Schrift

08.05.2012
BIELEFELD - MIT VIDEO
Werder-Fans in die Falle gelockt
Beamte sollen zu spät geholfen haben / 26-Jähriger ringt weiter um sein Leben
VON JENS REICHENBACH UND JÖRG FRITZ

Arglos | FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Der 26-jährige Werder-Bremen-Fan aus Niedersachsen schwebt laut Polizei auch zwei Tage nach den brutalen Tritten gegen seinen Kopf noch in Lebensgefahr. Den Ärzten der Intensivstation von Gilead I ist es immerhin gelungen, den Zustand des Patienten zu stabilisieren. Gleichzeitig erhoben gestern seine Freunde, die von einer zehnköpfigen Tätergruppe aus einem Hinterhalt heraus und ohne Vorwarnung überfallen worden sind, auch Vorwürfe gegen die Polizei.


"Wir sind richtig in eine Falle gelockt worden", erinnerte sich einer der acht Werder-Anhänger, die – wie berichtet – am Samstag kurz vor 16 Uhr von zehn Männern angegriffen wurden. Von einer Schlägerei wollte keiner von ihnen sprechen. Polizei-Sprecher Martin Schultz bestätigte gestern, dass keinerlei Provokationen vorausgegangen seien. "Die Gästefans waren völlig friedlich und arglos. Die Täter müssen sich die Gruppe in Ruhe ausgeguckt haben."

Umfrage
Haben Sie Angst, ins Stadion zu gehen?




Tatsächlich war zivilen Beamten aus einem Auto heraus ein sogenannter "Alt-Hooligan" aufgefallen, der offenbar die Umgebung ausspähte und immer wieder telefonierte. "Wenig später fielen die Täter über die Bremer her", so Schultz. Es sei nicht auszuschließen, dass dieser Mann den Angreifern ein Zeichen gegeben hat. Drei Gästefans wurden bei dem Überfall verletzt, zwei von ihnen mussten dabei mit Anlauf Tritte gegen ihren Kopf einstecken. Der 26-Jährige läuft Gefahr, diese Tritte nicht zu überleben – er erlitt eine Hirnblutung.

Filmaufnahmen vom Angriff

Die schockierten Freunde des Opfers sagten gestern, Zivilpolizisten hätten früher eingreifen können, aber sie filmten den Überfall statt zu helfen. "Den ersten Angriff hätten sie nicht verhindern können, aber wenn sie sich laut rufend zu erkennen gegeben hätten, wäre es vielleicht nicht zu den Tritten gekommen", so zwei der Freunde.
Fotostrecke
Klicken Sie auf ein Foto, um die Fotostrecke zu starten (15 Fotos).

Martin Schultz entgegnet: "In dem Fahrzeug saßen szenekundige Beamte, die auf dem Weg zum Tatort alles gefilmt haben. Einer von ihnen hat den Haupttäter festgenommen, während der andere Notarzt und Verstärkung alarmiert hat." Die Filmaufnahmen zeigen laut Schultz, dass beide Beamte sofort bei Ankunft tätig geworden sind.

"Die Betroffenheit auch unserer Fans ist riesengroß", berichtete Arminias Geschäftsführer Marcus Uhlig von den Reaktionen, die seit Sonntag in der Geschäftsstelle eingingen. "Wir erhalten deutliche Signale aus unserer Szene, die diese Gewalttätigkeiten aufs Schärfste verurteilt." Auch Gerhard Weber, Haller Modeunternehmer und DSC-Großsponsor, zeigte sich entsetzt: "Es ist ein Trauerspiel. Gegen solche Gewaltakte müssen wir einschreiten." Er wolle sich für noch engere Zusammenarbeit zwischen Verein und Polizei einsetzen. "Strengere Kontrollen müssen kommen."Die beiden Haupttäter – ein 20-Jähriger aus Espelkamp und ein 21-Jähriger aus Leopoldshöhe – sitzen seit Sonntag wegen versuchten Totschlags in Untersuchungshaft, vier weitere Tatbeteiligte (19 bis 20) wurden vorläufig festgenommen, ein siebter Mittäter hatte sich am Sonntag mit seinem Rechtsanwalt gestellt. Die Vernehmungen der Mordkommission "Bremen II" laufen.

Stadionverbote der Täter

Zumindest die Haupttäter "sind uns bestens bekannt", so Schultz. Der Espelkamper war bereits 2007 – also bereits mit 15 Jahren – wegen Landfriedensbruchs aufgefallen. Aktuell ist gegen ihn ein bundesweites Stadionverbot bis 2015 verhängt (drei Jahre ist die Höchststrafe), weil er am 25. Februar am Erfurter Bahnhof wegen Widerstands und versuchter Gefangenenbefreiung angezeigt worden ist. Gegen den Leopoldshöher war bis 2010 ein Verbot ausgesprochen worden. "Die waren am Samstag beide nicht im Stadion", so Schultz. "Solche Typen interessieren sich nicht für Fußball."

