Bielefeld. Der 26-jährige Werder-Bremen-Fan aus Niedersachsen schwebt laut Polizei auch zwei Tage nach den brutalen Tritten gegen seinen Kopf noch in Lebensgefahr. Den Ärzten der Intensivstation von Gilead I ist es immerhin gelungen, den Zustand des Patienten zu stabilisieren. Gleichzeitig erhoben gestern seine Freunde, die von einer zehnköpfigen Tätergruppe aus einem Hinterhalt heraus und ohne Vorwarnung überfallen worden sind, auch Vorwürfe gegen die Polizei.
"Wir sind richtig in eine Falle gelockt worden", erinnerte sich einer der acht Werder-Anhänger, die – wie berichtet – am Samstag kurz vor 16 Uhr von zehn Männern angegriffen wurden. Von einer Schlägerei wollte keiner von ihnen sprechen. Polizei-Sprecher Martin Schultz bestätigte gestern, dass keinerlei Provokationen vorausgegangen seien. "Die Gästefans waren völlig friedlich und arglos. Die Täter müssen sich die Gruppe in Ruhe ausgeguckt haben."
Haben Sie Angst, ins Stadion zu gehen?
Tatsächlich war zivilen Beamten aus einem Auto heraus ein sogenannter "Alt-Hooligan" aufgefallen, der offenbar die Umgebung ausspähte und immer wieder telefonierte. "Wenig später fielen die Täter über die Bremer her", so Schultz. Es sei nicht auszuschließen, dass dieser Mann den Angreifern ein Zeichen gegeben hat. Drei Gästefans wurden bei dem Überfall verletzt, zwei von ihnen mussten dabei mit Anlauf Tritte gegen ihren Kopf einstecken. Der 26-Jährige läuft Gefahr, diese Tritte nicht zu überleben – er erlitt eine Hirnblutung.
Filmaufnahmen vom Angriff
Die schockierten Freunde des Opfers sagten gestern, Zivilpolizisten hätten früher eingreifen können, aber sie filmten den Überfall statt zu helfen. "Den ersten Angriff hätten sie nicht verhindern können, aber wenn sie sich laut rufend zu erkennen gegeben hätten, wäre es vielleicht nicht zu den Tritten gekommen", so zwei der Freunde.
Martin Schultz entgegnet: "In dem Fahrzeug saßen szenekundige Beamte, die auf dem Weg zum Tatort alles gefilmt haben. Einer von ihnen hat den Haupttäter festgenommen, während der andere Notarzt und Verstärkung alarmiert hat." Die Filmaufnahmen zeigen laut Schultz, dass beide Beamte sofort bei Ankunft tätig geworden sind.
"Die Betroffenheit auch unserer Fans ist riesengroß", berichtete Arminias Geschäftsführer Marcus Uhlig von den Reaktionen, die seit Sonntag in der Geschäftsstelle eingingen. "Wir erhalten deutliche Signale aus unserer Szene, die diese Gewalttätigkeiten aufs Schärfste verurteilt." Auch Gerhard Weber, Haller Modeunternehmer und DSC-Großsponsor, zeigte sich entsetzt: "Es ist ein Trauerspiel. Gegen solche Gewaltakte müssen wir einschreiten." Er wolle sich für noch engere Zusammenarbeit zwischen Verein und Polizei einsetzen. "Strengere Kontrollen müssen kommen."Die beiden Haupttäter – ein 20-Jähriger aus Espelkamp und ein 21-Jähriger aus Leopoldshöhe – sitzen seit Sonntag wegen versuchten Totschlags in Untersuchungshaft, vier weitere Tatbeteiligte (19 bis 20) wurden vorläufig festgenommen, ein siebter Mittäter hatte sich am Sonntag mit seinem Rechtsanwalt gestellt. Die Vernehmungen der Mordkommission "Bremen II" laufen.
Stadionverbote der Täter
Zumindest die Haupttäter "sind uns bestens bekannt", so Schultz. Der Espelkamper war bereits 2007 – also bereits mit 15 Jahren – wegen Landfriedensbruchs aufgefallen. Aktuell ist gegen ihn ein bundesweites Stadionverbot bis 2015 verhängt (drei Jahre ist die Höchststrafe), weil er am 25. Februar am Erfurter Bahnhof wegen Widerstands und versuchter Gefangenenbefreiung angezeigt worden ist. Gegen den Leopoldshöher war bis 2010 ein Verbot ausgesprochen worden. "Die waren am Samstag beide nicht im Stadion", so Schultz. "Solche Typen interessieren sich nicht für Fußball."
"99,9 Prozent der Fans wollen bei uns Fußball sehen und ihren Spaß haben", so Uhlig. "Gegen einige wenige Kriminelle, die unter dem Deckmantel des Fußballs ihre Aggressionen ausleben, ist man als Verein hilflos."
Ein legitimes Mittel gegen sie seien Stadionverbote, "die der Verein oder Stadion-Betreiber vornehmen kann", so DSC-Fanbeauftragter Christian Venghaus. Für die Dauer des Ausschlusses dürfen Spiele von der Bundes- bis zur Regionalliga nicht besucht werden – genauso Länderspiele. Kontrolliert werden die Verbote von Sicherheitsleuten der Vereine sowie von szenekundigen Polizeibeamten, die über eine bundesweite Verbotsliste verfügen und ihre Pappenheimer bestens kennen. Wer trotzdem reinkommt, erhält eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.
"Dieses System der Erkennung ist optimal", meint Uhlig. Personen, die auf der Verbotsliste stehen, kommen so nicht in die Stadien und versuchen es daher auch gar nicht mehr. Arminia Bielefeld hat laut Polizei-Kartei derzeit gegen 14 Personen bundesweite Stadionverbote ausgesprochen, "von denen zwei am 30. Juni auslaufen", so Uhlig. 3.000 sind es deutschlandweit.
Wer auch immer von Ihnen das Gerücht in die Welt gesetzt hat, "Alt-Hooligans" wären an der Ausspähung der Bremer Fans beteiligt gewesen- es ist an der Zeit, ÖFFENTLICH klarzustellen, daß dem nicht so ist!
Sicherlich gibt es auch Problemfälle in unseren Kreisen, aber auch Sie sollten wissen, daß ein Ehrenkodex eingealten wird, ansonsten hat man in unserer Szene NIX zu suchen.
Vielleicht hat auch der Stillstand und die eingetretene Passivivität des früher aktiven Kaders dazu beigetragen, daß ein Selbstreinigungsprozess innerhalb der Fanszene nicht mehr stattfindet.Einfach mal drüber nachdenken...