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28.12.2011
NRW
Jagd soll drastisch eingeschränkt werden
NRW-Umweltminister Remmel bereitet Gesetzesnovelle vor
VON HUBERTUS GÄRTNER

Harte Zeiten kommen auf Jäger zu. | SYMBOLFOTO: DPA

Bielefeld. Die etwa 90.000 Jäger in Nordrhein-Westfalen müssen sich auf härtere Zeiten einstellen. Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) will im kommenden Jahr den Entwurf für ein neues Landesjagdgesetz vorlegen. In der Novelle soll der Natur- und Tierschutzgedanke stärker als bisher berücksichtigt werden. Es steht auch zu erwarten, dass zahlreiche Arten in Zukunft überhaupt nicht mehr bejagt werden dürfen.

Große Teile des Landesjagdschutzgesetzes seien "völlig veraltet" und müssten "den aktuellen Bedingungen und Erkenntnissen angepasst werden", sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des NRW-Umweltministeriums. Ziel sei es, "ein ökologisches Jagdgesetz zu entwickeln". Der Katalog der " jagdbaren Arten", der in NRW bislang noch etwa 100 unterschiedliche Tiere umfasst, stehe auf dem Prüfstand. Ein Referentenentwurf werde vermutlich in der zweiten Jahreshälfte 2012 vorliegen, sagt Deitermann.

Bestimmte Jagdpraktiken verbieten

Vom NRW-Umweltminister Remmel ist bekannt, dass er nicht nur die Zahl der jagdbaren Arten einschränken, sondern auch bestimmte Jagdpraktiken am liebsten verbieten möchte. Dazu zählt beispielsweise die Fallenjagd. Auch der Jagdhunde-Ausbildung an lebenden Tieren möchte der Minister einen Riegel vorschieben.
Das Thema birgt reichlich Zündstoff.

Im Arbeitkreis "Jagd und Naturschutz", wo regelmäßig Einzelheiten der geplanten Gesetzesnovelle diskutiert werden und circa 20 Vertreter von unterschiedlichen Verbänden und Parteien am Tisch sitzen, "gibt es immer wieder heftige Konfrontation", bestätigt Helmut Brücher. Als Sprecher der Tier- und Naturschutzverbände steht er für recht drastische Forderungen. "Das bestehende Jagdrecht geht im Kern auf das Reichsjagdgesetz aus dem Jahr 1934 zurück, sagt Brücher. Die Jagdlobby habe es "über Jahrzehnte geschafft, notwendige Reformen zu verhindern".

"Wir dürfen die Natur nicht in Gut und Böse einteilen"

Geht es nach den Vorstellungen des Naturschutzbundes (NABU), dann wäre beispielsweise die Jagd auf nahezu alle Vogelarten einzustellen. Auch sogenannte Beutegreifer, wie beispielsweise Marder, Iltisse und Waschbären dürften nicht mehr geschossen werden. Nach den Vorstellungen von Helmut Brücher bliebe nur noch die Jagd auf Hirsche, Rehe, Wildschweine und Stockenten an drei Monaten im Jahr erlaubt. Sogar die Hasen müssten geschützt werden, weil sie vom Aussterben bedroht seien. Es gebe auch keinen Grund, auf Füchse zu schießen: "Wir dürfen die Natur nicht in Gut und Böse einteilen", sagt Brücher, der auch strikt gegen den Abschuss wildernder Katzen und Hunde ist.

Völlig andere Vorstellungen hat der Präsident des Landesjagdverbandes NRW, Jochen Borchert. "Niemand kann überzeugend erklären, warum an der Liste der jagdbaren Arten etwas geändert werden müsste", schrieb Borchert in der Verbandszeitschrift Rheinisch-Westfälischer Jäger. Die Jagd mit Fallen auf Beutegreifer sei "zum Schutz des Niederwildes und vieler anderer Tierarten unverzichtbar". Die Jagdhundeausbildung an lebenden Enten und Füchsen sei "tierschutzgerecht", so Borchert. Aus seiner Sicht ist NRW "das Hasenland Nummer eins". Im Ländervergleich erziele man "die höchste Taubenstrecke, wofür uns geplagte Landwirte dankbar sind."


Kommentar

Umstritten

VON HUBERTUS GÄRTNER

An der Jagd scheiden sich die Geister. Es gibt nur wenige Themen, die zwischen Gegnern und Befürwortern derart emotional und kontrovers diskutiert werden. Aus der Sicht vieler Natur- und Tierschützer haben Jäger heute kaum noch eine Existenzberechtigung. In jedem Schuss auf ein freilebendes Tier sehen sie einen unzulässigen Tötungsversuch. Auf der anderen Seite betrachten sich die Jäger selbst als die größten Naturschützer. Hege und Pflege seien ihnen heilig, so versichern sie immer wieder.

