Detmold. Ein Nationalpark im Teutoburger Wald wird in ökonomischer Hinsicht keine negativen, sondern erhebliche positive Effekte haben. Zu diesem Ergebnis ist nach Informationen dieser Zeitung das mit Spannung erwartete Wirtschaftlichkeitsgutachten des Roland-Berger-Instituts gekommen. Unter Berücksichtigung aller Investitionen wird in der Expertise für den Nationalpark eine Wertschöpfung von fünf Millionen Euro pro Jahr prognostiziert.
Gleichzeitig werden in dem Gutachten diverse Szenarien der Nationalpark-Gegner konterkariert. Diese hatten den maßgeblich vom Kreis Lippe und dessen Landrat Friedel Heuwinkel (CDU) geplanten Nationalpark bereits als "Millionengrab" bezeichnet und erhebliche wirtschaftliche Nachteile für die Region vorausgesagt.
Wie aus sicherer Quelle verlautet, hat das Roland-Berger-Institut nun zum Beispiel errechnet, dass unter dem Strich mit der Einrichtung eines Nationalparkes in der Region wesentlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet werden. Zur Begründung wird unter anderem angeführt, dass die Folgen eines Nationalparks vor allem für zwei große Holz verarbeitende Industriebetriebe längst nicht so dramatisch ausfallen werden, wie von diesen bisweilen dargestellt.
Nationalpark soll etwa 8.500 Hektar groß sein
Diese Industriebetriebe würden lediglich zwei beziehungsweise vier Prozent ihres Holzbedarfs aus der geplanten Nationalparkfläche decken. Außerdem werde von dem Holz, das aus insgesamt 180.000 Hektar Wald in OWL geschlagen wird, bislang 43 Prozent in andere Regionen, teilweise sogar ins Ausland exportiert. Da der Nationalpark im Teutoburger Wald nur etwa 8.500 Hektar groß sein soll, bestünden für die Industrie- und Handwerksbetriebe in der Region immer noch genügend Möglichkeiten, um Holz aus der direkten Umgebung zu kaufen.
Beim Verzicht auf den Holzeinschlag im Nationalpark, der wegen des sogenannten Prozessschutzes auf den meisten Flächen eines Nationalparks notwendig ist, würden im Teutoburger Wald langfristig etwa 6.000 Festmeter Holz pro Jahr weniger geerntet, heißt es im Gutachten. Daraus resultiere ein Verlust von jährlich etwa 2,1 Millionen Euro. Diesem Minus stünden allerdings Mehreinnahmen aus der Tourismusbranche in Höhe von 4,2 Millionen Euro entgegen. Beim Tourismus bezieht sich Roland Berger auf Vergleichszahlen in anderen deutschen Nationalpark-Regionen und rechnet mit einer Steigerung von zwei Prozent.
Die Einzelheiten des Wirtschaftlichkeitsgutachtens will der bei den Planungen federführende Kreis Lippe am 17. Oktober vorstellenen. Ihm dürfte das Berger-Gutachten willkommen sein. Zwar war vor drei Jahren bereits ein Fachgutachten des NRW-Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kulisse im Teutoburger Wald die naturschutzfachlichen Voraussetzungen für einen Nationalpark "gemäß den Kriterien des Bundesnaturschutzgesetzes" erfüllt.
Kritiker hatten dem jedoch stets ökonomische Bedenken entgegengesetzt. Weder der lippische Landrat Friedel Heuwinkel noch das NRW-Umweltministerium wollten am Freitag zum Berger-Gutachten Stellung nehmen. Am Montag soll in Bad Lippspringe zunächst ein runder Tisch zu den Planungen eines ebenfalls umstrittenen Nationalparks in der Senne stattfinden.
zum Gutachten:"Roland Berger" hat schon im Gutachten vom 26.3.2010 die Wirtschaftlichkeit eines Nationalparks positiv beurteilt.
Glaubt jemand im Ernst daran,dass der gleiche(!) Gutachter für den gleichen(!) Auftraggeber jetzt zu einem anderen Ergebnis kommt????
Ohne Fachmann zu sein brauche ich nur die Annahmen hinterfragen,auf denen das Gutachten fusst,um festzustellen wie fragwürdig das Ergebnis ist.