Sonnabend, 26.05.2012
Homepage-Ticker | RSS | Twitter | Impressum | Kontakt | AGB | Mediadaten


Schrift

03.08.2011
BIELEFELD
Weltenbummler Dieter Tews hält in Bielefeld
69-jähriger Fliesenleger lebt seit 40 Jahren auf Rädern
VON CHRISTOPH REIMERS

Im Geiste der 70er | FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Dieter Tews weiß kaum, womit er anfangen soll. Seine Erzählungen von Anekdoten und kuriosen Erlebnissen könnten leicht ein ganzes Buch füllen. Denn an Dieter, der auf dem "Du" als Anrede besteht, ist wirklich alles außergewöhnlich.

Lange Haare, langer Bart, lange Halsketten und ein kräftiger Händedruck: So lassen sich gewöhnlich junge Harley-Davidson-Fahrer beschreiben. In diesem Fall aber geht es um einen Rentner, 69 Jahre alt und Wohnmobil-Fahrer. Statt seinen Ruhestand zu genießen, arbeitet der gebürtige Berliner als Fliesenleger und bereist die Welt. Zur Zeit campiert er auf einem Hinterhof in der Bielefelder Innenstadt.

"Der alte Büssing ist von 1970 und war früher ein Möbelwagen", sagt Dieter Tews. Sein wuchtiges Mobil ist schon von außen beeindruckend. Dann aber öffnet er die Tür, und es beginnt eine Wohnungsbesichtigung der besonderen Art.

Info

Stationen

  • Geboren wurde der Handwerker 1942 in Berlin. Im Winter kampiert er meist in seiner Heimatstadt;
  • Die erste Reise führte ihn 1971 nach Indien;
  • Große Teile der Inneneinrichtung seines Wagens wurden in Nepal angefertigt;
  • In Deutschland besucht Dieter jährlich mehrere Goa-Festivals. Dort verteilt er Laubbaum-Sämlinge;
  • Für das nächste Frühjahr plant Dieter eine China-Reise. Dafür sucht er noch Begleiter.


Buddhas, Vishnus und Drachen

Das Auto ist ein Hausboot auf Rädern, ist Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand in einem. In jahrelanger Kleinarbeit hat Tews sich hier ein ebenso unglaubliches wie einzigartiges Domizil geschaffen. Große Teile der Inneneinrichtung sind in Nepal gefertigt. "Das ist alles aus Messing gehämmert und aus Holz geschnitzt", sagt der Veganer, der auch Alkoholgenuss und Zigaretten ablehnt. DerWohnraum wird von unzähligen asiatischen Gottheiten und Fabelwesen geschmückt: Buddhas, Vishnus, Drachen und Schlangen grüßen den Besucher aus einer anderen Welt. Mit Ausbauten und Verzierungen wiegt der Wagen 14 Tonnen. Das Vorgängermodell war an dieser Last zerbrochen.

Seit 1971 lebt Tews auf Rädern. "Aus dem Fenster gucken und jeden Tag das gleiche sehen, das ist mir viel zu langweilig." Einen festen Wohnsitz vermisst er auch im Winter nicht. "Sieben Kerzen reichen, dann ist die Hütte warm."

Viele Details seiner "Hütte" bleiben auf den ersten Blick versteckt. Erst als die Sonne rauskommt, fängt es an zu plätschern: "Das ist der Springbrunnen, der kriegt Solarstrom vom Dach." Die feine Fontäne ergießt sich inmitten von Pflanzen und Moosen. Überall im Auto sind kleine Botanik-Inseln integriert.

Tews überrascht Besucher mit endlosen Raffinessen

Fotostrecke
Klicken Sie auf ein Foto, um die Fotostrecke zu starten (5 Fotos).

Tews ist es eine Freude, den staunenden Besucher mit endlosen Raffinessen zu überraschen. "Ich hab hier 668 LEDs eingebaut," erklärt der Hausherr. Überall sind kleine Schalter versteckt, die den Innenraum auf Knopfdruck in gold-gelbes Licht tauchen. Kaum ruhen die Augen auf einem Objekt, ist Tews schon beim nächsten. In seinem Wohnmobil fehlt nichts: Schlafzimmer mit Doppelbett, Gästezimmer, Küche. "Das Badezimmer, das hat einen Sound!" Tews zeigt auf große Lautsprecher in der Decke. Der Bad-Fußboden ist beheizt. Mosaik-Plättchen und runde Formen erinnern an Hundertwasser-Architektur. Aber der Bastler bekräftigt: "Das entspringt alles meiner Fantasie." Auf dem Dach seines Eigenheims hisst er die Tibet-Flagge. "Die kann ich nachts ausleuchten", erklärt der Globetrotter. Und das Dach bietet weitere Möglichkeiten: Mit wenigen Handgriffen lässt sich ein Zelt aufspannen - eine überdachte Terrasse inmitten von Solarzellen. Dieter Tews ist ein bunter Hund. Früher war auch sein Wagen

