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01.12.2011
BÜNDE
Treibjagd führt zu Strafanzeige
Freilaufender Hund reißt Hühner in Bünde
VON ANNE WEBLER

Seine Hühner mussten Federn lassen | FOTO: GERALD DUNKEL

Bünde. Seit Jahren ärgern sich Monika Sachs und ihr Lebensgefährte Ulrich Papke, dass direkt bis an ihr Haus Treibjagden stattfinden. Bei einer Treibjagd vor einer Woche soll einer der Jagdhunde zwei Hühner auf dem Grundstück gerissen und ein drittes so schwer verletzt haben, dass es geschlachtet werden musste. Monika Sachs und Ulrich Papke reicht es. Sie haben Anzeige erstattet.

Info

"Gesetzlich verpflichtet zur Jagd"

"Wir sind gesetzlich verpflichtet zur Jagd", sagt Jagdmitpächter Jürgen Menke. Auch auf den Wiesen der Werfer Bruchs. Die Jagdgrenze verlaufe direkt hinter dem Garten des Hofes von Monika Sachs und Ulrich Papke. "Wir können nicht mehr als uns entschuldigen und das Huhn ersetzen." Es sei der erste ihm bekannte Fall von einem gerissenen Tier bei Jagden im Bruch. "Dass drei Hühner und auch in den vergangenen Jahren Tiere zu Schaden gekommen sein sollen halte ich für eine böswillige Unterstellung." "Wir empfehlen, wenn Tiere auf der Weide gehalten werden, über die Jagd zu informieren, damit die Tiere an dem Tag im Stall bleiben", sagt Bernd Gundlach von der unteren Jagdbehörde des Kreises Herford. Aber das werde nicht immer gemacht.

Monika Sachs war gerade bei der Nachbarin, die im Rollstuhl sitzt und um die sie sich kümmert. Als sie aus dem Haus kam, habe sie die Jäger auf ihrem Grundstück gesehen. Ein Jagdhund sei in den Hühnerauslauf am Wirtschaftsgebäude des Hofes eingedrungen und habe zwei Hühner gerissen. Der Hund habe ein Huhn weggebracht, da sei sie hinterhergelaufen. Der Jäger habe das Huhn mitgenommen. Sie habe ihm zugerufen, dass die Jäger so nah am Haus nichts zu suchen hätten. Der Jäger habe zunächst so getan, als ob er sie nicht gehört habe. "Da bin ich laut geworden, weil ich stinksauer war", sagt Sachs. Seit drei Jahren führten sie eine Auseinandersetzung mit den Jägern, weil diese bei der Jagd so nah an den Hof kämen und die Hunde über den Hof schickten. Sachs und Papke möchten, dass die Jäger 100 bis 200 Meter Abstand halten zum Hof (s. Kasten).

Jagdmitpächter Jürgen Menke hat die Jagd geleitet. Er und der Jäger, dem der Jagdhund gehört, stellen den Vorfall anders dar. "Der Jäger war auf der Rinderkoppel neben dem Anwesen", erzählt Menke. Er habe nicht gesehen, dass sich dort ein Hühnerauslauf befände und habe deshalb seinen Hund laufen lassen. Der Hund habe ihm ein Huhn gebracht, woraufhin er Monika Sachs gesagt habe, es tue ihm leid und er wolle das Huhn ersetzen. Sachs habe jedoch gefordert, dass er das bei der Jagd im vergangenen Jahr verlorene Huhn auch ersetze. Direkt nach dem Treiben seien er, Menke, und sein Jagdmitpächter Tobias Meyer auf den Hof gefahren, um die Angelegenheit zu regeln. Sie hätten jedoch niemanden angetroffen.

"Wir Jäger bitten um Entschuldigung"

Nach der Jagd um 12 Uhr seien sie erneut hingefahren. Weil niemand dort war, befestigten sie am Briefkasten ein DIN-A4-Blatt. "Wir Jäger bitten um Entschuldigung", stehe darauf. Sie wollten das Huhn ersetzen und bäten, das sich Sachs und Papke bei ihnen melden. "Wir haben unsere Namen und Telefonnummern hinterlassen", sagt Menke. Doch bis gestern habe sich niemand gemeldet. Es sei bedauerlich, dass der Hund in den Garten eingedrungen ist. Ihm sei jedoch nur ein gerissenes Huhn bekannt. "Uns tut die Geschichte leid und wir wollen das gerne regeln."

