Schrift

27.03.2013
Bielefeld
Stalker terrorisiert Exfreundin aus Bielefeld
OLG Hamm sieht Anlass für 720 Tage Ordnungshaft
VON HUBERTUS GÄRTNER

Todesdrohungen per SMS | FOTO: SANDRA SANCHEZ

Bielefeld. Weil ein Mann über Monate hinweg ein gerichtlich verfügtes Kontaktverbot ignoriert und eine Bielefelderin in massivster Form weiter drangsaliert hat, muss er nun fast zwei Jahre im Gefängnis zubringen. Das Oberlandesgericht Hamm (OLG) bestätigte die Anordnung von 720 Tagen Ordnungshaft.

Info

Ordnungshaft

  • Ordnungshaft ist keine im Strafverfahren verhängte Gefängnisstrafe, sondern eine gerichtlich verhängte Disziplinarmaßnahme.
  • Verhängt werden kann Ordnungshaft etwa bei ungebührlichem Verhalten in einem Prozess oder wenn gegen eine gerichtliche Anordnung verstoßen wurde.
  • Ordnungshaft ist auch als Ersatzhaft möglich, wenn ein Ordnungsgeld nicht eingetrieben werden kann.
     

Auf den Täter, der nach Angaben der Behörden die Ordnungshaft bereits verbüßt, warten auch noch strafrechtliche Verfahren und Sanktionen. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft habe Boris N. (Name geändert) wegen Stalkings, Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz, versuchter Nötigung und weiteren Delikten angeklagt, bestätigte Christoph Mackel, Sprecher der Behörde, auf Anfrage.

Ursprünglich war die Hauptverhandlung im Strafverfahren für Mittwoch terminiert. Weil allerdings noch weitere strafrechtlich relevante Vorwürfe hinzugekommen sind, wurde sie auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Auch nach Mackels Einschätzung handelt es sich um einen erschreckenden und außergewöhnlichen Fall.

Mehrere hundert Anrufversuche in wenigen Tagen

Boris N. (36) ist ein EDV-Kaufmann, der aus Seelze bei Hannover stammt. Er war eine Weile mit seinem Opfer, einer 44 Jahre alten Frau aus Bielefeld, liiert. Nachdem die kaufmännische Angestellte die Beziehung zu dem Mann im Januar 2012 beendet hatte, begann der Telefonterror. Immer wieder versuchte N. die Frau zu kontaktieren.

Manchmal gab es mehrere hundert Anrufversuche in wenigen Tagen, dazu E-Mails und SMS, in denen sogar mit dem Tod gedroht wurde. Am 6. Juni 2012 traf das Bielefelder Amtsgericht (Familiengericht) schließlich eine Anordnung gegen Boris N., wonach dieser mit seinem Opfer nicht mehr telefonisch in Kontakt treten und sich auch dessen Wohnung und Arbeitsstelle nicht mehr nähern durfte.

Doch dieses Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz wurde ignoriert. N. traktierte die Frau weiter mit zahlreichen E-Mails und Drohanrufen. Weil er wusste, dass sie große Angst vor Spinnen hatte, legte er ihr eine lebende Vogelspinne in den Briefkasten. Das Tier war als vermeintliches Geschenk an ihren Sohn in ein kleines Plastikkästchen gesteckt und mit Geschenkpapier umwickelt worden. Mittlerweile waren im Büro und in der Wohnung des Opfers Fangschaltungen gelegt worden.

Auch nach mehrfachen Mahnungen der Polizei ließ der Mann nicht ab

Obwohl die Polizei ihn mehrfach ermahnte, stellte der Mann seinem Opfer immer weiter nach. Auch als das Amtsgericht Bielefeld am 7. September 90 Tage Ordnungshaft wegen des "gnadenlosen Psychoterrors" verhängte, ging dieser unvermindert weiter. Weil von Ende August bis November 2012 weitere 450 Telefonanrufe bei der Frau registriert wurden, verhängte das Bielefelder Amtsgericht am 16. Januar dieses Jahres weitere 630 Tage Ordnungshaft.

Dagegen legte Boris N. zwar sofortige Beschwerde beim OLG Hamm ein. Doch beim 1. Familiensenat hatte er damit keinen Erfolg. Das Opfer leide sehr unter den ständigen Verstößen und müsse enorme Ängste aushalten, weil sich N. durch die bisherigen Maßnahmen "nicht habe beeindrucken lassen", so das OLG. Auch der Senat halte es daher "für geboten, den möglichen Rahmen der Ordnungshaft von bis zu zwei Jahren nahezu gänzlich auszuschöpfen", sagte OLG-Sprecher Christian Nubbemeyer. Auch das Zivilrecht sei "keineswegs zahnlos".

Die Tatsache, dass gegen Boris N. nun bereits knapp zwei Jahre Ordnungshaft verhängt wurden, tangiere das noch anhängigen Strafverfahren nicht, sagte der Bielefelder Staatsanwalt Christoph Mackel. Insbesondere sei damit kein sogenannter Strafklageverbrauch gegeben, wonach jemand nicht zweimal wegen derselben Tat vor Gericht gestellt werden darf.