knallbunt bemalt. Wegen des H-Kennzeichens muss er sich nun jedoch auf zahme Zweifarbigkeit beschränken. "So wollen sie es haben." Tews bringt nichts aus der Ruhe. Aber um Natur und Mitmenschen sorgt er sich: "Die jungen Leute wissen nicht mehr, was wichtig ist im Leben." Er hingegen ist sich sicher: "Wir kommen aus der Natur, und wir müssen auch zurück zur Natur.Wenn ich daran denke, was der Mensch mit der Umwelt anstellt, kriege ich eine Gänsehaut." Dieter Tews hat viel gesehen und unzählige Länder bereist: "Ich habe Goldhände und kann überall arbeiten", sagt er. Am häufigsten hat es ihn bisher nach Nepal und Indien gezogen. Im nächsten Frühjahr steht eine ausgedehnte China-Reise an. Dafür sucht er noch Mitstreiter. Auf dem Weg in die Volksrepublik kennt Tews keine Eile: "Ich fahre, bis ich da bin." Die Reise ist nicht billig, der Bus verbraucht 30 Liter Diesel auf 100 Kilometern. "Darum lebe ich sparsam, ich brauche nicht viel," sagt er.

Der Zukunft blickt der Pensionär freudig entgegen. "Ich habe noch viel vor, bin voller Ideen", sagt Tews wild gestikulierend. Es wäre einfach, den Berliner als alternden Spinner abzutun. Aber er wirkt authentisch, auch wenn er das kleine esotherische Einmaleins beherrscht. Dieter Tews fasst sein Anliegen zusammen: "Ich versuche, den Menschen ein bisschen Kraft zu geben. Die meisten verlassen den Bus positiver als sie gekommen sind." Das stimmt. Und so ist es wenigstens einfach, einen guten Schluss zu finden.

Mehr zum Thema in nw-news.de

Schrift

Kommentare
Weiter so Dieter!!! Und an alle denen 30 Liter ein Dorn im Auge sind: Massentierhaltung und Fleischproduktion werden nach neuesten Studien deutlich mehr für den Klimawandel verantwortlich gemacht als die Abgase von Autos, damit hat er als Veganer gar nichts zu tun!!!

Ich weiss wo er steht

weiß jemand wo genau sein wohnmobil steht? und wie lange noch? :-) ich würde ihn ja echt gerne mit einem veganen kuchen besuchen. :-)

Natürlich hören sich 30 liter Verbrauch zunächst viel an, relativ gesehen ist das aber nur ein Tropfen im Meer der alltäglichen Umweltbelastung.
Ich weiß auch nicht wo sich Herr Tews aufspielt. Aber gut, jeder ließt und versteht den Artikel anders bzw. nur im Rahmen seines persönlichen Horizonts.

Ich hoffe allerdings Herr Tews erkundigt sich vor der Reise nochmal über China. Einreisen wird er mit dem Bus nämlich nicht können. Und sollte an dem Grenzübergang immernoch die Tibet-Flagge gehisst sein, wird Herr Tews vielleicht sogar einen chinesischen Knast von innen sehen.Mit seiner Erfahrung in Asien wird er aber schon wissen was er tut.
Trotzdem wünsche ich schonmal viel Spaß und viele tolle Erfahrungen.

@claudia: Ich denke, es gibt einfach auch Menschen, die es bewusst "später" machen möchten/müssen oder wie auch immer. Vielleicht weil das notwendige Budget/Fahrzeug etc. Es wird gesagt, dass das "Später"-denken Zeitverschwendung sei. Also, dann auf auf! Haben Sie die Koffer schon gepackt? ;-)


Wenn man es mit dem hier so fiebrig diskutieren Spritverbrauch genau nimmt, kommt es nicht auf die Verbrauchsmenge eines einzelnen Autos an. Wenn der Herr Tews ganz allein auf der Welt wäre, würde sein Verbrauch der Umwelt kaum schaden. Würden aber tausende Autos solche Verbräuche aufweisen, sieht das Ganze schon anders aus. Und das ist das heutige Problem! Immer mehr Autos.
Und nicht jeder kann mal eben mit dem Fahrrad um die Welt radeln. Vielleicht spielt die Gesundheit nicht mit. Und man muss es sich erst antrainieren, um Verletzungen zu vermeiden. Und dann sind wir wieder beim Thema "später". Und zum Thema "warum nimmt er nicht das Flugzeug". Das ist auch wieder ein typisches Merkmal der Gesellschaft. Hauptsache schnell ankommen. Dabei erfährt man doch viel mehr, wenn man auch mal Umwege macht. Ich denke, Herr Tews hat die Reise bewusst mit dem Auto/Bus gemacht, damit er auch was von den Ländern dazwischen sieht. Er kann spontan anhalten und sich etwas angucken etc. Wenn es die Situation ermöglicht, mache ich das auch immer so. Flexibel sein. Ich bin nicht der Mensch, der gerne schöne Dinge verpasst, nur weil die andere Option schneller zum (Reise-) Ziel führt. Und das ist, glaube ich, auch Herr Tews Grund.

