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14.12.2012
Bielefeld
Kunsthalle Bielefeld: Besucherzahlen deutlich gesunken
VON STEFAN BRAMS

Bedeutend in OWL und darüber hinaus | FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu. Und damit auch das Ausstellungsjahr in der Bielefelder Kunsthalle. Es ist das erste Jahr, für das der neue Direktor, Friedrich Meschede, die komplette kuratorische Verantwortung trägt.

Schaut man allein auf die Besucherzahlen, dann war es kein erfolgreiches Jahr, denn lediglich 36.000 Kunstinteressierte wollten die drei großen Ausstellungen sehen. 55.000 sind es, zählt man die noch in dieses Jahr mit hineinreichende aber von Meschede nicht verantwortete Picasso-Schau mit. Die Ausstellung mit Arbeiten des Bielefelder Mikrofotografen Carl Strüwe besuchten demnach 16.000 Gäste, Fujimotos Architektur wollten rund 14.000 Besucher sehen und für die Künstler-Familie Smith interessierten sich lediglich 6.000 Besucher.


Zum Vergleich: 2011 kamen 114.500 Zuschauer in die vier Ausstellungen. 2010 waren es 90.000 Gäste, 2009 fanden 80.000 Besucher den Weg in die Kunsthalle und im Rekordjahr 2008 waren es 131.000.

Rekordjahr 2008

Die guten Zahlen der Vergangenheit sind vor allem auf zugkräftige Namen zurückzuführen. Im Jahr 2011 lockte allein die Schau "Picasso 1905 in Paris" rund 49.000 Besucher in die Kunsthalle und der Westfälische Expressionismus zog nochmals 31.000 Interessierte an. Im Rekordjahr 2008 war es die Emil Nolde-Schau, die die Zahlen nach oben trieb.

Ähnlich starke Publikumsmagnete fehlten in diesem Jahr, so dass die Zahlen nun eher bescheiden ausfielen. Wobei Meschede vor allem mit seiner dem aufstrebenden japanischem Architekten Sou Fujimoto gewidmeten Ausstellung auch in der überregionalen Presse sehr positive Resonanz hatte. "Die Zahlen könnten besser sein", räumte Friedrich Meschede am Donnerstag auf Nachfrage ein. Eine Krise sehe er aber nicht. "Ich bin der festen Überzeugung, dass wir die besten Ausstellungen gezeigt haben, die die Kunsthalle Bielefeld bisher gesehen hat." Ich wüsste nicht, wie wir dieses inhaltlich kontrastreiche Programm noch steigern sollten, betonte Meschede und sagte: "Ich bin inhaltlich absolut überzeugt, dass das der richtige Weg ist."

Am 20. Dezember will die Kunsthalle die Zahlen offiziell der Presse vorstellen. Vorgestellt wird dann auch auch das Ausstellungsprogramm für das Jahr 2013. Das wird eröffnet mit einer Schau zum deutschen Symbolismus und dessen "Schönheit und Geheimnis". Im Sommer werden dann die Wände der Kunsthalle Bielefeld "Auf Zeit" in neuer Gestalt zu sehen sein, wenn die "Geschichte der Wandmalerei" mit zeitgenössischen Künstlern vorgestellt wird. Ab November 2013 wird unter dem doppelsinnigen Titel "To open eyes" dann das Thema "Kunst und Textil vom Bauhaus bis heute" vorgestellt. Auch 2013 scheint Meschede eher nicht auf ein publikumsträchtiges Zugpferd zu setzen – vom deutschen Symbolismus vielleicht abgesehen.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Es ist ein großes Glück, das es in Bielefeld die schöne Kunsthalle gibt, wir haben sie jemandem zu verdanken und genau in diesem Namen sollte man sie auch ehrvoll betrachten! Wenn man sich in Ausstellungen nur auf die großen Namen einlässt, ist doch langweilig.Und all´ die, die es nicht verstehen- die Kunst weitet den Blick, man muss sich nur einfach darauf einlassen!
Natürlich kann man mal eben schnell aburteilen, solange es nicht um einen selbst geht und DAS ist der große Fehler der Gesellschaft, sich von Zeitungsartikel und Zahlenkolonnen einspannen zu lassen!
Fantastische Ausstellungen kann man nur beurteilen, wenn man sie auch gesehen hat! Künstler, die weltweit Ansehen genießen in Bielefeld zu präsentieren- das hat ART und ist ART!
Wir können uns glücklich schätzen-
die Kunsthalle ist und bleibt ein Juwel!

