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26.03.2013
Bielefeld
Bielefelds Fahrradbeauftragter Oliver Spree erklärt die größten Irrtümer rund ums Radeln
Diese Regeln gelten auf Straßen und Radwegen
VON SANDRA SPIEKER

Experte | FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Mit dem Hund an der Leine Rad fahren und dabei Musik hören? Ist das eigentlich erlaubt? Über viele Dinge, die man mit oder auf dem Rad tun kann, herrscht Unsicherheit. Wir haben zum Start der Fahrradsaison den Bielefelder Fahrradbeauftragten Oliver Spree befragt, der mit Unterstützung der Polizei Rechtsirrtümer aufklärt - und sagt, welche Strafen drohen.

1. Mit dem Hund an der Leine Rad fahren ist verboten.
Falsch. Von Fahrrädern aus dürfen aber nur Hunde geführt werden. Natürlich sollte der Hund das Führen vom Fahrrad aus gewohnt und berechenbar sein.


2. Kopfhörer auf dem Rad sind tabu.
Richtig. Der Fahrzeugführer ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden. Es ist wichtig, dass Radfahrer ihr Umfeld stets auch akustisch wahrnehmen, damit sie die Annäherung anderer Verkehrsteilnehmer, Signale, Hupen, Zurufe oder Einsatzfahrzeuge frühzeitig registrieren und sich in ihrem Verkehrsverhalten darauf einstellen können. Bei Nichtbeachtung wird ein Verwarngeld von 10 Euro erhoben.

3. Betrunken Rad fahren kostet den Führerschein.
Richtig. Wenn jemand mit 1,6 Promille oder mehr Rad fährt, verlangt die Straßenverkehrsbehörde eine medizinisch-psychologische Untersuchung und kann je nach Ergebnis die Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge entziehen.

4. Fahrradfahrer müssen auf dem Radweg fahren, wenn es einen gibt.
Falsch. Radfahrer müssen den Radweg nur benutzen, wenn eine entsprechende Beschilderung (blaues Schild mit weißem Rad) dies vorschreibt. Fehlt eine solche Beschilderung, kann der Radfahrer den Radweg benutzen, muss es aber nicht.

5. Radfahrer dürfen nicht nebeneinander fahren.
Richtig und falsch. In als Fahrradstraßen ausgeschilderten Straßen ist das Nebeneinanderfahren ausdrücklich, in allen übrigen Straßen ist es eingeschränkt (der Verkehr darf nicht behindert werden) erlaubt.

6. Radler haben Mitschuld an einem Unfall, wenn sie keinen Helm tragen.
Falsch. Das Nichttragen eines Helms bedingt keine Teilschuld an einem Unfall. Das Tragen eines Helmes ist immer noch freiwillig.

7. Es ist egal, ob ich ein batteriebetriebenes Aufstecklicht oder einen fest installierten Dynamo habe.
Falsch. Grundsätzlich müssen alle Fahrräder mit einem Dynamo ausgestattet sein, der Scheinwerfer und Schlussleuchte betreibt. Batteriebetriebene Beleuchtung darf nur zusätzlich an einem Fahrrad angebracht werden. Ausnahme: An Rennrädern, deren Gewicht nicht mehr als 11 Kilogramm beträgt, ist eine batteriebetriebene Beleuchtung allein ausreichend. Sie ist stets betriebsbereit mitzuführen.

8. Beim Überqueren eines Zebrastreifens haben Radfahrer die gleichen Rechte wie Fußgänger.
Falsch. Die Vorrangstellung gilt nur für Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Fahrer von Krankenfahrstühlen. Auch Fußgänger, die ein Fahrrad schieben, haben Vorrang. Radfahrer haben keinerlei Vorrang zum Überqueren der Fahrbahn. Wer bei Nutzung des Fußgängerüberwegs auf dem Fahrrad sitzt, hat keinen Vorrang. Radfahrer brauchen jedoch auch nicht abzusteigen, sondern können in Schrittgeschwindigkeit die Fahrbahn queren. Das Bußgeld bei Missachtung ist gestaffelt: 40 Euro; bei Gefährdung anderer 50 Euro; mit Unfallfolge 60 Euro€
9. Telefonieren beim Radfahren ist erlaubt.
Falsch. Telefonieren beim Radfahren ist nicht erlaubt und kostet 25 Euro.