In dieser Situation wird es für den nordrhein-westfälischen Umweltminister Johannes Remmel unmöglich sein, das Jagdgesetz so zu reformieren, dass alle Beteiligten zufrieden sind. Massiver Protest wird der Grüne aus den Reihen der Waidgenossen erfahren. Denn es zeichnet sich ab, dass Remmel Restriktionen plant und die Jagd in ihrer bisherigen Form bremsen will.

Dagegen werden nicht nur die Jäger, sondern auch die Landwirte Sturm laufen. Das Landesjagdgesetz bedarf aber in manchen Punkten der Reform. Es ist nicht mehr zeitgemäß, weil sich Rahmenbedingungen verändert haben. Das alte Gesetz führt zahlreiche Tiere als "jagdbar" auf, die auf der Roten Liste stehen und in Wirklichkeit gar nicht mehr bejagt werden, weil für sie schon jetzt eine ganzjährige "Schonzeit" gilt. Das ist ein Widerspruch in sich.

Auch die Fallenjagd oder manche Praktiken bei der Jagdhundeausbildung stehen den Jägern nicht gut zu Gesicht. "Totengräber, Anschneider und hochgradige Knautscher können die Prüfung nicht bestehen", heißt es in einer Vorschrift zur Hundeausbildung. Das versteht längst nicht jeder. Heuchlerisch und falsch wäre es allerdings, die Jagd in Bausch und Bogen zu verdammen. Ohne Jäger würden sich manche Tierarten, wie zum Beispiel Wildschweine und Waschbären, unkontrolliert vermehren. Daran kann aber niemandem gelegen sein.

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Kommentare
Sicher sollte man in einem Kommentar auf beide Meinungen eingehen.

Dass sich aber die Wildschweine ohne Bejagung unkontrolliert vermehren würden ist durchweg falsch.

Sogar das Gegenteil ist der Fall. Die Jäger geben sogar selber zu, dass sie an der " Wildschweinplage" massgeblich beteiligt sind.

Wildschweine sind schwer zu schiessen und so wird jeder Schwarzkittel er- oder zumindest angeschossen, der dem Grünrock vor die Nase kommt. Ist dies nun aber die Leitbache, so kommt es nach deren Tod zu unkontrollierter Vermehrung aller weiblichen Tiere der Rotte. Im Normalzustand vermehrt sich nämlich nur die Leitbache.

Wenn sie an dem Thema weiter interessiert sind, lesen Sie das Buch " von der Jagd und den Jägern" von Dr. Loske oder schauen Sie gerne unter Link unterdrückt.

Je mehr ich hier lese, desto deutlicher wird mir, dass die meisten der Schreiber, die contra Jagd eingestellt sind, von Jagd keine Ahnung haben. Im Grunde sind es arme, blinde Mitmenschen, die sich in ihrer Gutmütigkeit und mit ihren guten Vorsätzen fernsteuern lassen von marktschreierischen, sich selber Tierschützer nennenden Personen, die eigennützige Interessen verfolgen, wie z.B. Spendensammlungen. Wohin diese Gelder gehen, ist oft nicht nachvollziehbar und war schon öfter mal Gegenstand staatsanwaltlicher Untersuchungen…..

@ Heinrich. Sie schreiben, die vorgeschriebenen Abschüsse könne der Jagdpächter selber mit der unteren Jagdbehörde aushandeln. Tja, ich für meinen Teil muss meine Abschusslisten der vergangenen drei Jahre bei der Behörde einreichen (darin enthalten auch Totfunde wegen Krankheit und Unfall-Wild) Aus dieser "Statistik" errechnet die Behörde, ob der Abschussplan für die nächsten drei Jahre gleich bleibt, erhöht oder zurückgefahren wird. Ich hab dabei nix zu sagen!

Ihre Formulierung "Alle anderen Tierarten unterliegen dem Charakter des Revierpächters…." ist zwar etwas putzig, aber stimmt im Prinzip. Solange er sich an die gesetzlichen Jagd- und Schonzeiten hält, ist der Pächter frei in seiner Abschussplanung. Nur ist kein Jagdpächter so blöd, sich seine Basis wegzuschießen. Worauf sollten wir denn dann im nächsten Jahr hirnlos ballern, wenn in diesem Jahr "alles leergeschossen" wird????? *kopfschüttelt* So eine dämliche, jeglicher logischen Grundlage entbehrende Behauptung….

