Großensee/Detmold (nw/lek/-sg-). Betroffenheit und Trauer hat in Lippe die Nachricht ausgelöst, dass die im November vermutlich von ihren Geschwistern verschleppte Arzu Özmen tot sein soll. Im Detmolder Ortsteil Remmighausen (Kreis Lippe) fanden sich am Sonntag rund 100 Personen zu einer Gedenkfeier ein.
Einige der Teilnehmer zogen die Talstraße hinauf, zu dem Haus der Familie aus der die Getötete stammte.
Pfarrer Dieter Bökemeier bat in einem Gebet darum, dass Arzu jetzt an einem Ort frei von Leid sein könne und Gott den Betroffenen in ihrer Trauer beistehen möge. Die Remmighausener Ortsbürgermeisterin Bärbel Droste sprach von großer Betroffenheit der Menschen. Dass bei der Mahnwache für die Getötete Angehörige beider Kulturkreise teilnahmen, zeige, wie groß die Anteilnahme bei allen sei.
Grausiger Fund am Freitag
Die seit November vermisste 18-jährige Arzu Özmen aus Detmold war am Freitagmorgen tot auf einem Golfplatz in Großensee (Kreis Stormarn) bei Lübeck in Schleswig-Holstein gefunden worden.
Die junge Frau wurde Opfer eines Gewaltverbrechens, erklärte die Polizeidirektion Lübeck nach einer Obduktion und weiteren Ermittlungen. Die bisherigen Untersuchungen ergaben, dass die 18-Jährige nicht am Fundort getötet worden ist.
Mitarbeiter des Golf-Clubs Großensee hatten am Freitagvormittag die grausige Entdeckung gemacht. Am Rande der Anlage fanden sie neben der zweiten Bahn eine Frauenleiche. Der leblose Körper lag zwischen Ästen unter einer Baumgruppe im Unterholz. Gegen 9.20 Uhr wurde die Polizei alarmiert. Zunächst ermittelten Beamte aus Ahrensburg, doch ihnen war vermutlich sofort klar, dass es sich um ein schweres Verbrechen handeln musste.
Offenbar schon länger an Fundstelle gelegen
Umgehend riefen sie die Kollegen der Lübecker Mordkommission und die Spezialisten der Spurensicherung zu Hilfe. Sechs Stunden lang inspizierten die Spezialisten die Fundstelle und sicherten Spuren.
Die Leiche war bekleidet, allerdings soll die Bluejeans offenbar so heruntergezogen gewesen sein, dass man einen dunklen Slip mit hellen Punkten deutlich erkennen konnte. Auffällig war ein breiter dunkler Gürtel, den die Tote um die Hüften trug. Die Ermittler gehen offenbar davon aus, dass die Frau schon längere Zeit tot ist und schon länger an der Fundstelle gelegen hat.
Am 1. November 2011 war Arzu Özmen in Detmold aus der Wohnung ihres Freundes Alex verschleppt worden. Hintergrund dafür soll die Liebesbeziehung der 18-Jährigen mit einem jungen Mann deutscher Staatsangehörigkeit sein. Die junge Frau hatte den fünf Jahre älteren Gesellen beim Jobben in einer Bäckerei kennen gelernt. Diese Beziehung wurde von der kurdischen Familie offenbar nicht toleriert.
Verbotene Liebe
Eine verbotene Liebe. Ende August wurde ein Fall von "häuslicher Gewalt" aktenkundig. Die junge Frau soll von Familienmitgliedern verprügelt worden sein. Arzu floh ins Frauenhaus. Sie schnitt sich die schwarzen Haare kurz und färbte sie blond.
"Die Familie Ö. hat intensiv nach der Tochter gesucht", berichtete Hauptkommissar Jürgen Heinz, "Frauenhäuser angeschrieben, das Umfeld befragt." "Arzu wurde intensiv beraten, nicht zu Alex zu gehen", sagt der SoKo-Leiter. Die Wohnung ihres Freundes lag gerade mal anderthalb Kilometer vom Elternhaus entfernt. "Aber sie war 18, dazu verliebt." In der Nacht zum 1. November hielt es Arzu nicht mehr aus, übernachtete bei Alex, ein verhängnisvoller Fehler.
Gegen 1.30 Uhr in jener Novembernacht hatten sich fünf Menschen in die Wohnung in der Detmolder Talstraße gedrängt. Alex und zwei Freunde berichteten später, dass sie mit einer Handfeuerwaffe bedroht wurden. Die Täter brachen Alex einen Finger und verschleppten die junge Frau. Seitdem fehlte jede Spur.
Fünf Geschwister in Haft
Ermittlungsergebnissen der Polizei zufolge soll die eigene Familie der jungen Frau an der Tat beteiligt sein. Die Familie ist jesidischen Glaubens. Insgesamt wurden vier Brüder und eine Schwester des 18-jährigen Opfers inhaftiert. Bisher schwiegen sie zu den Vorwürfen und machten keine Angaben zum Verbleib der Schwester.
Die Polizei hatte mit Hundertschaften verschiedene Waldstücke um Detmold nach der Vermissten durchkämmt. Auch in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY mit Rudi Cerne wurde nach Arzu Özmen gesucht.
Die Ermittlungskommission "Talstraße" der Polizei Bielefeld und die Mordkommission Lübeck haben Kontakt zueinander und werden vorhandene Ermittlungsergebnisse sowie Spuren abgleichen. Es wird frühestens im Laufe der kommenden Woche mit weiteren Ergebnissen gerechnet. Weitere Informationen will die Polizei derzeit aus kriminal- und ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt geben.