Mit Trauer, Betroffenheit und Entsetzen reagierten am Mittwoch hunderte von Delbrücker Schülerinnen und Schülern auf den Tod ihrer Mitschülerin Sandra K., die am Dienstagabend auf dem Schulhof der St.-Marien-Schule im Kreis Paderborn tödlich verletzt worden war.
Ein "folgenschweres Missgeschick und bodenlosr Leichtsinn" haben nach Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft offenbar zum Tod der 14-jährigen Realschülerin geführt.Am Dienstagabend nach 18 Uhr hielten sich mehrere Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren auf dem Schulhof der St.-Marien-Schule auf. Der Schulhof gilt als beliebter Treff zum Abhängen und Trinken. "Wir haben schon einen Wachdienst beauftragt, doch gegen Dreck und Scherben sind wir allmählich machtlos", berichtet Alois Lienen, langjähriger Schulleiter der St.-Marien-Schule, der heute in den Ruhestand verabschiedet wird.
Einige Jungen hatten einen grünen Regenschirm auf dem Schulhof gefunden und damit herum geworfen. Der Schirm ging dabei zu Bruch, sodass nur noch Einzelteile übrig blieben. Unter anderem der Holzgriff mit einem etwa 35 Zentimeter langen, scharfkantigen Metallstiel. Dieses Teil warf der 17-Jährige in Richtung Schuldach. Doch das Schirmstück traf die vor einer Tür sitzende Schülerin und drang tief deren Brustkorb ein.
Stark blutende Brustkrobverletzung
Einige der Jugendlichen leisteten sofort Erste Hilfe, andere griffen geistesgegenwärtig zum Handy und alarmierte per Notruf den Rettungsdienst. Der Westenholzer Notarzt Johannes Fahl war einer der ersten Helfer, der auf dem Schulhof eintraf. Wegen der tiefen und stark blutenden Brustkrobverletzung entschied Fahl sofort, den Rettungshubschrauber Christoph 13 anzufordern. Um 19.10 Uhr wurde die Delbrücker Feuerwehr alarmiert, um die Landung des Hubschraubers vorzubereiten. Dazu mussten die Einsatzkräfte erst einmal massiv die schaulustigen Jugendlichen zurückdrängen.
Dabei kam es zu Rangeleien mit Kräften von Polizei und Feuerwehr, die auch dafür sorgte, dass sich Zeugen und Tatbeteiligte nicht "verflüchtigten", wie es ein Beteiligter beschrieb.
Nach Erstversorgung im Rettungswagen wurde Sandra K. dann bereits unter Reanimationsbedingungen ins Städtische Krankenhaus Bielefeld-Mitte geflogen. Dort erlag sie ihren schweren Verletzungen.
Noch an der Unfallstelle kümmerte sich Notfallseelsorgerin Anita Papenheinrich um Angehörige und Einsatzkräfte. "Für uns war das ein höchtsgradig belastender Einsatz", sagte Wehrführer Reinhard Brand, "es war eine Situation, mit der wir nicht gerechnet hatten."
Polizei befragte acht Jugendliche zum Unglücksfall
Am frühen Abend wurde auch Sigrid Sordon-Hackel, Schulleiterin der Johann-Sporck-Realschule, informiert. Sie trommelte gleich für Mittwochmorgen Klassenlehrer und das Krisenteam der Schule zusammen. Bereits um 7 Uhr stimmten alle Beteiligten die Information der Klassen in der Realschule ab. Im Laufe des Mittwochs wurde die Leiche der 14-Jährigen obduziert. Die Polizei hat acht Jugendliche im Zusammenhang mit dem Unglücksfall befragt, darunter den 17-Jährigen Schirmwerfer.