Streit um geplanten Nationalpark im Teuto nimmt an Härte zu
VON HUBERTUS GÄRTNER
Detmold. Die Auseinandersetzungen um einen zukünftigen Nationalpark im Teutoburger Wald spitzen sich immer stärker zu. Nach einer Strafanzeige wird nun sogar gegen den lippischen Landrat Friedel Heuwinkel (CDU) ermittelt. Eine Bürgerinitiative forderte Mittwoch den sofortigen Stopp aller Planungen.
Die NRW-Landesregierung und viele Naturschützer fürchten, dass der Nationalpark wegen starker Widerstände und politischer Uneinigkeit nicht wie geplant auf lippischem Gebiet realisiert werden kann. Das Projekt "Nationalpark Teutoburger Wald" sei durch den Kreis Lippe "ins Leben gerufen" worden, sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Es werde "vom Land ausdrücklich begrüßt und, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, als regionale Initiative auch unterstützt". Dass der Teutoburger Wald "nationalparkwürdig ist, ist unzweifelhaft und wurde durch Fachgutachten belegt", so Remmel.
Nach Informationen der Neuen Westfälischen wird bereits an einer veränderten Kulisse für einen Nationalpark gearbeitet, die ohne die Flächen des Prinzen Stephan zur Lippe auskommen kann. Der Adlige ist ein erklärter Gegner des Projektes. Obwohl ihm ausdrücklich zugesichert werden sollte, dass er auf seinen Waldflächen weiter wirtschaften dürfe wie bisher, wehrt er sich dagegen, dass sein Eigentum in eine Nationalparkkulisse mit einbezogen und "überplant" wird.
Vor allem der lippische Landrat Friedel Heuwinkel (CDU) wird von Nationalparkgegnern und auch in seiner eigenen Partei immer mehr unter Beschuss genommen. Ein Rechtsanwalt aus Detmold, der Jägerkreisen zugerechnet wird, hat gegen Heuwinkel eine Strafanzeige erstattet. Darin wird dem Landrat vorgeworfen, dass er zum Nationalpark Anzeigen in Zeitungen geschaltet und dadurch Steuergelder verschwendet habe. Es werde geprüft, ob eine Untreue vorliege, sagte Oberstaatsanwalt Christopher Imig. Zur Debatte stehe dabei eine Summe "im unteren vierstelligen Bereich".
Unterstützung von Töpfer und Buß
Heuwinkel ist sich keiner Schuld bewusst. Nach einem Mehrheitsvotum des lippischen Kreistags habe er über den geplanten Nationalpark in der Öffentlichkeit informieren müssen. Nichts anderes sei mit den Annoncen geschehen, sagte er. Heuwinkel sieht in dem Nationalpark auch weiterhin "eine einmalige Chance für die Region".
Unterstützt wird er in dieser Position zum Beispiel von dem früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) und dem ehemaligen Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß. Die Befürworter des Nationalparks können sich unter anderem auf ein Gutachten des Instituts Roland Berger berufen. Es hatte erhebliche positive Effekte, zum Beispiel 4,2 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr, durch den Nationalpark-Tourismus errechnet. Karsten Otte, Sprecher der OWL-Umweltverbände, sieht die Gefahr, dass durch "parteipolitische Machenschaften" und "unsägliche Desinformationen" ein " wichtiges Projekt für die Region OWL im Vorfeld kaputtgeredet" wird.
Die Nationalparkgegner zweifeln Sinnhaftigkeit und Nutzen des Nationalparks grundsätzlich an. Die Einnahmen würden die Kosten bei weitem unterschreiten, sagt Doris Meierjohann vom Bund der Steuerzahler. "Nach der Absage der Gemeinde Horn-Bad Meinberg und von Prinz zur Lippe, die ihre Waldflächen für den Nationalpark nicht zur Verfügung stellen, ist die ursprünglich vom Land NRW und dem Landrat Heuwinkel vorgestellte (8.650 Hektar große) Kulisse nur noch Makulatur", glaubt Jürgen Ruth, Vorsitzender der Initiative "Unser Teutoburger Wald".
@ lekrid Ihre Gedanken in allen Ehren,aber vielleicht sollten Sie mal mit real-existierenden "Immobilienbesitzern" sprechen(!),bevor Sie deren - vermutliche - Gedanken antizipieren.
fw schrieb am 24.02.2012 17:32 Uhr
@Kurt Vielen Dank für Ihren Hinweis zur "unabhängigen" Presse und zur "umfassenden Hintergrundberichterstattung".Hier liegt wirklich noch ein weites Feld brach.Die Frage nach dem "Volkswohl" dürfte nicht einfach zu klären sein.Doch die historischen Entwicklungen mit ihren Folgen für die Gegenwart aufzuzeigen,könnte eine reizvolle Aufgabe sein.
lekrid schrieb am 23.02.2012 22:40 Uhr
Im Grunde müsste es eine Win - Win Situation sein...ich vermute es wird in dieser Hinsicht auch gepokert. Das was attraktiv ist - wird teurer. Ein Nationalpark ist attraktiv. Immobilienbesitzer werden natürlich von einem Nationalpark profitieren. Tourismus etc. sowieso und ein paar Großgrundbesitzer pokern das aus. Übel aber normal.
stef schrieb am 23.02.2012 22:21 Uhr
es ist ja eigentlich auch etwas irrwitzig, der steuerzahler soll, je nach quelle, 5-7mio.€ für etwas ausgeben, was seit jahrzehnten, teils seit jahrhunderten, so vorhanden und betretbar ist.
Kurt schrieb am 23.02.2012 20:55 Uhr
Die NW sollte mal nach den tatsächlichen Gründen der Gegnerschaften zum Nationalpark suchen und diese der breiten Öffentlichkeit darstellen, insbesondere die Fragen klären, ob es um rein wirtschaftliches Interesse von Mitbürgern (wie den Fürsten zu Lippe, Jägern und anderen) geht oder ob es um das Volkswohl geht. Empfehlen möchte ich der NW auch mal einen jungen Volentär zu beauftragen, eine Serie darüber zu schreiben, wie die verstorbenen Fürsten zu Lippe so ab dem 10./11. Jahrhundert) zu ihren Ländereien gekommen sind. (...) Zu den Aufgaben der unabhängigen Presse sollte eine umfassende Hintergrundberichterstattung gehören, damit die Leser sich umfassend über die Hintergründe der Nationalparkverweigerer ein objektives Bild machen können.
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