Paderborn. Im April startet die ADAC GT Masters-Serie in Oschersleben. Zwei der PS-starken Boliden werden vor den Toren Paderborns startklar gemacht, beim Team Fischer-Racing.
Wo sich vor nicht so langer Zeit das Personal samt Firmeneigner Erhard "Hardy" Fischer noch um tiefgekühlte Feinkost kümmerte und mit dem Slogan "cool und kompetent" warb, ist heute nichts mehr tiefgekühlt, aber weiterhin kompetent. Wohl temperiert und fast pedantisch aufgeräumt kommt eine Fertigungshalle im Paderborner Stadtteil Sennelager daher. Dass dort irgendetwas mit Motorsport passiert, ist schon beim Betreten erkennbar.
Überall stehen richtig dicke, fette Pokale, an den Wänden prangen große Poster von schnellen Autos. Und die stehen auch in der Industriehalle. Ein fein säuberlich abgedeckter Ford GT40 aus der vergangenen FIA GT 1 Weltmeisterschafts-Serie. Und noch zerlegte Aston Martin. Mit Sportwagen dieser britischen Marke startet das Fischer Racing Team schon bald in die Rennserie ADAC GT Masters. Auf die nagelneuen Vantage V12 warten die Mitarbeiter noch. Was derzeit in der Halle steht, ist aus der Vorsaison, wird jetzt aber hergerichtet, weil bald im Süden Spaniens die ersten Tests anstehen.
"Der Motorsport hat mich mit einem Schlag gepackt"
Wie aber wird aus einem Unternehmer für Feinkost ein Teamchef im Motorsport? In seinem Bekanntenkreis sei er einmal darauf angesprochen worden, ob er nicht einen Rennfahrer namens Alexander Roloff sponsern wolle. "Der Motorsport hat mich mit einem Schlag so gepackt, dass ich schon ein Jahr später mein eigenes Team gegründet habe", schaut der 46-jährige gelernte Elektriker und Kaufmann zurück. Zuerst war es der Renault Clio-Cup, dann der Umstieg auf die Seat Leon Supercopa Serie, in der Fischer-Racing gleich drei Mal den Deutschen Meister stellte.
"Das ist dann immer mehr Motorsport und immer weniger Feinkost geworden", sagt der Ein- und Aussteiger. Dann erfolgte sogar 2009 der Schritt ins internationale Renngeschehen. FIA GT 1 Europa- und dann auch Weltmeisterschaft. Und nun eben ADAC GT Masters, "obwohl wir aktuell noch überlegen, ob wir nicht auch die WM fahren", verrät der Vater einer 20-jährigen Tochter.
Diese Entscheidung schiebt Fischer noch ein wenig vor sich her. Denn WM bedeutet einen höheren finanziellen Aufwand, aber auch ein mehrmonatiges Reisen rund um die Welt. "Dann bist du rund 220 Tage unterwegs. Das muss man nicht immer haben", gibt er zu.
Die Söhne von Hans-Joachim "Striezel" Stuck
In der kommenden Woche folgen in Gaudix in Südspanien die ersten Tests. Mit Johannes und Ferdinand Stuck, die als Söhne von Hans-Joachim "Striezel" Stuck in die großen Fußstapfen ihres berühmten Vaters getreten sind. Sie werden die in hellblau und orange designten Renner lenken. Der Deal mit den jungen Stucks wurde aber nicht vollzogen, um Türen zu öffnen und mehr Sponsoren zu locken. "Nein, die sind auch schnell unterwegs", lobt Fischer, räumt aber ein, "dass bekannte Fahrer natürlich immer besser sind, als No-Names. Aber wir sind ein sportlich ausgerichtetes Team und wollen auf Sieg fahren", stellt er klar.
Der Teamchef, der gebürtig aus der Nähe von Eschwege stammt, beschreibt sich selbst als Gemütsmensch, "aber zielstrebig und bestimmend", lässt er sich entlocken und unterstreicht dies mit einer Einschätzung seiner Mitarbeiter. Er habe eine lange Zündschnur, sagen die. Aber wenn die brenne, müsse man aufpassen.
Aufpassen hat er auch in der Glitzer- und Glamour-Welt des großen Motorsports gelernt. Diejenigen, die sich dort oft tummelten, aber eher zum Kreis der nicht Brauchbaren zu zählen seien, erkenne er mittlerweile am Gang. "Als Teamchef darfst du nie die Übersicht verlieren", weiß er aus Erfahrung. Auch die Fähigkeit, "gut mit Menschen umzugehen", sei wichtig. "Wenn du das kannst, bist du weit vorne", lautet sein Motto. Und obwohl der Unternehmer die technische Seite zumeist in die Verantwortung von Ingenieuren und Technikern überträgt, "ist es nicht von Nachteil, wenn du mechanikermäßig Ahnung hast. Dann kann dir nicht jeder das Blaue vom Himmel erzählen", begründet er.
Bald also geht es los. Und das ist gut so. Denn nach den Wochen der Ruhe ist "Hardy" Fischer mit seinem Team jetzt wieder heiß auf "Adrenalin pur". Nicht cool und kompetent, sondern mit ganz viel Emotionen, kompetent und erfolgreich.
@ Nurmeinsenf: Danke, wird geändert.
Grüße, die NW.