Ach ja, und was Hupe schreibt, kann ich nur voll unterstützen:
Zitat" Gejagt werden muss im Sinne der Hege und Pflege des Wildbestandes und des Naturschutzes. Aber bitte nicht von jedem, der in der Lage ist, ein Gewehr richtig herum fest zu halten, sondern von extra dafür ausgebildeten, ………. Jägern und Förstern." Zitat Ende.
Ich habe nur ein paar Worte weggelassen und schon passt es. Jeder Mensch ist in der Lage, bei einem Gewehr vorn und hinten zu unterscheiden und es richtig festzuhalten. Das können schon 5jährige im Kindergarten und die dürfen wirklich zum Glück nicht jagen gehen. Wie Sie schon feststellen: Wir Jäger sind extra ausgebildet, haben mehrere Prüfungen gemacht, die allesamt wirklich nicht einfach sind, und sind in den allermeisten Fällen mehr Heger als Jäger – auch wenn Sie diese Tatsache nicht wahrhaben wollen und vehement bestreiten! Es ist aber schlicht und einfach die Wahrheit.

@ Heinrich, sehen Sie Ihre Tierschutzbestrebungen als Hobby an? Nein? Dann ist es ja gut, denn das sollte man mit Herz betreiben, denn es ist verantwortungsvoll und wichtig!
Für mich ist Jagd auch kein Hobby. Es ist Herzblut, Passion, Instinkt, denn der Mensch gehört zu den Raubtieren, es ist bereits in den Genen, denn der Mensch war immer Jäger. Es hat auch immer Sammler und Bauern gegeben, aber stets gleichberechtigt, wenn nicht sogar höher angesehen, auch Jäger. (...)

@Nico Catalano
Ich kenne aus meinem enfernteren Umfeld mehr als 20 Menschen mit Jagdschein, die Hälfte davon noch aktiv. Einem liegt die Natur am Herzen, der ist Forstwirt. Bei den anderen steht die Treibjagd mit dem Ziel "Reiche Beute" im Vordergrund. Die Arbeit lassen sie lieber andere machen. Ich bleib dabei, Jagd als Hobby gehört verboten.

Dem Jagdpächter werden nur beim Schalenwild Vorgaben gemacht, die er aber meistens selbst mit der UJ aushandelt. Alle anderen Tierarten unterliegen dem Charakter des Revierpächters und sind somit vogelfrei zum Abschuss.
Es ist dem Revierpächter möglich das letzte Rebhuhn und auch den letzten Hasen in seinem Revier zu schießen. Dafür wird er nicht zur Rechenschaft gezogen.
Hobby-Jäger leisten nur einen sehr geringen und auf Eigennutz bezogenen Beitrag zur Erhaltung der Natur. Meistens sind es einjährige Wildäcker, die wichtig für die Treibjagden sind um den Freunden der Gesellschaftsjagd reichlich Beute zu garantieren. Ähnlich sieht es mit Kleingehölzen aus, die jedes Jahr umstellt und leer geschossen werden.
Schwarze Schafe innerhalb der Jägerschaft und das ist eine große Menge, werden aus ""Kameradschaft"" gedeckt. Die Hobby-Jagd wäre schon längst am Ende, würde die ganzen Vergehen und Tierquälereien durch charakterlose Jäger öffentlich.

@ Hupe
Eine Frage: Wieviele Jäger kennen sie?
Die Jäger, die ich kenne, sind keine ballernden Idioten die Spaß am töten haben. Sie sehen die Hege als aktiven Naturschutz und investieren große Summen ihres Privatvermögens um z.B. Jungbäume vor Verbiss durch die Rehe zu schützen oder durch anlegen von sog. Wildäckern in Wäldern die Wildschweine von den Agrarflächen fern zu halten.
Ist eigentlich auch bekannt das der Jagdpächter für Schäden an Agrar- und Forstflächen haftbar gemacht werden kann? Ist auch bekannt das dem Jagdpächter Vorgaben gemacht werden wieviele Tiere er pro Jahr schießen soll?
Die wenigsten wissen eigentlich was die Jäger genau machen.
Alle haben immer nur das Bild eines bewaffneten vor sich der im Wald hockt und auf alles schießt was sich bewegt.
Und solche Jäger, die "einfach nur ballern", die gibt es. Keine Frage. Aber solche werden dann halt irgendwann nicht mehr zur Jagd eingeladen bzw. denen wird man keine Jagdpacht anvertrauen oder eine Begehungserlaubnis geben.
Und blöde sind die Jäger nicht. Nicht umsonst nennt man die Jägerprüfung das "Grüne Abitur"



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