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04.02.2012
DÜSSELDORF
Kraft kann vor Kraft kaum gehen
NRW-Ministerpräsidentin selbstbewusst für 2012
VON THOMAS SEIM

Sieht das Land erstarkt | FOTO: DPA

Düsseldorf. Minderheitsregierung, Haushaltsprobleme, Verschuldung des Landes – das alles ficht Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nicht an. Zum Jahresauftakt sieht die NRW-Regierungschefin sich, ihre Partei und das Land so stark wie lange nicht.

Die Bayern und ihr Amtskollege Horst Seehofer (CSU) kommen Kraft da gerade recht. Dass das wirtschaftsstarke Land im Süden der Republik den Länderfinanzausgleich in Frage stellt, hält die Ministerpräsidentin für eine Unverschämtheit. Waren es nicht die Bayern, die über Jahrzehnte nur mit Finanzhilfen aus NRW ihre neue Wirtschaftsstärke aufbauten?

Und ist es nicht so, dass der Anteil der Umsatzsteuer, die in NRW erwirtschaftet wird, eingerechnet werden müsste und die Verhältnisse im Länderfinanzausgleich dann ganz anders aussehen ließe? Sind nicht schließlich über Jahre hinweg die Bundesmittel für Verkehrsinfrastruktur – Autobahnen und Schienenwege – in den Süden gelenkt und die westlichen Bundesländer systematisch benachteiligt worden?

Land und Landesregierung wieder erstarkt

Das alles sind Fragen, die Kraft zum Jahresauftakt 2012 stellt, Fragen, die die Antworten vorgeben. Die Regierungschefin sieht Land und Landesregierung wieder erstarkt. Die Produktivität des Landes hält sie für ans Bundesniveau angeglichen, NRW sieht sie auf Augenhöhe. Auch mit Bayern. Der Bund ist für Kraft nicht länger die Bundesliga, zu dem das Land aus der Regionalliga aufschauen müsste.

Möglicherweise liegt der Grund für dieses am Jahresbeginn zur Schau gestellte Selbstbewusstsein der Ministerpräsidentin darin, dass sie neue Aufgaben übernommen hat. In der SPD wird Kraft als stellvertretende Parteivorsitzende künftig nicht mehr die Bildungspolitik als Thema vertreten, sondern die Wirtschaftspolitik. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat ihr das Feld abgetreten.

Es ist das wichtigste Thema für die SPD im Blick auf die Bundestagswahl 2013. Was immer das für die Machtbalance in der SPD insgesamt bedeuten mag, klar ist jedenfalls, dass Kraft zum Jahresanfang 2012 Gestaltungsansprüche anmeldet. Das gilt nicht nur fürs Land, sondern auch für ihre Partei.

Der geeignete Kanzlerkandidat

Die NRW-SPD unter ihrer Führung wird sehr sorgfältig prüfen, welcher Kanzlerkandidat der geeignete ist, das Regierungskonzept in NRW – Investieren, Konsolidieren, Einnahmen erhöhen – durchzutragen. An dem immer noch mitgliederstärksten Landesverband der Sozialdemokraten führt für die Troika Gabriel, Steinmeier, Steinbrück jedenfalls derzeit kein Weg vorbei. Daran lässt Kraft weder intern noch öffentlich Zweifel aufkommen.

Die Ministerpräsidentin selbst allerdings sieht ihre Zukunft – vorerst – nicht auf Bundesebene, obwohl selbst Parteichef Gabriel davon überzeugt ist, dass Kraft unmittelbar zum Kreis möglicher Kanzlerkandidaten gehören würde, wenn sie einmal als Ministerpräsidentin wiedergewählt worden wäre. Kraft dagegen setzt auf die Bodenständigkeit und Basisnähe der Politik.

Das ist das, was sie bei vielen Bundespolitikern vermisst. Insbesondere gilt das aus ihrer Sicht für Bundespräsident Christian Wulff. Wer das höchste Amt im Staat anstrebt, glaubt Kraft, der muss Haltung zeigen und sich sorgfältig prüfen, ob er den besonderen moralischen Ansprüchen dieses Amtes genügt. Sie jedenfalls würde das tun.

Kommentare
@Kira: Dass die anderen Parteien nicht auch total blasse Kandidaten haben, bestreite ich ja gar nicht. Auch nicht, dass die SPD zusammen mit den Gruenen vorne waeren. Aber das ist nicht das Werk der Hannelore Kraft, sondern eine bundesweite Stimmungslage. Davon profitiert so ziemlich jeder SPD-Spitzenkandidat im Moment. Wenn Sie das als Beweis fuer gute Arbeit einer Ministerpraesidentin sehen, dann scheinen Sie das Wort repraesentativ wohl voellig neu zu erfinden.

@bernd stromberg; sie liegen ja so was von daneben! die kommentare hier beweisen gar nichts - schlicht, weil sie nicht repräsentativ sind! schauen sie sich mal umfragen für nrw an und sie werden feststellen, dass frau kraft weder blass noch kraftlos ist, sondern im gegenteil sehr beliebt. und wenn jetzt wahlen wären, könnten cdu und fdp keinen blumentopf gewinnen, sondern frau kraft würde wieder gewählt. DAS ist zum glück die realität und nicht ihre deutung der kommentare hier!

Anscheinend hat Frau Kraft die Bodenhaftung verloren. Sie sollte sich einmal Bayern oder Baden-Württemberg für wirtschaftlich gut geführte Bundesländer ansehen. Daraus könnte sie für NRW was lernen, aber dann müsste Sie zugeben, das NRW vom roten Filz runtergewirtschaftet wurde..

Es ist schon lustig! Liest man hier die "Kommentare", bekommt man kriegt den Eindruck, Junge Union & JuLis hätten ihre letzten Kräfte mobilisiert :-))

Das war ein Artikel, wie er über Dutzende Politiker aller Parteien in der NW veröffentlicht worden ist. Bei Frau Kraft allerdings geht, warum auch immer, bei den Kritikern der Gaul durch. Selbst für die Dichtheitsprüfung wird Frau Kraft verantwortlich gemacht, dabei haben die (außer den Linken) ALLE im Landtag vertretenen Parteien zu verantworten, auch wenn es einige heute nicht mehr hören möchten. Selbst von einseitiger und ideologischer Berichterstattung in der NW ist die Rede – absurd angesichts des Inhalts des Artikels! Ideologen, die anderen Ideologie vorwerfen – alles, wie gehabt!



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