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31.05.2012
HERFORD
Rauswurf von Suchtexpertin: Abhängigkeiten vermutet
Debatte um Diakonie und Spielerhilfe

Herford (hab). Der Bericht über den Ausstieg des Diakonischen Werks Herford (DW) aus der Trägerschaft der Landesfachstelle Glücksspielsucht und die Kündigung der Spielsuchtexpertin Ilona Füchtenschnieder löst heftige Debatten aus. Dabei geht es auch den DW-Geschäftsführers Christian Lümkemann. Dass eine Diakonie-Einrichtung einer Mitarbeiterin nach fast 25 Jahren Dienstjahren kündigt, ist nicht alltäglich. Dass es sich bei der Betroffenen um eine bundesweit bekannte Persönlichkeit handelt, steigert die mediale Aufmerksamkeit.

Dass der frühere Arbeitgeber eine Funktion bei einem von der Gekündigten häufig kritisierten Lobbyisten bekleidet, lässt Debattierer leicht an ein Komplott denken. Lümkemann, der die Spielsucht-Beratung in Herford mit aufbaute und die Landesfachstelle dorthin holte, gehört dem Kuratorium einer Stiftung des Espelkamper Automaten-Industriellen Paul Gauselmann an. Ilona Füchtenschnieder lehnt ebenso wie andere Akteure der Spielsuchthilfe die Zusammenarbeit mit der Gauselmann-Stiftung ab, die Kinder von Spielsüchtigen unterstützen will.

Begründet wird das damit, dass die Gauselmann-Unternehmen vom Elend der Süchtigen profitieren und bessere Möglichkeiten hätten, Familien von Spielsüchtigen zu helfen. Diese Meinung hat sie mehrfach auch öffentlich geäußert, ohne Rücksicht auf die Mitgliedschaft ihres Chefs im Stiftungs-Kuratorium.

Auch im Internet wird lebhaft diskutiert. Manche glauben, das Diakonische Werk werde seine Gründe für die Kündigung gehabt haben. Andere sprechen von einer "Verstrickung Gauselmann/Lümkemann" und sehen hinter dem Rausschmiss den langen Arm des Glücksspielgeräteherstellers. Lümkemann hat solche Vorwürfe bei anderer Gelegenheit zurückgewiesen. Es handle sich bei seiner Mitarbeit im Kuratorium um ein reines Ehrenamt. Das lässt indes die Spekulationen nicht verstummen.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Wen wundert es da noch das immer mehr Schäfchen die Herde verlassen.
Erst die 50 Millionen, die ausgeschiedenen Presbyter aus der Zigarrenstadt ( zu finden auf Südlengern-Aktiv einfach googeln) und jetzt das. Was wohl noch so für U-Boote auftauchen werden man ist gespannt.

@ Sabine Buntrock schrieb :
"Dass ich auf diese Art und Weise einen kleinen Teil dazu beitragen kann, den Kirchenkreis Herford + Anhang in notwendigen Reformen zu unterstützen, erfüllt mich mit tiefer Freude und Stolz."

Habe ich etwas verpasst? Welche Reformen wurden eingeleitet? Wo kann ich frau Buntrock für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen? :)

@ Carolin Pilgrim
Schön das sie geantwortet haben. Wir sollten unserer Verantwortung bewußt sein, auch den Forumsteilnehmern gegenüber. Es wäre schändlich wenn wir uns über Artikel aufregen und mutige, couragierte Forumsteilnehmer im Stich lassen.

Wie sagt man so schön: Dieser Schuß, Herr Christian Lümkemann, ging nach hinten los.

Dass ich auf diese Art und Weise einen kleinen Teil dazu beitragen kann, den Kirchenkreis Herford + Anhang in notwendigen Reformen zu unterstützen, erfüllt mich mit tiefer Freude und Stolz.

Gern stehe ich an dieser Stelle völlig unabhängig - lediglich dem eigenen Gewissen verpflichtet - weiter zur Verfügung.

Alles Gute dem Fachverband. Rege an, aus der Kirche auszutreten und dieser, ausnahmsweise glaubwürdigen Einrichtung beizutreten. Glücksspielsucht kommt in allen Schichten vor. Kenne persönlich einen Uni-Professor, der in seinem Arbeitszimmer einen Spielautomaten aufgebaut hat - als Gag angeblich. Im Urlaub sucht er offen Spielhallen auf. Sonst wohl nur heimlich. Seine Mutter verrät ihn gelegentlich im Bekanntenkreis, wenn sie fragt, "war mein Sohn wieder in einer Spielhölle?" Spielsüchtige bringen unglaubliches Leid in ihre Umgebung.

Lieber KaBiAn,
Das ist wirklich nett, dass Sie sich um mich Sorgen machen. Aber ich glaube, das ist unbegründet, da ich - wie gesagt - nicht über die Diakonie bei Frau Füchtenschnieder angestellt bin, sondern über den Fachverband Glücksspielsucht, dem sie vorsteht. Ich sitze nur im selben Büro wie die Mitarbeiterinnen der Landesfachstelle. So bekomme ich natürlich einiges mit. Die Forumsdiskussion verfolge ich weiterhin sehr aufmerksam. Dass ich mich nicht mehr sooo einbringe, liegt daran, dass eigentlich alles gesagt wurde. Ich kann nur nochmal wiederholen, dass ich Frau Füchtenschnieder für eine extrem engagierte und fähige Frau halte, die sich mir gegenüber immer äußerst fair, freundlich und großzügig verhält. Glücklicherweise geht sie den Spielsüchtigen ja nicht ganz verloren. Ihre Arbeit beim Fachverband wird sie weiterführen. Vielleicht kann der Verein auf diesem Wege neue Mitglieder gewinnen... Das wäre schön und ein Zeichen an die "Gegenseite".

Kirche, soziale Institutionen usw.:

Wann immer ich mit solchen Einrichtungen zu tun hatte, war ich tief geschockt. Die Leitung des erwähnten Seniorenheimes in Bayern sandte mir z.B: nach 2 Wochen privat an meine private Emailadresse eine Aufstellung, wer von den Betriebsratsmitgliedern trinkt, wer klaut usw.. Als sie mir dumm kam, habe ich die Email nur an den Betriebsrat weiterleiten brauchen. Da war nicht nur ich die Tätigkeit los, sondern auch sie ihre gut dotierte Leitungstätigkeit los. Außerdem war da anschließend richtig was los. Das ist auch manchmal sehr gut so.

Als Herr Krause einen neuen Verwaltungschef suchte, habe ich mich beworben, keine Einladung zum Gespräch, stattdessen eine lapidare Absage von ihm erhalten, nachdem Herren mit den verantwortungsvollen Aufgaben betraut wurden.

Grundsätzlich haben natürlich die recht, die fordern, unabhängig vom Geschlecht, soll der oder die Beste berücksichtigt werden. Bei der Kirche und bei anderen sozialen Trägern wurde dieses Prinzip jedoch nicht ansatzweise umgesetzt. Gerade hier werden starke, leistungsfähige Frauen oft nur untergebuttert. Sie haben keine Chance, selbstverständlichste Rechte einzufordern.. Es scheint mir allerdings erwiesen (nicht nur empirisch), dass Frauen leichter wesentlich verantwortungsvoller handeln können, - wenn man sie lässt.

Ohne Führungsfrauen hat diese Kirche alle Glaubwürdigkeit verlorgen. Der Umkehrschluss, wir brauchen nur mehr Frauen in Führungspositionen, funktoniert jedoch nicht unbedingt.



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