Borgholzhausen. Ein Satz auf einem Arbeitsblatt aus dem Schulunterricht ließ einigen Eltern in Borgholzhausen (Kreis Gütersloh) den Atem stocken. "Und im blinden Vertrauen auf meinen Führer zieh ich das mega cool durch", stand da.
Zu allem Überfluss prangte auf dem Zettel ein Foto des Diktators Adolf Hitler. "Ich bin mächtig schockiert", drückt eine Mutter aus, was die meisten Eltern der betroffenen Schüler von der Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule fühlen. Der verantwortliche Lehrer ist jetzt suspendiert worden.
Das Arbeitsblatt war keineswegs Teil des Geschichtsunterrichts. Vielmehr bot es den Schülern eine Anleitung, wie man ein Referat vor Mitschülern hält. Was Adolf Hitler auf dem Zettel zu suchen hat, konnten sich weder Schüler noch Eltern erklären. Die Eltern beschlossen aufgebracht und verunsichert, die Bezirksregierung zu informieren.
Die Kinder diskutieren in sozialen Netzwerken über den Lehrer. Auch unter den Kollegen ist das Arbeitsblatt Thema. Eine rechtsradikale Neigung des Lehrers schließen die meisten aus. "Er ist Antifaschist", ist sich eine seiner Kolleginnen sicher.
Die Bezirksregierung Detmold hat gestern den Lehrer mit sofortiger Wirkung vorläufig suspendiert. "Die Maßnahme ist notwendig geworden, weil dem Beamten wegen des Verdachts der unzulässigen Verwendung von nationalsozialistischen Symbolen im Unterricht erhebliche Dienstpflichtverletzungen vorgeworfen werden", heißt es in einer Presseerklärung.
Staatsanwaltschaft Bielefeld zu informiert
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe die Bezirksregierung sofort begonnen, den Sachverhalt aufzuklären. Das werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Da die Vorwürfe auch den strafrechtlichen Bereich berühren, hat sich die Bezirksregierung zudem entschieden, die Staatsanwaltschaft in Bielefeld zu informieren, heißt es weiter.
Schulleiterin Ulla Husemann zeigt sich bestürzt. "Wichtig ist aber auch mir, den Kollegen nicht vorzuverurteilen, bevor die Ermittlungen der Bezirksregierung nicht abgeschlossen sind", sagt sie. "Eigentlich war er ein korrekter Lehrer, mit dem man klar kommen kann", findet ein ehemaliger Schüler. Ein solcher Spruch könne allenfalls am Stammtisch als Scherz aufgefasst werden. "Aber das sind Kinder und mit denen kann man über so was tatsächlich nicht scherzen", sagt der 24-Jährige.
Natürlich ist es richtig, Zivilcourage zu zeigen und Anzeichen von Fremdenfeindlichkeit und Faschismus zu bekämpfen. Aber dieser Fall ist ein Musterbeispiel dafür, wie leicht man auch falsch liegen und eine gute Absicht ins Gegenteil umschlagen kann, wenn man zu blindem Aktionismus neigt. Ich wurde von Bekannten, die nichts mit der Schule zu tun haben, angesprochen. Selbst außerhalb von Borgholzhausen glauben die Menschen, dass an der PAB ein rechtsradikaler Lehrer sein Unwesen getrieben und das Kollegium ihn lange Zeit gedeckt hat. "Dass die das nicht gemerkt haben ...".
Audiatur et altera pars, et cave quicquam dicas, nisi quod scieris optime.