Hiddenhausen. Johanna Gieselmann befand sich am Donnerstagabend in ihrem Garten, als sie ein leises Klingeln vernahm. Sie drehte sich um und sah einen Vogel mit Glöckchen am Fuß auf ihrem Hausdach sitzen.
Nach kurzem Palaver mit der Nachbarin und einem Blick in die Neue Westfälische stand für die beiden Frauen fest: Das muss "Wolle" sein, der vor Wochen entflogene Geier der Adlerwarte Berlebeck in Detmold (diese Zeitung berichtete).
Johanna Gieselmann holte eine Kamera, machte ein Foto vom Vogel auf dem Dach, benachrichtigte zuerst die Neue Westfälische und dann die Adlerwarte. Schnell stellte sich heraus, dass es sich bei dem Vogel nicht um Wolle, sondern um einen Sakerfalken handelte. "Wir kennen uns da halt nicht so aus", sagt die Hiddenhauserin und lacht.
Die Adlerwarte Berlebeck freute sich trotzdem über den Hinweis - der Falke war nämlich ebenfalls dort ausgebüchst. Wobei von "Ausbüchsen" nicht wirklich die Rede sein kann: "Das ist ein junges Tier, das am Donnerstag seinen ersten Freiflug hatte - wahrscheinlich hat es den Weg zurück nicht mehr gefunden", sagt Klaus Hansen, Leiter der Adlerwarte. "Wir haben sofort einen Kollegen losgeschickt, der den Vogel zurückholen sollte." Leider habe er schon während der Fahrt dorthin den Anruf von Johanna Gieselmann bekommen - der Falke war wieder seines Weges geflogen. Hansen ist aber zuversichtlich, dass er sich demnächst wieder blicken und dann auch einfangen lässt.
Gleiches gilt für den Wollkopfgeier "Wolle", der nun schon seit fünf Wochen auf Wanderschaft in der Region ist. Wo genau Wolle sich derzeit rumtreibt, weiß niemand. Allenfalls der Geier selbst. "Gestern wurde er offenbar in Minden gesehen", sagt Hansen. Was allerdings nicht heißt, dass er auch heute noch dort ist.
Echter Geier | FOTO: ADLERWARTE BERLEBECK
Wolles Flucht könnte durchaus noch ein paar Wochen andauern. Verhungern wird er jedenfalls nicht so schnell. "Der kann wochenlang ohne Nahrung auskommen", erklärt der Fachmann. "Und wenn er irgendwo eine überfahrene Katze findet, haut er sich den Bauch voll und ist erstmal wieder satt."
Hansen würde sich über weitere Hinweise zu Wolles Aufenthalt freuen. Wenn es sich um einen Sakerfalken handelt, ist das auch okay. Der Leiter der Adlerwarte Berlebeck ist unter Tel.: (0171) 307 3410 zu erreichen.