Bielefeld. Die etwa 90.000 Jäger in Nordrhein-Westfalen müssen sich auf härtere Zeiten einstellen. Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) will im kommenden Jahr den Entwurf für ein neues Landesjagdgesetz vorlegen. In der Novelle soll der Natur- und Tierschutzgedanke stärker als bisher berücksichtigt werden. Es steht auch zu erwarten, dass zahlreiche Arten in Zukunft überhaupt nicht mehr bejagt werden dürfen.
Große Teile des Landesjagdschutzgesetzes seien "völlig veraltet" und müssten "den aktuellen Bedingungen und Erkenntnissen angepasst werden", sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des NRW-Umweltministeriums. Ziel sei es, "ein ökologisches Jagdgesetz zu entwickeln". Der Katalog der " jagdbaren Arten", der in NRW bislang noch etwa 100 unterschiedliche Tiere umfasst, stehe auf dem Prüfstand. Ein Referentenentwurf werde vermutlich in der zweiten Jahreshälfte 2012 vorliegen, sagt Deitermann.
Bestimmte Jagdpraktiken verbieten
Vom NRW-Umweltminister Remmel ist bekannt, dass er nicht nur die Zahl der jagdbaren Arten einschränken, sondern auch bestimmte Jagdpraktiken am liebsten verbieten möchte. Dazu zählt beispielsweise die Fallenjagd. Auch der Jagdhunde-Ausbildung an lebenden Tieren möchte der Minister einen Riegel vorschieben.
Das Thema birgt reichlich Zündstoff.
Im Arbeitkreis "Jagd und Naturschutz", wo regelmäßig Einzelheiten der geplanten Gesetzesnovelle diskutiert werden und circa 20 Vertreter von unterschiedlichen Verbänden und Parteien am Tisch sitzen, "gibt es immer wieder heftige Konfrontation", bestätigt Helmut Brücher. Als Sprecher der Tier- und Naturschutzverbände steht er für recht drastische Forderungen. "Das bestehende Jagdrecht geht im Kern auf das Reichsjagdgesetz aus dem Jahr 1934 zurück, sagt Brücher. Die Jagdlobby habe es "über Jahrzehnte geschafft, notwendige Reformen zu verhindern".
"Wir dürfen die Natur nicht in Gut und Böse einteilen"
Geht es nach den Vorstellungen des Naturschutzbundes (NABU), dann wäre beispielsweise die Jagd auf nahezu alle Vogelarten einzustellen. Auch sogenannte Beutegreifer, wie beispielsweise Marder, Iltisse und Waschbären dürften nicht mehr geschossen werden. Nach den Vorstellungen von Helmut Brücher bliebe nur noch die Jagd auf Hirsche, Rehe, Wildschweine und Stockenten an drei Monaten im Jahr erlaubt. Sogar die Hasen müssten geschützt werden, weil sie vom Aussterben bedroht seien. Es gebe auch keinen Grund, auf Füchse zu schießen: "Wir dürfen die Natur nicht in Gut und Böse einteilen", sagt Brücher, der auch strikt gegen den Abschuss wildernder Katzen und Hunde ist.
Völlig andere Vorstellungen hat der Präsident des Landesjagdverbandes NRW, Jochen Borchert. "Niemand kann überzeugend erklären, warum an der Liste der jagdbaren Arten etwas geändert werden müsste", schrieb Borchert in der Verbandszeitschrift Rheinisch-Westfälischer Jäger. Die Jagd mit Fallen auf Beutegreifer sei "zum Schutz des Niederwildes und vieler anderer Tierarten unverzichtbar". Die Jagdhundeausbildung an lebenden Enten und Füchsen sei "tierschutzgerecht", so Borchert. Aus seiner Sicht ist NRW "das Hasenland Nummer eins". Im Ländervergleich erziele man "die höchste Taubenstrecke, wofür uns geplagte Landwirte dankbar sind."
KommentarUmstritten
VON HUBERTUS GÄRTNER
An der Jagd scheiden sich die Geister. Es gibt nur wenige Themen, die zwischen Gegnern und Befürwortern derart emotional und kontrovers diskutiert werden. Aus der Sicht vieler Natur- und Tierschützer haben Jäger heute kaum noch eine Existenzberechtigung. In jedem Schuss auf ein freilebendes Tier sehen sie einen unzulässigen Tötungsversuch. Auf der anderen Seite betrachten sich die Jäger selbst als die größten Naturschützer. Hege und Pflege seien ihnen heilig, so versichern sie immer wieder.
In dieser Situation wird es für den nordrhein-westfälischen Umweltminister Johannes Remmel unmöglich sein, das Jagdgesetz so zu reformieren, dass alle Beteiligten zufrieden sind. Massiver Protest wird der Grüne aus den Reihen der Waidgenossen erfahren. Denn es zeichnet sich ab, dass Remmel Restriktionen plant und die Jagd in ihrer bisherigen Form bremsen will.
Dagegen werden nicht nur die Jäger, sondern auch die Landwirte Sturm laufen. Das Landesjagdgesetz bedarf aber in manchen Punkten der Reform. Es ist nicht mehr zeitgemäß, weil sich Rahmenbedingungen verändert haben. Das alte Gesetz führt zahlreiche Tiere als "jagdbar" auf, die auf der Roten Liste stehen und in Wirklichkeit gar nicht mehr bejagt werden, weil für sie schon jetzt eine ganzjährige "Schonzeit" gilt. Das ist ein Widerspruch in sich.
Auch die Fallenjagd oder manche Praktiken bei der Jagdhundeausbildung stehen den Jägern nicht gut zu Gesicht. "Totengräber, Anschneider und hochgradige Knautscher können die Prüfung nicht bestehen", heißt es in einer Vorschrift zur Hundeausbildung. Das versteht längst nicht jeder. Heuchlerisch und falsch wäre es allerdings, die Jagd in Bausch und Bogen zu verdammen. Ohne Jäger würden sich manche Tierarten, wie zum Beispiel Wildschweine und Waschbären, unkontrolliert vermehren. Daran kann aber niemandem gelegen sein.
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Dass sich aber die Wildschweine ohne Bejagung unkontrolliert vermehren würden ist durchweg falsch.
Sogar das Gegenteil ist der Fall. Die Jäger geben sogar selber zu, dass sie an der " Wildschweinplage" massgeblich beteiligt sind.
Wildschweine sind schwer zu schiessen und so wird jeder Schwarzkittel er- oder zumindest angeschossen, der dem Grünrock vor die Nase kommt. Ist dies nun aber die Leitbache, so kommt es nach deren Tod zu unkontrollierter Vermehrung aller weiblichen Tiere der Rotte. Im Normalzustand vermehrt sich nämlich nur die Leitbache.
Wenn sie an dem Thema weiter interessiert sind, lesen Sie das Buch " von der Jagd und den Jägern" von Dr. Loske oder schauen Sie gerne unter Link unterdrückt.