Schrift

30.12.2012
NRW
NRW klagt: Bund zahlt zu wenig für Bahnausbau
Landesverkehrsminister fordert mehr Investitionsmittel
VON MATTHIAS BUNGEROTH

Bielefeld. Bahnexperten haben die Klage von NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, das Land Nordrhein-Westfalen werde bei Infrastrukturmitteln durch den Bund stark benachteiligt, bekräftigt. Groschek hatte die Zuweisungen des Bundes in die Region zwischen Weser und Rhein als "schlechten Witz" bezeichnet.

Info

Die Bahn in NRW

  • Die Deutsche Bahn unterhält in Nordrhein-Westfalen nach eigenen Angaben ein Schienennetz von rund 4.700 Kilometer Länge.
  • Im Land gibt es den Angaben zufolge 699 Bahnhöfe.
  • Bis zum Jahr 2016 sind Investitionen in die Infrastruktur von gut 3,8 Milliarden Euro vorgesehen. Davon entfallen 3,3 Milliarde auf das Schienennetz. (bth)


Laut Groschek hat die Bundesregierung für die Bahn bis 2015 Gesamtinvestitionen von rund 8,6 Milliarden Euro eingeplant. "Gerade mal 167 Millionen davon fließen – oder besser: tröpfeln – nach NRW", beklagte der Minister in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger. Damit entfielen auf NRW nicht einmal zwei Prozent des Gesamtetats. Nach Groscheks Meinung müssten es gut 20 Prozent sein. Dies ergebe sich aus dem Schlüssel, der sonst bei gemeinsamen Finanzierungen der Länder angewendet werde.


Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, hatte diese Forderung umgehend zurückgewiesen. NRW habe "zwar einen Anteil von rund 22 Prozent an der Gesamtbevölkerung, aber nur einen von 14 Prozent am Schienennetz", teilte Bomba mit. Dies bezeichnete Groschek als "Nebelkerze", da NRW auf diesem Schienennetz "überproportional viel Verkehr" abwickele.

Experten stützen die Position Groscheks

Experten der Verbände "Pro Bahn" und "Allianz pro Schiene" stützen die Position Groscheks. Dirk Flege, Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses "Pro Schiene" bezeichnete auf Anfrage die Argumentation Bombas als "wirklich dreist". Die Verkehrsinfrastruktur in NRW "wird sehr stark beansprucht. Die Infrastruktur hält nicht stand." Bundesweit gebe es bei der Finanzierung der Bahninfrastruktur eine "gnadenlose Unterfinanzierung" von 1,5 bis 2 Milliarden Euro pro Jahr.

Dass das Land Nordrhein-Westfalen hierbei besonders schlecht weg komme, ist nach Berechnungen Fleges nicht neu. So hat die "Allianz pro Schiene" ausgerechnet, das NRW bei der Zuweisung der Investitionsmittel durch den Bund in den Jahren 1991 bis 2005 im Ländervergleich an drittletzter Stelle steht. Nach einer Statistik des Verkehrsbündnisses, das dieser Zeitung exklusiv vorliegt, entfielen statistisch 19,23 Millionen Euro Investitionsmittel in diesem Zeitraum auf jeden Einwohner des Bundeslandes. Die Spitze dieser Statistik führt Sachsen-Anhalt an, wo 142,38 Millionen Euro pro Kopf ausgegeben wurden. Der Bundesdurchschnitt lag danach bei 44,22 Millionen Euro pro Einwohner.

"Der Minister Groschek hat völlig recht. NRW kommt katastrophal schlecht weg", bestätigt auch Matthias Oomen, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes "Pro Bahn". Allerdings, fügt Oomen an, habe die NRW-SPD "in der Vergangenheit auch wenig dafür getan, dass es anders kommt". Großprojekte wie Stuttgart 21 oder der Bundesverkehrswegeplan seien von der SPD mit aufgestellt worden, so Oomen. Deshalb bezeichnet der "Pro Bahn"-Chef die Situation auch als "hausgemacht".

Oomen plädiert deshalb dafür, "dass sich Groschek dafür einsetzt, dass das eine oder andere Großprojekt überdacht wird". Das RRX-Konzept für NRW, das beschleunigte Regionalzüge mit sechs Linien für das einwohnerstärkste Bundesland bis 2020 vorsieht, begrüßte Oomen. Plane man Stuttgart 21 konservativ, lasse sich der RRX "mehrfach finanzieren". Der RRX soll rund zwei Milliarden Euro kosten.

Kommentare
Hallo, NW? Ist jemand da draussen?

Könnte ein Mitarbeiter der NW mal zu den angezweifelten astronomischen Millionenangaben Stellung nehmen und die exakte Quelle nennen bzw. veröffentlichen, damit der Leser nachrechnen kann?

