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11.02.2012
BIELEFELD
Kommentar zum Ärger bei der Bielefelder Tafel
Zustände sind ein Armutszeugnis
VON ANSGAR MÖNTER

Bleibt in der Kritik | FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Die Führung der Bielefelder Tafel gibt ein trauriges Bild ab. Wenn der gemeinnützige Verein nicht bald daran etwas ändert, droht ihm irreparabler Schaden. Das wäre bedauerlich, den dahinter steckt eine gute Idee. Einrichtungen wie die Tafel werden gebraucht.

Allein in der Lokalredaktion der NW riefen in den vergangenen Tagen mindestens 50 Menschen an, die die Vorwürfe gegen Leiterin Rosetraut Kirse – verletzender Herrscherton, Ausgabe gammeliger Lebensmittel, regelwidrige Sonderverkäufe – bestätigen, gar bekräftigen. Verteidigt wurde sie kaum. Auf der Internetseite zeigt sich ein ähnliches Bild.

Die, die sich äußern, sind Menschen, die das Tafel-Angebot nutzten sowie ehemalige Mitarbeiter und Vereinsmitglieder, die aus Frust über die Leiterin wieder abgesprungen sind. Aber es sind keine Menschen, die eine "Hexenjagd" oder eine "Hetzkampagne" fahren, wie es Kirse oder andere Verantwortliche aus dem Vorstand behaupten, um die Kritiker – auch die Medien – herabzusetzen und zu diskreditieren. Diese Verteidigungsstrategie erinnert an ein absolutistisches Regime, das Kritik und Widerspruch unterdrücken will.

Seit zehn Jahren ein Thema

Wer Institutionen wie die Tafel nutzt, ist meist wegen finanzieller Schwierigkeiten sowieso in der Defensive. Die allermeisten werden sich kaum gewünscht haben, dieses Angebot jemals nutzen zu müssen. Sie stehen unter Druck. Um so mutiger ist, Zustände wie bei der Bielefelder Tafel öffentlich zu machen, wie es jetzt einige Tafel-Kundinnen taten. Dadurch flog der Deckel vom Kessel hoch. Der steht schon lange unter enormen Druck. Die ersten Beschwerden über die Regentschaft Kirses bei der Tafel sind zehn Jahre alt, aufgehört haben sie praktisch nie.

Sicher ist ein deutlicher Ton manchmal angebracht, weil es zu Konflikten kommen kann bei der Ausgabe, oder weil sich jemand unberechtigt Ware erschleichen möchte. Das wissen alle, die eine ähnliche ehrenamtliche Tätigkeit bei anderen Ausgabestellen der Tafel oder den Abspaltungen von der Tafel in Bielefeld leisten. Aber herabwürdigende Beschimpfungen sind nicht akzeptabel.

Und Verkäufe von gespendeten Lebensmitteln sind eindeutig ein Verstoß gegen Grundsätze der Tafeln. Sie hat es gegeben, wie fast alle Informanten berichten. Von den kritischen Tafelkunden zu verlangen, den Mund zu halten und besser dankbar zu sein für die Gaben, egal, unter welchen Umständen, zeugt von einem Mangel an Empathie und freiheitlicher Einstellung. Armut bedeutet nicht Entmündigung.

Die Zustände bei der Bielefelder Tafel unter der jetzigen Führung sind das wirkliche Armutszeugnis.

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Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Laut Bundesverband stehen nicht die Menschen, sondern die Verwertung von Lebensmittel im Vordergrund der Tafelbewegung.
Aufgrund dessen verwundert mich der Umgang mit den Menschen nicht!

@Sabine Buntrock: Ich möchte nur Ihre Aussage bestätigen, dass sich zunehmend mehr Personen unter den Tafel-Abhängigen befinden, deren Rente oder Arbeitseinkommen NICHT MEHR AUSREICHT, um einen kompletten Monat finanziell zu überstehen.

Das ist für mich ein weiterer Skandal in Bezug auf deutsche Tafeln. ++ Und dies sind Folgen falscher Politikerentscheidungen! Die Bürger, die heute noch einen gerechten Lohn erhalten, dürfen sich glücklich schätzen und sollten hier nur ganz vorsichtig mitreden. Sie befinden sich nämlich auf dünnem Eis, das schnell unter ihnen zerbrechen kann und sie plötzlich selbst zum Tafel-Essen treiben wird; - außer sie finden noch Möglichkeiten, um Schulden aufzunehmen.

ich wollte nur noch sagen, dass der Bielefelder Pass NICHT kontrolliert wird bei der Tafel, bin mich sicher dass viele mit einem Abgelaufenem Pass da rein kommen !!!
Obwohl man die Passe jede 6 Monate erneuern muss, aber dass weis ganz bestimmt die Kirse nicht lol

Ins Bewußtsein rücken möchte ich, dass Tafelbesucher keineswegs nur arbeitslose HartzIV-Empfänger sind. Es handelt sich auch um Erwerbstätige, deren Einkommen für die große Familie heute nicht mehr reicht, und die deswegen aufstocken müssen.
Es handelt sich auch um die zunehmende Zahl der Rentner, die von real fallenden Renten nicht mehr alles bezahlen können: Miete, steigende Energiekosten, steigende Gesundheitskosten und Lebensmittel.
Die durchschnittliche Rente beträgt heute ca. 750 EUR. Lebt so ein Renter alleine und zur Miete, vor allem in schlecht isolierten Altbauten, ist er bereits oft auf die Tafel angewiesen, obwohl er vielleicht auf mehr als 40 Beitragsjahre zurückblicken kann.
Das Mindeste, was man von den Trägern der Tafeln erwarten kann, ist, dass sie effektiv und transparent mit den Spendengeldern und Spendenmitteln umgehen. Das kann derzeit niemand beurteilen. Hier sind zum einen verschiedene Tafeln miteinander zu vergleichen und zum anderen muss man einfach wissen, wie viele Menschen für die 10.000 EUR Ausgaben versorgt werden. Wenn es nur hundert sind, wird auf den ersten Blick schon schlecht gewirtschaft. Wenn es hingegen 1000 sind, ist auf den ersten Blick bereits nichts zu beanstanden. Vielleicht fragt ein Redakteur mal bei den anderen Tafeln der Region nach, mit welchen Kostenansätzen pro Besucher gerechnet wird. Wenn Tafeln besonders gut wirtschaften, sollten sie und die Mitarbeiter auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Weil in Zukunft vermutlich viel mehr Menschen als Rentner betroffen sein werden, scheint es mir wichtig, hier ein offenes Auge zu haben. Da bei sollte man sich weniger mit Nebensächlichkeiten wie Verhalten einzelner Personen aufhalten. Entscheidend sind die Zahlen, die relativ betrachtet werden müssen!

schade das hier einige kommentare nicht freigeschaltet werden obwohl nict schlimmes drin stand



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