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28.12.2012
Bielefeld
Bielefelder Günter Hild (84) seit zehn Tagen verschwunden
Traurige Festtage für die Familie
VON JENS REICHENBACH

Verzweifelt, aber engagiert | FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Das waren sicherlich die traurigsten Weihnachten für Familie Hild aus Schildesche. Der an Demenz leidende Vater, Großvater und Uropa hat am 18. Dezember die Innere Station des Krankenhauses Gilead I unbemerkt verlassen. Zehn Tage danach bleibt Günter Hild (84) spurlos verschwunden. Die Polizei setzte Such und Fährtenhunde, einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera und zahlreiche Beamte für die Suche nach dem 84-Jährigen ein – bisher vergeblich.

Inzwischen macht die Kripo der Familie nicht mehr viel Hoffnung: "Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft, haben leider keine neuen Ansatzpunkte für die Suche", sagte gestern Polizeisprecher Friedhelm Burchard. Zu lange schon ist der orientierungslose Mann ohne Geld und Medikamente verschwunden. "Wenn er zuwenig getrunken hatte, war er besonders durcheinander", betont sein Sohn Jürgen (55).


Ihr Weihnachtsfest sei dieses Jahr nur wegen des vierjährigen Urenkels nicht ganz ausgefallen. "Der Kleine kann das ja noch gar nicht verstehen." Ihm zuliebe gab es Geschenke und Tannenbaum. Dennoch habe seine Frau nach der Bescherung Baum und Schmuck schon wieder abgebaut. "Für uns gibt es diesmal nichts zu feiern."

500 Zettel mit Foto und Beschreibung verteilt

Trotz schwindender Chancen glauben Erika und Jürgen Hild noch immer an das Unwahrscheinliche: "Man hört ja so viele Geschichten. Wir wollen alles versuchen, bis wir hoffentlich bald Klarheit haben", sagt Ehefrau Erika kämpferisch. Am Tag vor Heiligabend – fünf Tage nach dem Verschwinden des ersten Schützenkaisers in Schildesche (1969 und 1982 war er Schützenkönig) und des ehemaligen Leiters der Oetker-Marketing-Firma Omnia – verteilte seine Familie 500 Zettel mit Foto und Beschreibung des 84-Jährigen an zahlreichen Bushaltestellen, Bahnhöfen, Tankstellen, Bäckereien und Kiosks.

Viele Helfer und Freunde griffen der Familie dabei unter die Arme: "Meine Frau und ich sind Mitglieder der Bielefelder Schützen, 2010 waren wir das Königspaar", berichtet der 55-Jährige. "Uwe Becker, der zweite Vorsitzende, hat uns sofort jede Unterstützung zugesagt. Viele haben uns unterstützt", sagt er dankbar. Auch im Internet ging der Hilferuf um: "Die Tochter meiner Frau hat das Plakat auf Facebook veröffentlicht." Die Nachricht muss sich wie ein Lauffeuer verbreitet haben – sie wurde sogar in Thailand weitergeleitet. "Unsere Plakate hängen auch in der gesamten Stadt – nicht nur in Schildesche", betont Hild.

"Mein Vater lag auf der Demenzstation", berichtet der Sohn von dem spurlosen Verschwinden. Vor zehn Wochen hatten Ärzte nach Herzproblemen seine Verwirrtheit festgestellt und ihn anschließend nach Gilead III verlegt. Auf der geschlossenen Demenzstation lag er fast fünf Wochen. Bis wenige Tage vor seiner Entlassung neue Herzprobleme eine Verlegung nach Gilead I nötig machten. Dort habe man ihm am Montag drei Stents (Implantate, die die Blutbahnen offen halten) gelegt.

"Niemand hat ihn so eingestuft"

Nur einen Tag nach diesem Eingriff verließ der 84-Jährige am Dienstag, 18. Dezember, gegen 10.15 Uhr unbemerkt die Station. Nach Auskunft von Bethel-Sprecher Jens Garlichs sei bei diesem Patienten nicht zu erwarten gewesen, dass er weglaufe. "Niemand hat ihn so eingestuft, sonst wäre er gar nicht auf dieser Station gelandet." Weil man Patientenzimmer in einem offenen Krankenhaus nicht einfach abschließen dürfe, so Garlichs.

Als das Pflegepersonal das Verschwinden bemerkt hätte, seien alle im Haus ausgeschwärmt. Eine Stunde später sei die Polizei alarmiert worden.

Als diese nach der erfolglosen Suche mit Flächenhunden tags darauf mit einem Fährtenhund am Bett des Vermissten die Fährte aufnehmen wollte, war das Bett von Günter Hild bereits fortgeschafft. "Das fand sogar die Hundeführerin pietätlos", so Hild. Trotzdem führte der Polizeihund die Beamten bis zur nahegelegenen Bushaltestelle. Ob es tatsächlich die Spur des Vermissten war, sei deshalb unklar. "Wir hoffen weiter auf ein Wunder – dass irgendjemand meinen Vater so schnell wie möglich findet", betont die ganze Familie.

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