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28.12.2012
Bielefeld
Bielefelder hat Totilas-Nachkommen verkauft
Sohn des "Wunderhengstes" weltweit begehrt
VON NORBERT HERBST

Kleine Schönheit

Bielefeld. Auch wenn es sportlich bei seinem Reiter Matthias Alexander Rath nicht rund läuft, der Hype um "Wunderhengst" Totilas ist ungebrochen. Der Jöllenbecker Pferdezüchter Horst Huep kann ein Lied davon singen, seit seine hochveranlagte Westfalenstute Fürstin Romadour ein Totilas-Fohlen zur Welt gebracht hat.

Das allein ist im Prinzip nur bedingt etwas Besonderes, denn Totilas-Mitbesitzer Paul Schockemöhle gibt den Samen des lackschwarzen Bewegungskünstlers nur an Besitzer von Stuten ab, die er für gut genug befindet. Im Falle von Horst Huep war das kein Problem, denn die zehnjährige westfälisch gebrannte Rappstute ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Der Florestan-Sohn Fürst Heinrich ist ihr Vater und Roxanne, eine Tochter des Vollblüters Rivellino, Mutter der Staatsprämienstute.

Horst Huep erwarb die bildhübsche Pferdedame, als sie sieben Jahre alt war, da wusste sie bereits einen gekörten Hengst sowie eine prämierte Stute in ihrer Nachkommenschaft.
Doch ihr Totilas-Sohn Topas, der am 4. April dieses Jahres im Bielefelder Norden das Licht der Welt erblickte, schlägt alle Rekorde.

Anrufe von Kanada bis Brasilien

Das Telefon im Hause Huep stand nicht mehr still, als Paul Schockemöhle Mutter und Sohn als Video im Internet vorgestellt hatte. "Das Interesse an unserem Totilas-Fohlen war weltweit riesig", kann Horst Huep noch heute nicht begreifen, dass ihn Anrufe von Kanada bis Brasilien, aus Russland und ganz Europa erreichten. "Hätte ich nur annähernd ahnen können, was der Internetauftritt für ein Interesse nach sich zieht, hätte ich gerne darauf verzichtet", sagt der 63-Jährige.

Ein Kanadier wollte sich sogar spontan in seinen Jet setzen und nach Münster fliegen. "Verkaufen Sie das Fohlen nicht, ich nehme es auf jeden Fall. Über den Preis werden wir uns einig", hatte der Mann aus Übersee vollmundig versprochen.

Doch Horst Huep, ein pensionierter Obergerichtsvollzieher, liebt es ostwestfälisch-redlich. Ihm war letztlich der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Zu guter Letzt entschied er sich dafür, den mittlerweile acht Monate alten Hengst an eine Hengstaufzuchtstation nach Sachsen-Anhalt zu verkaufen. Dass er den Pferdemann veräußern würde, stand bereits bei dessen Geburt fest, "denn", so erzählt Huep, "einen Hengst aufzuziehen, dazu habe ich nicht die Möglichkeit."

Zeitlicher Aufwand zu groß

Paul Schockemöhle hätte den kleinen schicken Rappen, der seinen Vater nicht verleugnen kann, ebenso gerne für seine Auktion gehabt, wie das Westfälische Pferdestammbuch, doch der damit verbundene zeitliche Aufwand war dem Züchter aus Bielefeld zu groß.

Er hatte genug damit zu tun, Leute von seinem Hof fernzuhalten, denn nachdem seine Adresse im Internet aufgetaucht war, pilgerten Totilas-Fans zuhauf in den Bielefelder Norden, um einen Blick auf den kleinen Topas zu werfen. Daraufhin ließ Horst Huep eine Überwachungskamera installieren.

Sieben Pferde stehen in den Huep’schen Ställen, darunter drei Zuchtstuten und ein Pony für Enkeltochter Anna-Lena. Zusammen mit Gattin Marlies und Tochter Melanie betreibt der Hobbylandwirt aus ,,Jürmke"seine Pferdezucht. Anfang der 1970er Jahre erblickte das erste Fohlen auf dem Hof das Licht der Welt. Der Totilas-Sohn Topas ist das Highlight seines züchterischen Wirkens. Lackschwarz, schmeißt er seine Beine im Trab schon wie der Herr Papa. Das lässt auch den Käufer, der sich vertraglich zusichern ließ, nicht genannt zu werden, für die Zukunft hoffen.

Schon sechsstellige Summen erzielt

Obwohl in der Szene über Preise nicht gesprochen wird, dürfte die Kasse in der Vorweihnachtszeit im Hause Huep ordentlich geklingelt haben, denn allein der Deckpreis für den Hengst, den Paul Schockemöhle für rund zehn Millionen Euro erwarb, beträgt 8.000 Euro. Und auf Auktionen haben dessen Nachkommen schon sechsstellige Summen erzielt.

Der Pferdemarkt ist zweifelsohne auf breiter Ebene eingebrochen. Aus diesem Grunde hat Horst Huep auch nur wiederum seine Vorzeigestute decken lassen. Er, der bisher ausschließlich auf Hengste des nordrhein-westfälischen Landgestüts in Warendorf gesetzt hatte, vertraut zum zweiten Male dem privaten Hengsthalter Paul Schockemöhle. Bretton Woods heißt der holländisch gezogene Hengst, von dem Fürstin Romadour tragend ist. Da gesellt sich mithin erneut Dressur- zu Dressurblut, und im Hochpreissegment funktioniert der Pferdemarkt noch immer. Der Topas-Deal spricht für sich.



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