Schrift

30.12.2012
Serie "Olympische Momente"
Beachvolleyballer Brink und Reckermann baggern Gold
Endlich wieder Sand statt Sofa
VON LARS MÜLLER-APPENZELLER

Sieg: | FOTO: DPA

Münster. Das Sandmännchen liegt längst schon in der Heia, jetzt fesseln die Sandmänner die Nation an den Fernseher. 9,2 Millionen Deutsche verfolgen das historische Sandkastenspiel von London. Es ist 23 Uhr deutscher Zeit, Julius Brink und Jonas Reckermann sind drauf und dran, auf der Horse Guards Parade den olympischen Goldschatz zu heben.

Dreimal hat das deutsche Duo Matchball gegen die favorisierten Strandjungs aus Brasilien Alison Cerutti und Emanuel Rego. Das Schicksal scheint nun doch Muffensausen zu bekommen – Gold für Brink/Reckermann? Das wäre dann doch zu tolldreist, sie wären ja die ersten Europäer mit olympischem Beachgold.

Das Schicksal gibt sich beim vierten Matchball um 23.02 Uhr einen Ruck: Regos Ball wird vom Schiedsrichter aus gegeben. Julius Brink, 30 Jahre, Sportsoldat und Jonas Reckermann, 33 Jahre, Student, toben wie kleine Kinder im Sand. Tatsächlich, sie haben sich die "Kronjuwelen" geschnappt, wie sie es tagelang gesagt haben.

Gummipuppen als Maskottchen

Es ist aus deutscher Sicht die größte Sensation der Olympischen Spiele von London – und die lustigste Pressekonferenz. Es geht unter anderem um ihre Maskottchen: Gummipuppen. Wo Brink/Reckermann sind, da ist die Leichtigkeit – und die Schlüpfrigkeit.

Mitte Dezember, die Freude hat sich etwas gesetzt. Brink/Reckermann haben bei der Wahl zum Sportler des Jahres in Baden-Baden gerade einen schlagfertig-schlüpfrigen Dialog mit den ZDF-Moderatoren Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne geliefert. Sie machen sich deshalb keinen Kopf. "Ach, wir stehen da drüber", sagt Reckermann, der Zweimeter-Recke. "Wir sind froh, nicht mehr wie früher dauernd Fragen beantworten zu müssen, wie lange die Bikinis bei den Beachvolleyball-Frauen sein sollen. Bei launigen Fragen geben wir halt gerne launige Antworten."

Dazu hatte das Zwei-Mann-Team in den vergangenen Monaten reichlich Gelegenheit. Sie wurden in Talkshows und bei Ehrungen herumgereicht, wurden unter anderem mit dem Bambi in der Kategorie Sport geehrt und, das Beste zum (Jahres-)Schluss, mit Platz zwei in Baden-Baden. Sie genossen es. "Das war zum Teil schon eine Präsenz, die mit dem Sport wenig zu tun hat", sagt Julius Brink. Jonas Reckermann ergänzt: "Aber wir wollten den Erfolg so mit rüber in den Winter ziehen." Da sind die Beacher normal kein Thema, da trainieren sie nur. Das Training, das normale Leben, hat für Brink/Reckermann Anfang Dezember wieder angefangen.

Sand statt Sofa

Seither "sind wir wieder im Sand", wie es der 186 Zentimeter große Brink ausdrückt. Sand statt Sofa. Soda statt Sekt. Schweinehund statt Scheinwerfer. "Das war jetzt alles sehr, sehr schön. Das war das süße Leben", sagt Brink. "Da vergisst man nur ganz gerne, dass man einen tagtäglichen harten Kampf gegen sich selber auszutragen hat. Gut, dass wir den Schalter jetzt wieder umgelegt haben."

Brink/Reckermann haben nach London einen Schnitt gemacht. Haben sich nach Jahren von Trainer Jürgen Wagner getrennt – der gebürtige Bielefelder Stefan Hübner soll nun neue Impulse setzen. Reckermann hat sich an der Schulter operieren lassen. Brink hat geheiratet. Reckermann ist Vater geworden. "Das Leben geht weiter", sagt der angehende Gymnasiallehrer, der Anfang Februar endlich das erste Staatsexamen in Geographie machen will.

Und natürlich machen sie zusammen weiter. Brink: "Es gibt wesentlich schlimmere Trainingsbedingungen für andere Sportler. Da überlegt man sich schon zehn Mal, ob man aufhört. Es gibt noch so vieles, was wir noch nicht in unser Spiel integrieren konnten." Und natürlich wissen sie noch nicht, ob ihr Gold den Beachsport in Deutschland nachhaltig verändert hat. "Das wird sich erst im nächsten Sommer zeigen", sagt Reckermann.

Apropos zeigen. Das Thema Gummipuppen mit Fan-Utensilien ist noch nicht durch. "Uns ist das nicht peinlich, uns ist das egal", sagt Reckermann. Falls von den Medien gewünscht, "können wir irgendwann die Bilder zeigen". Sie gehören zur goldenen Geschichte der zwei Sandmänner von London.