Ich würde mich freuen, wenn die NW uns bzgl. Herrn Tews Reiserouten auf dem Laufenden hält.



 Seite 1 von 6
weiter >
  >>



Anzeige
Weitere Nachrichten aus OWL
OWL
Westfalen kommt in Schulbüchern kaum vor
Wie wichtig es offenbar ist, den Blick NRWs – wie an diesem Wochenende – öfter nach Ostwestfalen-Lippe zu lenken, zeigt eine Studie, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vorgelegt hat. mehr

MINDEN
Korrupter Beamter in Minden kassiert Asylbewerber ab
Ein leitender Mindener Beamter ist wegen Korruption zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er soll von Asylbewerberinnen eine stattliche Summe Geld für Hilfe im Asylverfahren kassiert haben. mehr


HERFORD
"Chefsekretärin" gesucht: Männlicher Bewerber fühlt sich diskriminiert
Ausgerechnet ein Personaldienstleister hat bei einer Stellenausschreibung eine Bestimmung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) verletzt und die Position einer Chefsekretärin nur in der weiblichen Form ausgeschrieben. mehr

BIELEFELD
Ex-Armine Oliver Kirch heiratet Model Jana Flötotto kirchlich
Oliver Kirch, Ex-Fußballer von Arminia Bielefeld, und das Model Jana Flötotto haben sich in Gütersloh trauen lassen und in der Orangerie von Schloss Rheda kräftig gefeiert. mehr



Anzeige


Anzeigen

Fotos aus OWL
Bad Oeynhausen: 29. Nationaler Stadtlauf
Bad Oeynhausen: 29. Nationaler Stadtlauf
Herzebrock-Clarholz: Unfall mit sechs Verletzten
Herzebrock-Clarholz: Unfall mit sechs Verletzten
Espelkamp: Saisonstart im Waldfreibad
Espelkamp: Saisonstart im Waldfreibad
Höxter: Kollision auf der Kreuzung
Höxter: Kollision auf der Kreuzung
Bad Oeynhausen: Fußball-Turnier der Grundschul-Mädchen
Bad Oeynhausen: Fußball-Turnier der Grundschul-Mädchen
Entrup: Aussichts- und Telegrafenturm eingeweiht
Entrup: Aussichts- und Telegrafenturm eingeweiht


Videos
Regionale Wirtschaft
RÖDINGHAUSEN: Das längste Solarmodul der Welt
Solarenergie gewinnt an Bedeutung, soll die Energiewende forcieren – und wurde nun Ziel einer technologischen Innovation. Einem von der... mehr

BIELEFLD: Dr. Oetker übernimmt tunesisches Nahrungsmittelunternehmen
Dr. Oetker steigt in den nordafrikanischen Nährmittelmarkt ein. Der Bielefelder Lebensmittelkonzern habe die Mehrheit an dem tunesischen... mehr

BIELEFELD: Begegnungswoche der Bielefelder Industrie- und Handelskammer
Im vergangenen Jahr drehte sich die alljährliche "Internationale Begegnungswoche" der Bielefelder Industrie- und Handelskammer um die ASEAN-Staaten im... mehr

BIELEFELD: Große Chancen für Lehrstellensuchende
Jugendliche, die in diesem Jahr noch einen Ausbildungsplatz in Ostwestfalen suchen, sind am 12. Juni zu "Speed-Datings" eingeladen. Interessenten... mehr

Entlassungen bei Premiummöbel-Hersteller Interlübke
Rheda-Wiedenbrück (lnw). Trotz Aufwärtstrends will der Premiummöbel-Hersteller Interlübke den Betrieb umstrukturieren und bis Jahresende 40 der knapp... mehr


Kultur
Theater verzaubert die Paderstadt
Paderborn. Das neue Theater Paderborn war bis Freitagabend Gastgeber des 28. professionellen Kinder- und Jugendtheatertreffens NRW "Westwind". Elf... mehr

PADERBORN: Trügerische Paradiese des William Turner in Paderborn
Paderborn-Schloß Neuhaus. Er war einer der mobilsten Künstler seiner Zeit, skizzierte unermüdlich auf seinen Reisen und rückte die Landschaftsmalerei... mehr

DETMOLD: Detmold als Freilichtbühne
Detmold (nw). Die Stadt aus ganz neuen Blickwinkeln zu erleben: Dazu lädt das Europäische Straßentheaterfestival in Detmold ein. Über Pfingsten wird... mehr

GÜTERSLOH: Liz Mohn feiert 25 Jahre Wettbewerb "Neue Stimmen"
Vor 25 Jahren hat Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn den Wettbewerb "Neue Stimmen" für den Opernachwuchs ins Leben gerufen. Das soll gefeiert werden:... mehr

Literarisches Staraufgebot
Wuppertal (dpa). Mit hochkarätigen Autoren feiert die Wuppertaler Literatur Biennale 2012 Premiere. Gäste des neuen Literaturfestivals vom 6. bis 16.... mehr