10. Eine Einbahnstraßen-Regelung gilt für Radfahrer nicht.
Falsch. Grundsätzlich gilt eine Einbahnstraßenregelung auch für Radfahrer. Nur in durch Beschilderung "Radfahrer frei" für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegebenen Einbahnstraßen dürfen Radfahrer in beide Richtungen fahren. Das Bußgeld bei Missachtung ist auch hier gestaffelt: 10 Euro; bei Behinderung anderer 20 Euro; bei Gefährdung anderer 25 Euro; mit Unfallfolge 30 Euro€
11. Radwege können in beide Richtungen befahren werden.
Falsch. Radwege sind in Fahrtrichtung des angrenzenden Fahrstreifens für Kraftfahrzeuge zu benutzen. Ausnahme: Eine Beschilderung (weißes Fahrrad auf blauem Grund oder "Radfahrer frei") oder eine entsprechende Markierung auf dem Radweg lassen eine Befahrung in Gegenrichtung zu.


Änderungen ab 1. April

  • Für Fahrradfahrer gelten mit den Neuregelungen der Straßenverkehrsordnung ab 1. April neue Regeln.
  • Die Nutzung der Radwege auf der linken Straßenseite ist Radfahrern künftig nur noch erlaubt, wenn sie durch Schilder ausdrücklich erlaubt ist.
  • Künftig müssen Radfahrer auch die Ampeln beachten, außer es gibt spezielle Lichtzeichen für Radfahrer.
  • Radler, die nicht auf dem Radweg fahren oder ihn in falscher Richtung befahren, müssen mit einem Bußgeld von 20 (bisher 15) Euro rechnen.
  • Wer ohne Licht mit dem Rad unterwegs ist, muss künftig 20 Euro zahlen.
  • Radfahrer, die falsch in eine Einbahnstraße einfahren, müssen mit einem Bußgeld von bis zu 35 Euro rechnen.
  • Radler, die in der Fußgängerzone nicht absteigen, zahlen zwischen 15 und 30 Euro.

Kommentare
grüßt die strahlende Morgensonne - kann es sein das da konzeptionell abgekupfert wird?
Wie wäre es mit einem Kürzel im Anhang FVH oder SB - finde ich korrekter...
ich möchte Missverständnisse vermeiden.

Ich schere mich beim Radfahren eher weniger um die Verkehrsregeln und bin noch nie verwarnt worden. Die Polizei ist personell gar nicht in der Lage, jeden zu überwachen(siehe telefonieren im Auto), egal wie hoch das Bußgeld ist!

Aus welchem Grund sind eigentlich Autobahnen und Kraftfahrstraßen für Radfahrer und Fussgänger gesperrt. Es brauchen sich doch nur alle an die Regeln halten, Fahrradweg und Bürgersteig können hier prima integriert werden. Wenn das jedoch nicht funktionieren soll, frage ich mich, wie jemand auf die Idee kommen kann, dass woanders und ausgerechnet in fahrradfreundlich ausgewiesenen Städten kombinierte Rad/Fusswege funktionieren könnten. Auf Autobahnen könnten gerade Fussgänger schnell die Regeln lernen.

@ Sabine Buntrock
Was Sie da schildern, kann mal vorkommen, ist aber nicht die Regel, sondern eher selten. Wo steht eigentlich geschrieben, dass immer nur für Radfahrer Platz gemacht werden muss? Wenn es wirklich mal eng wird, kann man doch auch einem Radfahrer zumuten, kurz abzusteigen und Fußgängern Platz zu machen. Miteinander ist viel besser als gegeneinander, schönen Tag noch.

Aufklärung über Selbstverständlichkeiten? Hier kann ich nur auf § 1 der StVO verweisen:

Abs. 1
Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

Abs. 2
Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Wenn sich alle Verkehrsteilnehmer diese Grundregeln mal wieder zu Herzen nehmen würden, wäre der mittlerweile auf den Straßen herrschende Konflikt insbesondere Rad vs. Auto (s. auch Pressemitteilung der Polizei) schnell beigelegt.
Noch eine Bemerkung am Rande:
So schlecht kann die Stadt Bielefeld finanziell noch nicht dastehen, wenn sie sich einen Fahrradbeauftragten leisten kann...



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