Lennestadt/Bielefeld (lnw). Fast ein Vierteljahrhundert hat er Sommer für Sommer den bekanntesten Indianer Deutschlands gemimt: An diesem Sonntag nun streifte der Schauspieler Benjamin Armbruster das Winnetou-Kostüm bei den Karl-May-Festspielen im sauerländischen Elspe zum allerletzten Mal über. "Jede Vorstellung war für mich ein Höhepunkt", sagt der 66-Jährige.
Als er bei der letzten Aufführung der Saison von 3.400 Zuschauern mit Standing Ovations verabschiedet wurde, hatte er Tränen in den Augen: "Das war erhebend. Ich habe mich zusammengerissen, nicht zu weinen." Viele seiner Fans habe er, ohne es zu wissen, die ganze Zeit begleitet, sagt er. "Die haben mich als Kinder gesehen und sind jetzt mit ihren Kindern hier." Und er sei immer wieder überrascht, wie treu die Fans sind. "Es ist schon verrückt, dass oft Erwachsene Jahr für Jahr kommen, um dann sich dann wieder in ihre Kindheit versetzt zu fühlen."
Der in Rumänien geborene Schauspieler war nicht nur das Gesicht von Winnetou. Bis 2011 war er am Theater Bielefeld. "Da habe ich in 32 Spielzeiten insgesamt 157 Rollen gespielt." Das dürfte ihm geholfen haben, den Apachenhäuptling immer nur als eine Rolle zu sehen. "Ich ziehe das Kostüm aus, und danach ist das für mich erledigt", sagt er.
Mehr als 1.000 Vorstellungen
Aber auch wenn Winnetou "nur eine Rolle" sei, habe der Karl-May-Held den Menschen auch im 21. Jahrhundert noch etwas zu sagen: "Zum Beispiel im Umgang mit der Natur: Wenn wir die Weisheiten der Indianer befolgt hätten, gäbe es kein Baumsterben und kein Ozonloch." Und natürlich sei es eine Botschaft, dass das Gute immer gegen das Böse kämpfen müsse. "Der Geist von Karl May lebt", sagt er und habe auch im Computer-Zeitalter seine Berechtigung.
Seit 1988 spielte Armbruster in Elspe. Bei weit über 1.000 Vorstellungen haben ihn mehr als 5 Millionen Zuschauer als Winnetou reiten sehen. "Da sind zwar viele Wiederholungstäter dabei, aber es bleibt doch ein Millionenpublikum", sagt Festival-Chef Jochen Bludau.
Mit dem Abschied von Winnetou zieht sich Armbruster nicht aufs Altenteil zurück. "Ich habe fast mehr zu tun als vorher", sagt er.
Seit 2011 ist er für die Dialog-Regie der Karl-May-Spiele verantwortlich, und auf der Bühne wird er auch weiterhin zu sehen sein. "Welche Rolle ich bekomme, ist noch geheim, das weiß ich selbst noch nicht", sagt Armbruster. Doch Regisseur Bludau hat sich schon Gedanken gemacht. "Ich habe zunächst an einen Gangster gedacht. Aber er hat ja immer gegen das Böse gekämpft und wenn er nun Winnetou beleidigen soll, das passt nicht."