Anzeige
Weitere Nachrichten aus OWL
Bielefeld
Campino verliert Fingerkuppe
Böser Unfall nach dem Konzert der "Toten Hosen" in der Seidensticker-Halle: Campino, Sänger der Düsseldorfer Punkrock-Band, hat sich am vergangenen Dienstag nach dem ersten von zwei Konzerten in Bielefeld die Fingerkuppe des rechten Mittelfingers abgerissen. mehr

Bielefeld
Schwerer Lkw-Unfall auf A44 bei Lichtenau
Ein schwerer Unfall mit hohem Sachschaden ereignete sich am späten Mittwochabend auf der A44 Richtung Dortmund hinter der Anschlussstelle Marsberg-Lichtenau. mehr

Westfalen
Das schiefe Bild von Westfalen
Beschaulich, aber hinterwäldlerisch. So könnte das Urteil lauten, wenn man sich in Schulbüchern über Westfalen informiert - falls man überhaupt etwas findet. Denn der Landesteil wird im Unterrichtsmaterial für NRW-Schulen gegenüber dem Rheinland vernachlässigt und verzerrt dargestellt. mehr

Bielefeld
Bielefelder Professor vom Stasi-Verdacht befreit
16 Jahre hat es gedauert. 1997 hatte das Land Nordrhein-Westfalen den Bielefelder Universitätsprofessor Dieter Kemper (Name geändert) aus dem Staatsdienst geworfen. Der ungewöhnliche Kündigungsgrund: Der Wissenschaftler habe sich als Stasi-Agent an der Universität eingeschlichen. mehr



OWL / NRW: Meistgeklickt heute vor ...

Anzeige
Fotos aus OWL
Löhne: Schwerer Unfall auf der B61
Löhne: Schwerer Unfall auf der B61
Löhne: Ghana-Tag am Städtischen Gymnasium
Löhne: Ghana-Tag am Städtischen Gymnasium
Herford: Visionen - Neue Ausstellung im Marta
Herford: Visionen - Neue Ausstellung im Marta
Bielefeld: Brand am Oberntorwall
Bielefeld: Brand am Oberntorwall
Schloß Holte-Stukenbrock: SEK-Einsatz am Holter Kirchplatz
Schloß Holte-Stukenbrock: SEK-Einsatz am Holter Kirchplatz
Bad Oeynhausen: ADAC Verkehrserziehung an der Gesamtschule
Bad Oeynhausen: ADAC Verkehrserziehung an der Gesamtschule



Anzeigen

Videos
Regionale Wirtschaft
Bielefeld: Rhabarber aus der Region
Bielefeld. Bio boomt, aber bei Zulieferern und im Handel hapert es. Helfen soll das vom NRW-Landwirtschaftsministerium geförderte Pilotprojekt ... mehr

Kreis Herford verweigert sich
Bielefeld. Wir befinden uns im Jahr 2013. Ganz NRW will ein neues Übergangssystem zwischen Schule und Beruf. Ganz NRW? Nein! Ein kleiner Kreis im... mehr

Teutoburger Sperrholz: IG Metall lenkt ein
Detmold (sch). Die Gewerkschaft IG Metall schwenkt bei der Rettung der Teutoburger Sperrholz auf Kompromisskurs ein. Man sei bereit... mehr

Ärger auf Hauptversammlung der Bielefelder Itelligence AG
Bielefeld (fr). Bei der Hauptversammlung der Bielefelder Itelligence AG gibt es Ärger. Obwohl der SAP-Dienstleister ein Ergebnis von 44 Cent pro Aktie... mehr

Lizenz zum Zapfen
Bielefeld. Ein gehässiges Sprichwort sagt: "Wer nichts wird, wird Wirt." Doch nicht jeder, der Wirt wird... mehr


Kultur
Löhne: Katalog zu Witthaus’ Bohrloch erschienen
Löhne (ram). Im Juni stellt Rasenkünstler Ralf Witthaus im Marta in Herford aus. Zu sehen ist sein Projekt "Bohrloch nach Neuseeland"... mehr

Murat Kurnaz über den Film "5 Jahre Leben" und seine Haft in Guantánamo
Bremen. Der türkischstämmige Bremer Murat Kurnaz war 19 Jahre alt, als er im Dezember 2001 in Pakistan festgenommen wurde. Es folgten fünf Jahre der... mehr

Bejubelte Premiere des Musicals "City of Angels" am Bielefelder Theater
Bielefeld. Eine Femme fatale rauscht ins schäbige Büro von Privatdetektiv Stone. Er soll ihre verschwundene Stieftochter finden. Dass die in... mehr

50.000 Euro für die NWD gesammelt
Herford (nw). Ein Jahr nach seiner Gründung hat der Förderverein für die Gemeinschaftsstiftung der Nordwestdeutschen Philharmonie fast 400 Mitglieder.... mehr

Paderborn im Trommelfieber
Paderborn. Schlagzeuger sind anders. "Nimm zwei Lead-Gitarristen und du hast ein Ego-Problem. Nimm vier Schlagzeuger und du hast vier Kumpels"... mehr





Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format