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19.09.2011
BIELEFELD
Fußball-Einsätze der Polizei kosten 115 Millionen Euro
Allein 600 Beamte sollen verlegtes Derby Münster – Bielefeld sichern
VON BERNHARD HÄNEL

Gewaltbereit | FOTO: DPA

Bielefeld. Papst Benedikt XVI. und die Krawalle beim Münsteraner Auswärtsspiel in Osnabrück haben eine Verlegung des Westfalenderbys zwischen den Drittligisten Preußen Münster und Arminia Bielefeld bewirkt. Die Innenministerkonferenz hatte die Begegnung als "Brisanzspiel" eingeordnet, bei dem mindestens 600 Polizisten eingesetzt werden müssten. Anlass für die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), ihre Forderung nach einer Beteiligung der Verbände an den Einsatzkosten zu erneuern.

Die Verlegung des Spiels vom 24. September auf den 8. Oktober  durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist für das NRW-Ministerium eine gute Entscheidung, da wegen des Fußballländerspiels in der Türkei die ersten beiden Bundesligen spielfrei haben. Weniger Einsätze, das freut auch Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt. "Unsere Leute sind wütend und erschöpft", sagt Wendt. Sie kämen gar nicht mehr aus den Stiefeln heraus. So müssten beim Papstbesuch in Berlin über 4.500 Beamte aus ganz Deutschland für Sicherheit sorgen.

"30 Prozent der bayerischen Bereitschaftspolizei machen nichts anderes mehr als Fußballeinsätze", sagt Wendt. Er erneuerte seine Forderung nach einer Kostenbeteiligung der Deutschen Fußballliga (DFL) und des DFB. 115 Millionen Euro koste der Polizei-Einsatz während einer Saison. "Meine Forderung nach einer Beteiligung von 50 Millionen Euro ist geradezu ein Freundschaftspreis", sagt Wendt.

"Doch die Front bröckelt"

Bislang fand der DPolG-Chef dafür keinen Zuspruch in der Politik. "Doch die Front bröckelt", sagt er. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern will Wendt Bewegung wahrgenommen haben. "Es ist unerträglich, wenn 17-jährige Balltreter Millionen-Verträge unterzeichnen, aber für 20-jährige Polizisten meist kein Geld da ist, um ihre Überstunden anständig zu bezahlen", sagt Wendt.

Am 10. September war es beim Duell der beiden Mannschaften aus den Friedensstädten Osnabrück und Münster zu Ausschreitungen gekommen, bei denen 29 Personen, darunter fünf Polizisten, verletzt worden waren, einige von ihnen schwer. Der SC Preußen Münster verzichtete daraufhin auf die bereits erteilte Sondergenehmigung der Aufstockung der Besucherzahl von 15.000 auf 18.000 Zuschauer.

Bis zu 3.700 Arminia-Anhänger werden zum Spiel nach Münster reisen. Polizei, Fan-Beauftragte und Vorstände beider Vereine versuchen nach eigenen Aussagen, durch eine enge Abstimmung die Sicherheit vor und im Preußenstadion zu organisieren. Szenekundige Beamte stünden im Kontakt mit bekannten Problemfans. "Wir werden die Sicherheit im Stadion für die friedlichen Fans gewährleisten", verspricht Münsters Polizeisprecherin Tanja Lassen.

Derweil wächst die Sorge

Derweil wächst die Sorge, dass gewaltbereite Fans aus ganz Deutschland den spielfreien Tag 8. Oktober nutzen könnten, in Münster für Krawalle zu sorgen. Auch deswegen bemühen sich beide Vereine, um eine erneute Terminverlegung durch den DFB.

Kommentare
Stehplätze abschaffen, Kartenpreise auf englisches Niveau und schon kommen die Idioten nicht mehr ins Stadion

@Mal-Sachlich-Bleiben, ein wirklich guter beitrag zu dieser immerwiederkehrenden debatte. aber die fußballgegner werden es dennoch nicht einsehen und weiter auf ihren haltlosen standpunkt beharren

Ich finde die Verlegung des Spiels auf den 8.10. nicht fair, falls Löw einen oder mehrere Spieler von uns für das Spiel am 7.10. gegen die Türkei nominiert.

@Kenny D.: Das ausgewählte Bild ist doch noch harmlos! Da gab es rund um das Spiel ganz andere Krawallszenen. Insofern kann ich nicht nachvollziehen, was es in Richtung der Bildauswahl der NW zu meckern gibt?!

Hier mal eine Kernaussage aus einem etwas sachlicherem Artikel zu diesem Thema-gefunden im Wirtschaftsteil des Sp****l's:
Frankfurt am Main - Der deutsche Profifußball ist offenbar ein noch größerer Wirtschaftsfaktor als bislang angenommen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) beziffert den Beitrag zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung in Deutschland auf jährlich 5,1 Milliarden Euro.

Eine bei der Unternehmensberatung McKinsey in Auftrag gegebene Studie habe außerdem gezeigt, dass dem Staat pro Jahr Netto-Einnahmen von 1,5 Milliarden Euro aus dem Fußballgeschäft verbleiben, teilte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Dienstag in Frankfurt mit. Als Wertschöpfung versteht McKinsey die Summe der im Profifußball erzeugten Bruttoeinkommen und Steuern aus Firmengewinnen. "Der Fußabdruck, den wir hinterlassen, ist größer als erwartet und bemerkenswert", sagte Seifert. "Die Clubs können sehr stolz auf das sein, was sie zur Volkswirtschaft beitragen."

Die Studie habe Zahlungsströme in Verbindung mit der 1. und 2. Bundesliga, internationalen Wettbewerben, der Nationalmannschaft, des DFB-Pokals, nicht aber des Frauenfußballs berücksichtigt. Neben den Umsätzen der Profi-Clubs sind den Angaben zufolge auch das Geschäft von Lizenznehmern wie Medien, Vermarktern und Ausrüstern sowie die Wertschöpfung durch Hotels, Restaurants oder Logistikunternehmen erfasst worden. Dafür seien Interviews mit rund 100 "relevanten Experten" geführt worden.

"Es gibt einen sehr hohen Abstrahleffekt"

Die Studie "Wirtschaftsfaktor Bundesliga" hat als Grundlage Daten der Saison 2007/08 verwendet und kommt zu dem Ergebnis, dass durch die Liga Verbindungen, Zahlungsströme und Beschäftigungswirkungen entstehen, die die Volkswirtschaft positiv beeinflussen. "Es gibt einen sehr hohen Abstrahleffekt", sagte Thomas Netzer von McKinsey.

Jeder 500. Euro des Bruttoinlandsprodukts werde somit durch die Fußball-Bundesliga generiert, sagte Seifert. Der DFL-Geschäftsführer verwies auf etwa 70.000 Vollzeitarbeitsplätze im Profifußball, auf denen rund 110.000 Beschäftigungsverhältnisse basierten. Dies entspricht der Hälfte der Belegschaft des Volkswagen-Konzerns oder der Deutschen Post.

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"Damit schafft der Profifußball mehr Arbeitsplätze als zwei von drei Unternehmen im Dax", sagte Seifert. An Steuern und Abgaben überweise die Branche jährlich 1,7 Milliarden Euro an den Staat. Ihnen stünden einschlägige Ausgaben, zum Beispiel für Polizeieinsätze, von 200 Millionen Euro gegenüber.



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