Anzeige
Weitere Nachrichten aus OWL
Bielefeld
Bielefeld: Toter immer noch nicht identifiziert
Bielefeld (nw). Am Freitag, 11.Juni, wurde ein Mann gegen 00.27 Uhr im Bahnhof des Bielefelder Ortsteils Brake von einem durchfahrenden ICE erfasst und tödlich verletzt... mehr

Düsseldorf
Schützenwesen und Lügder Osterräderlauf offiziell als Kulturerbe des Landes anerkannt
Jetzt haben es die Schützen schriftlich: Ihr traditionelles Brauchtum gehört zum Kulturerbe des Landes NRW. Kulturministerin Ute Schäfer überreichte in Düsseldorf die Urkunde. mehr

Büren/Düsseldorf
Abschiebehaft: Mahnwache in Büren geplant
Flüchtlingsaktivisten werfen NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) vor, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Abschiebehaft umgehen zu wollen. mehr

Bad Salzuflen
Lkw brannte auf Rastanlage "Lipperland Nord" an der A 2
Eine brennende Hinterachse bemerkte ein Autofahrer auf der A 2 zwischen den Anschluss-Stellen Herford/Bad Salzuflen und Ostwestfalen-Lippe am Montagabend. Er warnte den Lastwagenfahrer, der sofort auf die Rastanlage "Lipperland-Nord" abbog. mehr



OWL / NRW: Meistgeklickt heute vor ...

Anzeige

Anzeige
Anzeige

Anzeige
Fotos aus OWL
Schützenfest in Schmechten
Schützenfest in Schmechten
Achenkirch: Der SC Paderborn ist am Achensee in Österreich angekommen
Achenkirch: Der SC Paderborn ist am Achensee in Österreich angekommen
Reiten: Jubiläumsturnier des RV Brakel
Reiten: Jubiläumsturnier des RV Brakel
Gute Laune beim Charity-Reggae-Festival
Gute Laune beim Charity-Reggae-Festival
Ferien auf der Bühne
Ferien auf der Bühne
Treffen der Ultraleicht-Flieger in Höxter
Treffen der Ultraleicht-Flieger in Höxter


Anzeige
Anzeige
AvocadoStore.de - Eco fashion & green lifestyle

Videos
Anzeige

Erwins Date

Auf der Suche nach einem Partner?

Finden Sie Ihren Partner in drei Schritten!

Regionale Wirtschaft
Edeka warnt vor Glasscherben in Champignon-Gläsern
Hamburg (dpa). Die Supermarkt-Kette Edeka hat vor Scherben in Gläsern mit eingelegten Champignons gewarnt. In "einzelnen Gläsern" mit Pilzen der Marke... mehr

Bielefeld: Bankhaus sucht neuen Leiter
Bielefeld. Das zur Oetker-Gruppe gehörende Bankhaus Lampe befindet sich im Umbruch. Und das nicht nur baulich. Ende August verlässt das komplette Team... mehr

Bielefeld: Katag Cheftagung mit 3000 Gästen
Werte im Wandel. Neu klingt das Thema zwar nicht, doch ist es ergiebig genug für immer neue Aspekte. Wie gestern bei der Katag-Cheftagung in Bielefeld... mehr

Bad Driburg: BUND soll für Bilster-Berg-Gutachter zahlen
Bad Driburg (kö). Die Umweltschutzorganisation BUND muss der Betreibergesellschaft der Rennstrecke am Bilster Berg (Kreis Höxter) die Kosten für ein... mehr

Enger: Ehlebracht will Wechsel an Börse
Enger (nw). Der börsennotierte Möbelzulieferer Ehlebracht in Enger will aus dem regulierten Markt (General Standard) in den Entry Standard an der... mehr


Kultur
Bielefeld: Fall Achenbach: Tipp von Kellein
Bielefeld. Thomas Kellein, der von 1996 bis 2010 die Bielefelder Kunsthalle leitete, hat im Fall des derzeit in U-Haft sitzenden Kunsthändlers Helge... mehr

Kommentar: Das ZDF macht den ADAC
Stefan Brams, Leiter der Kulturredaktion, kommentiert die Manipulation der von Johannes B. Kerner moderierten Shows "Deutschlands Beste! Männer" und ... mehr

Ausstellung "Böckstiegel - Im Krieg" im Kunsthaus Rietberg eröffnet
Nein, ein Kriegsmaler war Peter August Böckstiegel (1889-1951) ganz offensichtlich nicht. Er hielt weder das Grauen noch die vermeintliche Glorie der... mehr

Publikum ist begeistert von "Bonnie & Clyde"
Bielefeld. Bonnie und Clyde – kennt doch jeder, aber wenn man nach Einzelheiten ihres Lebens fragt, bleiben die Antworten aus. Dem will das... mehr

Gütersloh: Eine feine Leistung
Gütersloh. Im Himmel ist die Hölle los, in der Hölle sowieso. Eine einzige Personenverwechslung, ein Fehler im "Einweisungsvorgang"... mehr


Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik