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29.01.2013
Minden
Tierheimleiterin verklagt den Kreis Minden-Lübbecke
Yvonne Henke sieht sich mit dubiosen Hundehändlern verglichen
VON HUBERTUS GÄRTNER

Hat eine neue Familie gefunden | FOTO: PFLEGESTELLE

Minden. Balu, das "sensible Colliejunge", sehnt sich nach Liebe und Streicheleinheiten. Hannah, das "aufgeweckte Hundebaby", sucht Fürsorge und Erziehung in einer lieben Familie. So oder ähnlich lauten die Texte zahlreicher Anzeigen auf der Internetseite des Tierschutzhofes "Collie und Co", der in der Nähe von Rahden (Kreis Minden-Lübbecke) seinen Sitz hat.

"Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, einen Zufluchtsort für Hunde zu schaffen, die anderswo nicht mehr erwünscht sind", sagt Yvonne Henke, Leiterin der Einrichtung, die mit dem Zusatz "das etwas andere Tierheim" Werbung betreibt. Auch aus dem Ausland nehme man gelegentlich Vierbeiner auf, schließlich haben wir "Partnervereine in Griechenland und Bulgarien", sagt Henke.


Sie fühlt sich in diesem Zusammenhang von den hiesigen Behörden jedoch ungerecht behandelt. Der Kreis Minden Lübbecke hat ihr das "gewerbsmäßige Handeln und Vermitteln von Hunden" verboten. Dagegen geht die Vereinsvorsitzende gerichtlich vor. Sie hat, wie ein Sprecher des Verwaltungsgerichts in Minden bestätigt, dort Klage gegen den Kreis erhoben.

Während von der Behörde auf Anfrage wegen des laufenden Verfahrens keine Stellungnahme zu erhalten war, nahm Henke kein Blatt vor den Mund: "Wir lassen uns doch nicht mit dubiosen Hundehändlern auf eine Stufe stellen", sagt sie hellauf empört. Auch ihr Anwalt, Lars-Jürgen Weidemann aus Mülheim an der Ruhr, ist überzeugt davon, dass seine Mandantin nicht gewerbsmäßig handelt und auf Gewinnerzielung aus ist.

Sicher vermittele ihr Tierheim gelegentlich Hunde an neue Besitzer. Und wenn diese im Gegenzug eine Spende leisten, dann werde das Geld zur Deckung der Tierheimkosten von etwa 3.000 Euro im Monat verwendet, beteuert Henke. "Wir sind gemeinnützig und haben gerade eine Prüfung des Finanzamts hinter uns", sagt sie.
Anwalt Weidemann erläutert, dass sich bundesweit etliche Hundepflegestellen derzeit gerichtlich wehren, weil die Veterinärbehörden eine härtere Gangart eingelegt hätten.

"Das ist eine ganz heiße Kiste", sagt der Anwalt. Veterinärmediziner aus OWL, die namentlich nicht genannt werden wollen, bestätigen dies. Man wolle vor allem den illegalen Handel mit Hunden aus dem Ausland eindämmen, sagen sie. Mit Hunden aus Deutschland, die von ihren Besitzern abgegeben wurden und dann in Tierheimen ausharren, gebe "es schon genug Probleme", sagt ein Veterinär.
"Hundeleid kennt keine Grenzen", hält Henke dagegen. "Kalgo, "Kimbra", "Bremo" und "Bono" "warten noch in Bulgarien" heißt es auf ihrer Internetseite. Wie viele Hunde sie 2012 vermittelt hat? "Weniger als hundert" seien es auf jeden Fall gewesen.

Kommentare
Zur allgemeinen Information für alle Zweifler:Heute war die Verhandlung über die hier gesprochen wurde und die Verfügung des Kreises Minden Lübbecke gegen die SOS-Colliehilfe wurde aufgehoben!!! Der Verein darf offiziell wieder weiter vermitteln!!

Es handelt sich nicht um den ersten Fall, dass eine Frau systematisch negativ stigmatisiert wird. Öffentlich ist das ebenfalls mit der ehemaligen Tierheimleiterin Ahle passiert und auch mit einer Tafelleiterin in Bielefeld. Jeweils ist es soweit gekommen, dass die Staatsanwaltschaften ermitteln mußten. Und dann löste sich alles in Luft auf.

Ic(...)

Vielleicht beginnen sich danach hier in der Region Lebensumstände für Frauen zu ändern.

Derzeit erleben nicht wenige Frauen hier in der Provinz, sobald sie irgendwie aktiv werden oder aus der Reihe tanzen, eine Hexenjagd. Das wirkt sich bei allen erheblich gesundheitsbelastend aus. Das ist tiefstes Mittelalter, das zu überwinden ist. Zudem ist es niederträchtig!

@Klaus
Vermutlich hat Frau Henke nur die Möglichkeit, in Deutschland an ihrem Wohnort Engagement zu zeigen.

@alle: Man könnte sich ja tatsächlich mit vielen regionalen Geschäftsmodellen, die weitaus größere Dimensionen haben und tatsächlich auf fragwürdige Art und Weise helfen, Steuern zu sparen, beschäftigen. Oft geht es um Millionen von EURO. Meistens werden solche Geschäfte von Männern in schönen Anzügen und Kravatten betrieben. Das scheint niemanden zu interessieren. Im Gegenteil, bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten werden die öffentlich gewürdigt.

Aber immer, wenn eine Frau . wenn auch in weitaus kleineren Größenordnungen, diese anerkannten Modelle anwendet (es gibt übrigens auch keine anderen), dann ist sie dran und wird öffentlich durch´s Dorf getrieben.

Jede ihrer weiteren Reaktionen wird ihr zum Nachteil ausgelegt.

Als neutraler Beobachter und als "Outsider" habe ich mal eine bescheidene Frage. Warum wird hier immer von Colliehilfe gesprochen, obwohl es sich um einen Handel mit Hunden aller Art handelt, die im Ausland für nichts geholt werden, um sie hier für Geld unter dem Deckmantel des Tierschutzes zu verkaufen? Wenn jemand angeblich so tierlieb ist, warum geht er/sie dann nicht dort hin, wo Hilfe am Nötigsten gebraucht wird?

Soweit mir bekannt ist, wird nicht mal mit Pferdezuchten Geld verdient. Viele Menschen versuchen, für Tierzucht (Hunde, Katzen, Pferde) ein Gewerbe anzumelden und dann die Verluste mit anderen Einkommensarten zu verrechnen, um Steuern zu sparen.

Die Finanzämter versuchen dann das zum Hobby bzw. Liebhaberei zu erklären. Erst dann sind die Verluste nicht mehr verrechenbar.

Steuern werden hier nicht gespart. Eher gilt das Gegenteil. Es werden keine Verluste bei der Steuer in Abzug gebracht.



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