Bielefeld. Die Führung der Bielefelder Tafel gibt ein trauriges Bild ab. Wenn der gemeinnützige Verein nicht bald daran etwas ändert, droht ihm irreparabler Schaden. Das wäre bedauerlich, den dahinter steckt eine gute Idee. Einrichtungen wie die Tafel werden gebraucht.
Allein in der Lokalredaktion der NW riefen in den vergangenen Tagen mindestens 50 Menschen an, die die Vorwürfe gegen Leiterin Rosetraut Kirse – verletzender Herrscherton, Ausgabe gammeliger Lebensmittel, regelwidrige Sonderverkäufe – bestätigen, gar bekräftigen. Verteidigt wurde sie kaum. Auf der Internetseite zeigt sich ein ähnliches Bild.
Die, die sich äußern, sind Menschen, die das Tafel-Angebot nutzten sowie ehemalige Mitarbeiter und Vereinsmitglieder, die aus Frust über die Leiterin wieder abgesprungen sind. Aber es sind keine Menschen, die eine "Hexenjagd" oder eine "Hetzkampagne" fahren, wie es Kirse oder andere Verantwortliche aus dem Vorstand behaupten, um die Kritiker – auch die Medien – herabzusetzen und zu diskreditieren. Diese Verteidigungsstrategie erinnert an ein absolutistisches Regime, das Kritik und Widerspruch unterdrücken will.
Seit zehn Jahren ein Thema
Wer Institutionen wie die Tafel nutzt, ist meist wegen finanzieller Schwierigkeiten sowieso in der Defensive. Die allermeisten werden sich kaum gewünscht haben, dieses Angebot jemals nutzen zu müssen. Sie stehen unter Druck. Um so mutiger ist, Zustände wie bei der Bielefelder Tafel öffentlich zu machen, wie es jetzt einige Tafel-Kundinnen taten. Dadurch flog der Deckel vom Kessel hoch. Der steht schon lange unter enormen Druck. Die ersten Beschwerden über die Regentschaft Kirses bei der Tafel sind zehn Jahre alt, aufgehört haben sie praktisch nie.
Sicher ist ein deutlicher Ton manchmal angebracht, weil es zu Konflikten kommen kann bei der Ausgabe, oder weil sich jemand unberechtigt Ware erschleichen möchte. Das wissen alle, die eine ähnliche ehrenamtliche Tätigkeit bei anderen Ausgabestellen der Tafel oder den Abspaltungen von der Tafel in Bielefeld leisten. Aber herabwürdigende Beschimpfungen sind nicht akzeptabel.
Und Verkäufe von gespendeten Lebensmitteln sind eindeutig ein Verstoß gegen Grundsätze der Tafeln. Sie hat es gegeben, wie fast alle Informanten berichten. Von den kritischen Tafelkunden zu verlangen, den Mund zu halten und besser dankbar zu sein für die Gaben, egal, unter welchen Umständen, zeugt von einem Mangel an Empathie und freiheitlicher Einstellung. Armut bedeutet nicht Entmündigung.
Die Zustände bei der Bielefelder Tafel unter der jetzigen Führung sind das wirkliche Armutszeugnis.
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Aufgrund dessen verwundert mich der Umgang mit den Menschen nicht!