@max
Na das ist ja wohl eine etwas simple Strategie, zu behaupten, dass die Kritiker keine Ahnung von Kunst haben... Au weia. Und: Stimmt so nicht, eher im Gegenteil! Es gibt auch Kunstkenner, die eine Mischung mögen, wie sie in den vergangenen Jahren etabliert wurde. Zugängliche, für viele Menschen interessante Künstler oder Themen und Experiment und Avantgarde. so ist das nunmal in öff. finanzierten Kulturbetrieben (siehe Theater) . Sou Fujimoto war eine wundervolle Ausstellung, aber diese Zettelchen und unauffälligen Plakate waren und sind wieder eher ein Wegkucker. Understatement ist in einem nunmehr wankenden Kulturbetrieb nicht angemessen. Gleiches gilt für maßlose Übertreibungen ( beste Ausstellungen...).

Jetzt MUSS hier aber mal eine Lanze für Herrn Meschede gebrochen werden.
Erst einmal glaube ich, das 99% der hier Kommentare abgebenden Leute wenig Ahnung von Kunst haben.
Das sich hier in Ostwestfalen die Einwohner lieber von großen Namen blenden lassen ( Westfälischer Expressionismus, Picasso, ... ) als zu versuchen sich innerhalb der Kunst weiterzubilden, kommt meiner Meinung nach deutlich in den meisten Kommentaren hier zum Vorschein.
Herrn Meschedes Zitat "Die beste Ausstellung die die Kunsthalle je gesehen hat", sollte man nicht aus dem Kontext gerissen sehen, und kunstwissenschaftlich gesehen hat er da gar nicht mal so Unrecht, aber der Superlativ ist doch vielleicht etwas übertrieben.
Zu dem Artikel kann ich nur sagen, es stimmt schon das auch Herr Meschede die Balance zwischen dem künstlerischen Anspruch und der wirtschaftlichen Rentabilität finden muss, aber offensichtlich hat der Autor KEINE Ahnung von Planung und/oder Realisierung einer Ausstellung, zu diesem Zeitpunkt etwas für 2014 zu planen ist zu spät, 2015 kann man eventuell drüber reden.
Aber was will ich von der NW erwarten ?

"Ich bin der festen Überzeugung, dass wir die besten Ausstellungen gezeigt haben, die die Kunsthalle Bielefeld bisher gesehen hat." Ich wüsste nicht, wie wir dieses inhaltlich kontrastreiche Programm noch steigern sollten, betonte Meschede und sagte: "Ich bin inhaltlich absolut überzeugt, dass das der richtige Weg ist."

Da scheint offenbar ein Fall von Wahrnehmungsstörung vorzuliegen....

Die geplanten neuen Ausstellungen scheinen meiner Meinung nach auch keine Publikumsmagneten zu sein. Mal abwarten.

Und eine Bitte: Schafft den Trümmer von Sou Fujimoto irgendwo anders hin, so das der schöne Blick auf die Kunsthalle wieder frei ist!

Warum braucht eine Stadt in größter Finanznot eine Kunsthalle, die von der Öffentlichkeit nicht entsprechend angenommen wird? Diese Frage stellt sich erst recht vor dem Hintergrund der vielen schmerzhaften Einsparungen bei öffentlichen Einrichtungen. Außerdem weiß ich z.B. von mehreren Schulen und Turnhallen mit erheblichem Reparaturstau. Mit Investitionen hier wäre der Allgemeinheit sicher mehr geholfen als mit dem "Luxus" Kunsthalle. Aber Vernunftgründe helfen in solchen Fällen ja kaum, denn es gibt ja immer einflußreiche Leute, die mit aller Macht den status quo sichern wollen. Aber vielleicht finden sich ja kunstliebende Unternehmer in der Region, die diesen Luxus finanzieren möchten.



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