Ulrich Papke hat bei der Polizei Strafanzeige gestellt wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Nun würden alle Beteiligten gehört und der Vorgang an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, sagt Polizeisprecher Joachim Thater-Klas auf Nachfrage der NW. Die Staatsanwaltschaft entscheide dann, ob es zur Anklage komme oder das Verfahren eingestellt werde.

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Kommentare
jeder soll seinem hobby nachgehen,aber sich natürlich an die dazugehörigen "regeln"halten.
meine familie und ich betreiben in südlengern eine pferdepension seit mehreren jahren.natürlich sind auch wir von dem "problem"betroffen weil wir so ländlich wohnen und unsere pferde den ganzen tag draussen halten,ich wäre ja schon einfach nur glücklich wenn man uns wie in dem fall bei udo wsellmann bescheid geben würde,dann könnte jeder selber entscheiden ob er sein pferd in der box lässt.schwachsinnig fand ich den jägerausflug vorletzte woche bei absolutem nebel,da kommt auch schonmal ein gefühl von angst auf,wenn man selbst die hand vor augen nicht sieht...
interessant finde ich die idee von den jägern direkt bei uns vor den boxen "pause"zu machen oder wie kommt sonst ein spezial fernglas dahin,demnächst wenn ich fremde grundstücke betreten möchte frage ich erst ob die anwohner jäger sind,wenn ja haben sie bestimmt verständnis dafür das ich mich dann direkt mitten auf ihrem grundstück aufhalte-das ist schon frech.
und wenn man litzen von pferdewiesen runtertritt,um drunter durch zu passen und die dann kaputt gehen sollte man zumindestens den mumm haben und es melden,weil wenn nämlich unsere tiere dadurch kolik bekommen weil sie im winter auf wiesenstücke kommen die gar nicht für sie bestimmt sind,ist es keiner gewesen.
in allem zusammen sollte etwas rücksicht genommen werden und jeder kleine abstriche machen...lg

Da lobe ich mir doch unsere Jäger hier in Ostösterreich: mein weisser (!!) Hahn, der einst einer Treibjagd zum Opfer fiel, wurde nicht mitgenommen, sondern fein säuberlich gebunden ans Gartentor gehängt....

@Wildtierschutz Deutschland
Danke! Was für wahre Worte...

Wenn der Jäger das Huhn einfach mit nimmt nennt man das Diebstahl. Der Hof ist befriedetes Gebiet und dort muss auch ein Jäger seinen Hund anleinen. Die sind nämlich nichts anderes als normale Huindehalter. Jagd ist ein Hobby für Tierquäler, mehr nicht. Der Begriff "anerkannter Naturschutzverein" kann jeder verwenden. Meist erkennen sich die Jäger selber an.

Darf man fragen, was gejagt wurde? Etwa Fasane, die man zuvor in der Voliere gezüchtet und dann ausgesetzt hat? Oder Hasen, von denen es nicht gerade zuviele vor Ort gibt? Oder Rebhühner, die auch durch die Jagd an den Rand ihrer Existenz gedrängt wurden? Oder wollte man den Hof vor dem Fuchs schützen? Wenn Menke meint, dazu sei er gesetzlich verpflichtet, dann irrt er. Aus dem Jagdgesetz ergibt sich eine Hegeverpflichtung, daraus ist aber keine gesetzliche Verpflichtung zum Abschuss von Kleintieren abzuleiten. Die Niederwild-Treibjagd, falls es eine solche war, ist, wenn nicht gezielt Rehwild gejagt wurde (dazu gibt es Abschusspläne, die erfüllt werden müssen) eine reine Hobbyjagd. Ob der Mitpächter Menke rund um den Hof jagt oder nicht, interessiert den Gesetzgeber die Bohne.



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