Halloooo, NW! Wie ist das jetzt mit den Millionenzahlen pro Kopf, stimmt das? Wie geht das?

@Schabe
Super Argumentation... erst behaupten, es sei ein Staatsbetrieb, und dann von Aktien schreiben?! Egal wer die Aktien hält, es bleibt dann trotzem eine AG, oder? Oder ist VW auch ein Staatsbetrieb, weil das Land Niedersachsen 55% der Aktien hält????

Hallo Moppelkotze,
die Bahn ist ein Staatsbetriieb.
97 % der Aktien gehören der Bundesrepublik Deutschland.
Die Privatisierung war nur ein buchhalterischer Trick .

Tendenz"experten", die sind so neutral wie der ADAC in Autofragen.



 Seite 1 von 2
weiter >
  >>



Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren
Bielefeld
Heute startet die 10. jobmesse bielefeld
Auf Tuchfühlung mit potenziellen Arbeitgebern gehen und im Gespräch die eigene Persönlichkeit vermarkten – das können Besucher am Samstag und Sonntag an den mehr als 70 Ständen der jobmesse bielefeld. mehr



OWL / NRW: Meistgeklickt heute vor ...

Anzeige

Anzeige
Fotos aus OWL
DSC Arminia Bielefeld schlägt den FC Rot-Weiß Erfurt 3:0
DSC Arminia Bielefeld schlägt den FC Rot-Weiß Erfurt 3:0
Die Platzhirsche bei den Großtraktoren
Die Platzhirsche bei den Großtraktoren
Sensation: Regionalligist SC Wiedenbrück besiegt Spitzenreiter Vik. Köln 3:2
Sensation: Regionalligist SC Wiedenbrück besiegt Spitzenreiter Vik. Köln 3:2
Erwin Pelzig im Stadttheater
Erwin Pelzig im Stadttheater
Radfahrer bei Unfall verletzt
Radfahrer bei Unfall verletzt
Handyausstellung Promi-Alarm im HNF
Handyausstellung Promi-Alarm im HNF


Anzeige
Videos
Anzeige
Anzeige

Erwins Date

Auf der Suche nach einem Partner?

Finden Sie Ihren Partner in drei Schritten!

Regionale Wirtschaft
Gütersloh: Kleine Bäckereien verschwinden in OWL
"Wir müssen dem Märchen ein Ende machen, dass die Großbäckereien die kleinen Betriebe verdrängen." So verteidigte sich Ulrike Detmers... mehr

Berlin: Falsche Erwartungen an Ökostrom
Hundert Prozent Ökostrom - wer sich als Verbraucher für einen Stromtarif mit diesem Label entscheidet... mehr

Espelkamp: Harting erweitert Kapazität in Espelkamp
Eine Summe im unteren einstelligen Millionenbereich investiert die Technologie Gruppe Harting am Stammsitz in Espelkamp. Auf einer Grundfläche von 2... mehr

Bielefeld: Ohoven fordert Risikokapital-Förderung
Vom IT-Gipfel in Berlin zum "Forum Führung" nach Bielefeld: Mit Forderungen an Politiker und Appellen an Unternehmer kam der Präsident des... mehr

Essen/Paderborn: Karstadt schließt Paderborner Schnäppchenmarkt
Der angeschlagene Warenhauskonzern Karstadt schließt sechs Häuser  - darunter ist auch der Schnäppchenmarkt in Paderborn.... mehr


Kultur
Herford: Marta Herford widmet neue Ausstellung den Brüdern Rasch
Tief in die Geschichte der Moderne taucht das Marta mit seiner neuen Ausstellung. Der Nachlass zweier unbekannter Architekten aus den späten 20er... mehr

Bielefeld: Ein Priester gegen den Rest der Welt
Priester James Lavelle ist kein Heiliger. Zu seiner Berufung fand er nach dem Tod seiner Frau. Seine psychisch labile Tochter wirft ihm vor... mehr

Bielefeld: Klaus Doldinger im Interview
Jazzmusiker Klaus Doldinger kennen viele auch durch seine Musik für diverse Fernsehserien. Mit "Symphonic Project" geht er in OWL auf Tour. Vorab... mehr

Schwalenberg: Internationale Autorentage in Schwalenberg
Schwalenberg. Der schottische Dichter John Burnside ist eine treibende Kraft, wenn es um Ökologie geht und die Einbettung des Themas in einen Diskurs... mehr

Halle: Garretts "Classic Revolution" elektrisiert im Gerry-Weber-Stadion
Kann die klassische Musik tatsächlich nur durch ständige Umbrüche und "moderne" Auffassungen ihren über Jahrhunderte gehaltenen Erfolg bestätigen?... mehr


Anzeige
Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik