Köln/Dortmund. Der Polizei in NRW steht ein heißer Herbst bevor. Weil mehrere Großereignisse gleichzeitig stattfinden, schlagen ihre Gewerkschaftsvertreter Alarm. Extrem hoch wird die Arbeitsbelastung vor allem am letzten Novemberwochenende sein. Dann rollt nicht nur der nächste Castor-Atomtransport ins Wendland, sondern es finden in Köln und Dortmund noch zwei Hochrisikospiele in der Fußball-Bundesliga statt.
Hundertschaften im Dauereinsatz
- Deutsche Polizisten haben in der letzten Saison mehr als 1,5 Millionen Arbeitsstunden im Zusammenhang mit Fußballspielen geleistet.
- Nach Angaben des NRW-Innenministeriums wendeten die 18 Einsatzhundertschaften 25 Prozent ihrer gesamten Dienstzeit auf, um Fußballspiele unter Kontrolle zu halten.
- Nach Angaben der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze ist die Zahl der als gewaltbereit geltenden Fußballfans von 8.765 auf 9.685 Personen gestiegen. Ende 2008 gab es knapp 3.000 Stadionverbote.
"Die Polizei stößt an ihre Grenzen. Unsere Leute werden von einem Einsatz in den nächsten geschickt", kritisiert der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Auch Stephan Hegger, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei in NRW, ist empört. Vor allem die Einsatzhundertschaften würden "nicht mehr aus den Stiefeln" kommen, sagt er.
Zumindest in den letzten beiden Novemberwochen wird Heggers Behauptung zutreffen. Bereits jetzt ruft das "Bündnis gegen den Castor" ab dem 24. November "zigtausende Menschen zur Kundgebung in Sichtweite der Castor-Verladestation in Dannenberg" auf. Aus Protest gegen "den strammen Atomkurs der Bundesregierung" werde man mit den unterschiedlichsten Aktionen versuchen, den Transport der Atombehälter zu stoppen, heißt es.
Bundeskriminalamt warnt vor Krawallen
Schon im Jahr 2010 sei bei Sitzblockaden auf den Schienen deutlich geworden, dass der Castor-Transport "mit vertretbaren polizeilichen Mitteln ... nicht durchsetzbar" ist. Das Bundeskriminalamt warnt vor Krawallen im Wendland. Beim Castor-Transport im vergangenen Jahr waren dort 20.000 Polizisten, darunter auch zahlreiche aus NRW, im Einsatz.
Die Belastung wird nun aber noch dadurch erhöht, dass am 25. November in Köln das Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach und am Tag darauf in Dortmund das Ruhrpottderby gegen Schalke 04 stattfinden wird. In beiden Begegnungen prallen stark rivalisierende Fan-Gruppen aufeinander. Hunderte Polizisten sind auch hier notwendig, um die jeweiligen Lager zu trennen und Ausschreitungen zu verhindern.
In der jüngeren Vergangenheit hatte es wieder vermehrt Gewaltausbrüche in deutschen Fußballstadien gegeben, nach Angaben der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze wurden im Zusammenhang mit Bundesligaspielen in der letzten Saison 243 Polizisten verletzt.
"Fußball ist kein Grundrecht"
Im Zeitraum von fünf Tagen vor bis fünf Tage nach einem Castor-Transport dürfte es keine Bundesligaspiele geben, fordert Rainer Wendt. "Fußball ist kein Grundrecht, er muss hinter der Demonstrationsfreiheit zurückstehen", sagte er dieser Zeitung. Nach seinen Worten hat die Politik versagt, weil sie dem Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) keine entsprechenden Auflagen bei der Spielplangestaltung gemacht habe.
Ein Sprecher des NRW-Innenministeriums wies darauf hin, dass die DFL durchaus Entgegenkommen gezeigt und die genannten Derbys nicht auf den gleichen Tag gelegt habe. Die Belastung für die Polizisten sei zwar hoch, aber man sei bemüht, ihnen nach dem Einsatz Freizeit zu gewähren.
Im November wird das allerdings kaum möglich sein. Wenige Tage nach dem Castor-Transport steigt in Bonn die Afghanistan-Konferenz. Bei diesem Großereignis müssen 1.000 Politiker aus aller Welt geschützt werden.
Wenn es um Ihre eigene "Spielwiese" sprich Fußball geht, darf es natürlich Steuern kosten... Nee, is klaaa!