"99,9 Prozent der Fans wollen bei uns Fußball sehen und ihren Spaß haben", so Uhlig. "Gegen einige wenige Kriminelle, die unter dem Deckmantel des Fußballs ihre Aggressionen ausleben, ist man als Verein hilflos."

Ein legitimes Mittel gegen sie seien Stadionverbote, "die der Verein oder Stadion-Betreiber vornehmen kann", so DSC-Fanbeauftragter Christian Venghaus. Für die Dauer des Ausschlusses dürfen Spiele von der Bundes- bis zur Regionalliga nicht besucht werden – genauso Länderspiele. Kontrolliert werden die Verbote von Sicherheitsleuten der Vereine sowie von szenekundigen Polizeibeamten, die über eine bundesweite Verbotsliste verfügen und ihre Pappenheimer bestens kennen. Wer trotzdem reinkommt, erhält eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

"Dieses System der Erkennung ist optimal", meint Uhlig. Personen, die auf der Verbotsliste stehen, kommen so nicht in die Stadien und versuchen es daher auch gar nicht mehr. Arminia Bielefeld hat laut Polizei-Kartei derzeit gegen 14 Personen bundesweite Stadionverbote ausgesprochen, "von denen zwei am 30. Juni auslaufen", so Uhlig. 3.000 sind es deutschlandweit.


Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Herr Schultz, Herr Düsenberg, Herr Wüstenbecker, Herr Reichenbach!
Wer auch immer von Ihnen das Gerücht in die Welt gesetzt hat, "Alt-Hooligans" wären an der Ausspähung der Bremer Fans beteiligt gewesen- es ist an der Zeit, ÖFFENTLICH klarzustellen, daß dem nicht so ist!
Sicherlich gibt es auch Problemfälle in unseren Kreisen, aber auch Sie sollten wissen, daß ein Ehrenkodex eingealten wird, ansonsten hat man in unserer Szene NIX zu suchen.
Vielleicht hat auch der Stillstand und die eingetretene Passivivität des früher aktiven Kaders dazu beigetragen, daß ein Selbstreinigungsprozess innerhalb der Fanszene nicht mehr stattfindet.Einfach mal drüber nachdenken...

also ich finde diese ganzen diskusionen führen hier einfach zu nix. fakt ist das jemand im krankenhaus liegt um sein leben kämpfen muss, weil irgendwelche voll idioten meinen anderen Fan´s zusammen schlagen zumüssen. und das schlimme ist das es so genannte "FANS" von Arminia sein sollen. was ich im übrigen ganz amüsant finde die täter haben jetzt 3 jahre stadion verbot aber wandern erstmal in den knast für nen paar jahre und dann können Diese Leute wieder ins Stadion rein. Denke das sehr viele meiner meinung sind bei solchen leuten ein kompelttes lebenslanges stadion verbot ausgesprochen werden sollte und darüber hinaus bin ich der meinung das stadien verbote nur von einem Gericht verhängt werden sollten. Da es ja in der Vergangenheit auch Fans von anderen Mannschaften zuunrecht Stadionverbot erhalten haben.


Also zuguter letzt wünsche ich dem Opfer ne schnelle und gute genesung und vorallem das keine Spätfolgen auftreten.

@ Lippe Armine, richtig lesen und verstehen hilft ernorm weiter.

Habe ich etwas zu der Gründung des OWT geschrieben?

Nein!

Ich habe mich gefragt, wie man im 21. Jahrhundert so einer Vereinigung anschließen kann? Der gesunde Menschenverstand sagt einem doch, dass man mit dem Name "Terror" nichts zu tun haben sollte. Erst recht nicht als Fußballfan!

@Rainer das möchte ich dir im Prinzip zustimmen, dann mußt du aber auch sagen das 20 tausend im Stadion zur Gewalt neigen wenn Sie Lieder mitsingen die eine Gegnerische Mannschaft und deren Fans beleidigen. Somit sind dann wohl 90 % der Fußballfans Gewalttäter. Der Rest kann nicht mehr singen und scheidet deswegen aus.

@stefan67 Der Ostwestfalen Terror wurde im 20 ten Jahrhundert gegründet. Wenn schon Zahlen dann richtige.



