Detmold. Seine eigenen Kinder soll ein 39-jähriger Mann aus Schieder-Schwalenberg zigmal missbraucht haben. Seine Frau wusste davon und unternahm nichts. Jetzt stehen beide vor dem Detmolder Landgericht.
"Endlich kann ich wieder in Ruhe schlafen", so äußerte sich ein neunjähriges Mißbrauchsopfer gegenüber einer Erzieherin des Heimes, in dem es seit August 2011 untergebracht ist. Die Erzieherin war eine von vielen Zeugen, die vor dem Landgericht im Prozess wegen Missbrauchs von Schutzbefohlenen aussagten. Angeklagt sind die Eltern des Mädchens.
Dem 39-jährigen Gelegenheitsarbeiter und der 36-jährigen Hausfrau wird vorgeworfen, ihre sieben gemeinsamen Kinder sexuell missbraucht zu haben. Die Kinder - vier Jungen und drei Mädchen - sind zwischen drei und sechzehn Jahren alt.
Der Vater soll seine Töchter, aber auch die Söhne vergewaltigt haben. Außerdem soll er die beiden älteren Jungen - 16 und 12 Jahre alt - dazu angeleitet haben, sich an den kleineren Geschwistern und der 15-jährigen Schwester zu vergehen. Selbst die beiden Kleinsten - drei und fünf Jahre alt - sollen vom Vater und den Brüdern vergewaltigt worden sein.
Insgesamt werden dem Mann 17 Taten zur Last gelegt. Die Mutter ist angeklagt, weil sie nichts gegen die Übergriffe unternommen hat. Ins Rollen kam das Verfahren auf Veranlassung einer Zeugin, die die Familie im Auftrag des Jugendamtes betreute. Ihr waren verschiedene Dinge aufgefallen, die auf einen sexuellen Missbrauch unter den Geschwistern hindeuteten. Auch von sexuellen Spielereien zwischen den kleineren Kindern war die Rede. Am 2. August stellte die Zeugin dann aber beim Wickeln erhebliche Verletzungen bei dem Dreijährigen fest. Die Kinder wurden daraufhin am 3. August aus der Familie geholt.
Beide Angeklagten bestreiten die Taten. Die Mutter will von den Geschehnissen nichts bemerkt haben. Sie steht zu ihrem Ehemann. Ihrer 15-jährigen Tochter soll sie nach Angaben eines Zeugen am Telefon gesagt haben, dass die Aussagen der Kinder schuld seien, dass der Vater im Gefängnis sitze.
Weil die Angeklagten sich nicht äußern, bleibt es den Opfern nicht erspart, vor Gericht auszusagen. Den Anfang machte der älteste Sohn, der bereits im Vorfeld des Prozesses umfangreiche Angaben gemacht hatte, obwohl er sich dadurch auch selbst belastete. Er wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Angeklagten vernommen. Mit der Vernehmung der anderen vier älteren Kinder wird das Verfahren am 2. Juli fortgesetzt.