Bielefeld. Die neueste Datenschutzerklärung des Hauses Oetker sollte Melanie M.* am 15. Dezember unterschreiben. Sie ist eine von vielen 1.000 Bewerbern bei Oetker – gespeichert im Bewerbermanagementsystem des Konzerns. Als Melanie M. auf der E-Mail nach oben blickt, stockt ihr der Atem: Mehr als 200 Adressaten sind hier nicht verschlüsselt, sondern offen über ihre Mail-Adresse zu erkennen.
"Gerade bei Online-Bewerbungen nimmt ja niemand Mailadressen mit Phantasiebegriffen", sagt die Studentin, die auf einen lukrativen Job bei Oetker hofft und seit einem halben Jahr in der Datei registriert ist. "Da stehen in der Mail-Adresse natürlich überwiegend Vor- und Zuname – und damit kennen nun Bewerber andere Bewerber."
Datenschutz im Onlinebewerbungssystem
Zitate aus der ersten Mail aus dem Hause Oetker an die Job-Interessierten:
"Dem Schutz Ihrer personenbezogenen Daten in unserem Onlinebewerbungssystem und damit Ihrer Privatsphäre messen wir höchste Bedeutung bei."
"Daher möchten wir Sie bitten, sich unsere angepasste Datenschutzerklärung anzusehen, die dem aktuellen Datenschutzgesetz entspricht."
"Unsere aktuelle Datenschutzerklärung finden Sie unter dem folgenden Link:
https://karriere.oetker.de/sap/public/bc/ur/nw5/themes/z_oetker/decl_pd_de.pdf
Mehr als 200 wurden öffentlich, "dann haben wir den Fehler bemerkt und das Versenden gestoppt", sagt Oetker-Sprecher Jörg Schillinger. Er redet nicht groß um das Desaster herum, wählt Vokabeln wie "oberpeinlich" und "ärgerlich".
Offiziell heißt das dann in einer zweiten Mail an alle Betroffenen: "Versehentlich ist heute im Bewerbermanagement-System der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG beim Versand einer Information an alle Bewerber ein Fehler unterlaufen. Statt der Versendung in Blindkopie wurde ein offener Verteiler verwendet. Dieser Fehler ist auf menschliches Versagen zurückzuführen."
Ohne Offiziellen-Sprache bedeutet das: "Da hat einer auf den falschen Knopf gedrückt, es bemerkt und gestoppt", sagt Jörg Schillinger. Er betont: Oetker entschuldige sich bei allen Betroffenen.
Die Entschuldigung | FOTOMONTAGE: ANDREAS FRÜCHT
Melanie M. kann das annehmen, sagt aber auch: "Das hat mich doch schockiert, Oetker ist ja ein großes, elitäres und sehr professionelles Unternehmen." Für sie sei es nicht so schlimm, was aber, wenn sich Menschen beworben haben, die in festen Jobs sind? "Man vertraut ja auf den Datenschutz in so einem Fall."
Sich ausgerechnet bei einer neuen Datenschutzerklärung so einen Fehler zu leisten, "das ist die Ironie an der Sache", sagt die junge Frau, die aus der Region kommt – und trotz allem weiter bei Oetker einen Job finden will.
* Der Name wurde aus Datenschutzgründen geändert