 Seite 1 von 18
weiter >
  >>



Anzeige
Weitere Nachrichten aus OWL
Bad Salzuflen
Bald wieder heilende Solenebel in Bad Salzuflen
Bündel für Bündel wird von Arbeitsbühnen aus zurzeit Schwarzdornreisig in das neue Gradierwerk in Bad Salzuflen (Kreis Lippe) gefüllt. Anschließend bauen Zimmermann Dierk Rudolph und seine Kollegen ein Dach über die Besucherterrasse. mehr

Paderborn/Düsseldorf
Linnemann kandidiert für Bundesvorsitz
Carsten Linnemann, Bundestagsabgeordneter aus Paderborn, ist in Düsseldorf vom mitgliederstärksten Landesverband der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) als Kandidat für den Bundesvorsitz nominiert worden. mehr

Minden
Küchen- und Dachstuhlbrand in Minden
An der Stiftsallee in Minden hat es am Mittwochabend einen Küchenbrand gegeben, die Flammen breiteten sich bis ins Dach aus. Die sieben Bewohner und ihr Hund hielten sich zu diesem Zeitpunkt im Garten des Hauses auf. mehr

Paderborn/Geseke
Doppelmord auf offener Straße in Geseke: Tätersuche in Bayern
Vor fast drei Jahren wurden zwei Männer in Geseke (Kreis Soest) auf offener Straße getötet. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur. Die Ermittlungen laufen aber weiter. Am Mittwoch durchsuchten Polizisten aus Bayern und NRW nach Auskunft der Mordkommission in Dortmund vier Häuser im Bereich Schweinfurt. mehr



OWL / NRW: Meistgeklickt heute vor ...

Anzeige
Fotos aus OWL
OWL: Hagel und Regen über Ostwestfalen
OWL: Hagel und Regen über Ostwestfalen
Rheda-Wiedenbrück: Fußballturnier der Abiturienten
Rheda-Wiedenbrück: Fußballturnier der Abiturienten
Bad Driburg: Regierungspräsidentin im Weber-Geburtshaus
Bad Driburg: Regierungspräsidentin im Weber-Geburtshaus
Herford: Jugendtheaterclub spielt "Eine einfache Idee"
Herford: Jugendtheaterclub spielt "Eine einfache Idee"
Lübbecke: Königsbowle des Bürgerschützen-Bataillons
Lübbecke: Königsbowle des Bürgerschützen-Bataillons
Bielefeld: Auto brennt auf der Bodelschwinghstraße
Bielefeld: Auto brennt auf der Bodelschwinghstraße



Anzeigen

Videos
Anzeige
Anzeige
Regionale Wirtschaft
"Ein Meister des Wortes und der Zahlen"
Detmold. Angeklagte betrachten die Vorgänge rückblickend oft aus ihrem eigenen Blickwinkel. Im letzten Kapitel des Prozesses um die Millionenpleite... mehr

Fischer belohnt Mitarbeiter
Bad Salzuflen (nw). Die Fischer Mess- und Regeltechnik GmbH hat das Geschäftsjahr 2012 mit einem Umsatz von über 17 Millionen Euro abgeschlossen. Die... mehr

Bielefeld: BOW kürt die besten Personalentwickler in Ostwestfalen-Lippe
Kreativ, originell und im Praxistest erfolgreich sollten sie sein - die Projekte, mit denen sich Unternehmen aus der Region um die Auszeichnung "Beste... mehr

Essen/Gütersloh: Schickedanz’ Ehemann lobt Middelhoff
Der Chef des 2009 in die Insolvenz gerutschten Arcandor-Konzerns, Thomas Middelhoff, hat seine umstrittenen Millionenboni nach Ansicht eines früheren... mehr

Detmold: Richter baut goldene Brücken
Mit geschlossenen Augen sitzt Heinrich Griem im Gerichtssaal und vernimmt auf der Anklagebank die Vorwürfe... mehr


Kultur
Das Wohnzimmer als Schlachtfeld
Osnabrück (dpa). Beifall und Bravorufe für drei Stücke, die das Theater erst Besuchern ab 16 Jahren empfiehlt: Die Neuinszenierung von Paul Hindemiths... mehr

Schloß Holte-Stukenbrock: Henrik Wächter und Walent-Tony Cerkez: "Das Festival soll gemütlich bleiben"
Vom 19. bis 21. Juli ist wieder Serengeti, ein internationales Musikfestival in Schloß Holte-Stukenbrock... mehr

Herford: Flächen und die Frage nach dem Grund
Acht auf unterschiedliche Weise mit der Region Ostwestfalen verbundene Künstler präsentiert das Marta in der neuen Ausstellung "OWL3"... mehr

Bielefeld: Fragmente des Wahnsinns
Bielefeld. Der Vater von Galileo Galilei wirkt mit, als kurz vor Ende des 16. Jahrhunderts die Oper erfunden wird und ihren Siegeszug in die Mitte der... mehr

Bielefeld: TV-Kommissare lesen in Bielefeld
Bielefeld. Seit 1996 waren Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler als Hauptkommissare Schmücke und Schneider im "Polizeiruf 110" auf Verbrecherjagd.... mehr





Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format