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04.04.2013
Bielefeld
Trotz Atom-Aus: Deutschland hat Strom im Überfluss
Erneuerbare Energien, sinkender Verbrauch und neue Kraftwerke
VON JULIA GESEMANN

Erneuerbare Energien | FOTO: DPA

Bielefeld. Acht deutsche Atomkraftwerke wurden nach der Fukushima-Katastrophe 2011 stillgelegt. Trotzdem exportierte Deutschland 2012 so viel Strom ins Ausland wie zuletzt vor fünf Jahren. Der Überschuss war mit 22,8 Milliarden Kilowattstunden fast viermal so hoch wie 2011 – Rekordwert. Das hat eine Untersuchung des Statistischen Bundesamts ergeben.

Info

Grüne Bahncard erntet Lob und Kritik

  • Seit dem 1. April kauft die Deutsche Bahn (DB) für alle Fahrgäste, die eine Bahncard abonniert haben, Ökostrom ein. Die Mehrkosten hierfür trägt die DB nach eigener Aussage selbst. Das Unternehmen wolle damit einen Beitrag zur Energiewende und zur CO2-Reduktion leisten, hieß es. Der Bahnexperte der Umweltorganisation Greenpeace, Gerald Neubauer, bezeichnete das Angebot als "Marketing-Schachzug". Lob kam von der Allianz pro Schiene.


Insgesamt importierte Deutschland im vergangenen Jahr 43,8 Milliarden Kilowattstunden und führte 66,6 Milliarden Kilowattstunden aus. Die Hauptabnehmer waren die Niederlande, Österreich und die Schweiz. Deutschland erzielte einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro.


Grund ist die Energiewende. Solar- und Windstrom nehmen zu, der Anteil erneuerbarer Energien kletterte im vergangenen Jahr in Deutschland auf 23 Prozent. "Viele sind überrascht, wie schnell der Ausbau vorangegangen ist", sagt Norbert Allnoch, Direktor des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) in Münster.

Stromversorger überschwemmen den Markt

"Der Zuwachs an erneuerbaren Energien und der Rückgang des Stromverbrauchs haben die AKW-Abschaltungen bereits vollständig kompensiert."Hinzu komme: "Die Stromversorger überschwemmen den Markt mit neuen fossilen Kraftwerken, ohne in gleichem Umfang ineffiziente Altanlagen abzuschalten."

Das IWR beruft sich auf Planungszahlen der Bundesnetzagentur. Demzufolge sollen in diesem Jahr neue Steinkohle-Kraftwerke mit einer Leistung von fast 5.300 Megawatt erstmals Strom produzieren. Weil nur alte Steinkohle-Kraftwerke mit knapp 1.000 Megawatt stillgelegt werden, gelangen zusätzliche konventionelle Kraftwerkskapazitäten von 4.300 Megawatt auf einen gesättigten Markt.

Die neuen Kohlekraftwerke dürften laut IWR den Druck auf die Strompreise verschärfen. "Die zusätzlichen Kohle-Strommengen beschleunigen den Rückgang der Strompreise an der Börse", sagt Allnoch. Mit der Folge, dass die Erneuerbare-Energien-Umlage auch dann weiter ansteige, wenn keine einzige neue Wind- oder Solaranlage mehr errichtet würde.

"Die Verbraucher können nicht profitieren"

Gewinner seien die Großabnehmer, die Haushalte bezahlen das paradoxerweise über eine höhere EEG-Umlage. "Die Verbraucher können nicht profitieren", so Allnoch. Das bemängelt auch Hans-Josef Fell. Er ist energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen und Autor des Entwurfs des EEG 2000.

"Energieversorger bedienen sich an der Börse immer günstiger, aber geben die gesunkenen Beschaffungskosten nicht an die Verbraucher weiter." Fell fordert zudem eine Änderung des EEG-Berechnungsmodus, damit auch die Haushalte profitieren.

Da die Produktion in Wind- und Solarparks schwankt, kommt es immer wieder zu hohen Überschüssen. Perspektivisch gesehen ist es laut Fell deshalb sinnvoll, Speicherkapazitäten zu entwickeln. Nach Allnoch dauert es aber noch, bis Speicher notwendig werden. "Derzeit sorgt die Solarenergie für einen ausreichenden Puffer."

Kommentare
Wie jeder leicht bei destatis nachrechnen kann, hat Deutschland für die exportierte elektrische Energie mit ca. 5,6 Cent/ kWh einen höheren spezifischen Erlös bekommen als es für die importierte elektrische Energie ca. 5,2 Cent/ kWh bezahlen mußte! Also bitte keine Tatsachen verdrehen!

Wenn jetzt auch noch die niedrigeren Börsenstrompreise an die Endkunden weitergereicht werden würden, gäbe es überhaupt kein "Preisproblem". Denn der Börsenpreis ist in den letzten 5 Jahren ungefähr um den gleichen Wert gefallen, wie die EEG-Umlage gestiegen ist. Allerdings wurden wie so oft nur die höheren Preisbestandteile an die Endkunden weitergereicht, die niedrigeren aber nicht!

Das ist keine "Marktwirtschaft", sondern "Volksverdummung"!

Die Bundesregierung könnte darauf Einfluss nehmen, dass die Endkunden auch an den Vorteilen der "Energiewende" partizipieren. Aber das tut sie leider nicht!

Tja Herr Broschart, auf dem Strommarkt herrscht in der Tat keine Marktwirtschaft. Der Grund dafür sind aber nicht die bösen Konzerne, sondern die Politik mit einer verfehlten Subventionspolitik im EEG.
Ökostromproduzenten bekommen einen festen Betrag pro kWh, unabhängig von der Nachfrage und z.T. (besonders bei Photovoltaik) noch deutlich über dem Einkaufspreis für Privatkunden.
Wenn viel Wind weht, die Sonne scheint und gleichzeitig wenig Nachfrage nach Strom da ist, bekommt der PV-Anlagenbesitzer trotzdem weiter seine 40ct/kWh, auch wenn in Leipzig der tatsächliche Strompreis vielleicht um die 2ct liegt. Die Differenz wird dann über die EEG-Umlage von den hiesigen Verbrauchern erstattet! Der Strom ist es dann, der quersubventioniert ins Ausland verkauft wird. Der Strom, den Deutschland hingegen importiert (und darauf ist man immer noch angewiesen), der wird bei Bedarf eingekauft und ist um ein Vielfaches teurer.
Würde man sich die Handelsbilanz bei Strom anschauen, sieht das Ganze wohl für Deutschalnd nicht so rosig aus, wie es von dem Öko-Lobbyisten im Artikel dargestellt wird.

Nachtrag:

Rot-Grün hat mit ideologischer Politik viel verkehrt gemacht. Dagegen hatten die Erneuerbaren ihr größtest Wachstum unter Kohl! Er war es auch, der als erster Kanzler ein Umweltministerium geschaffen hat, in dem später auch Frau Merkel saß! Das Stromeinspeisegesetz (Vorgänger des EEG) ist auch von Kohl!

Erzählen Sie mir nichts! Rot-Grün hat einseitig auf Wind vor der Küste gesetzt und PV jahrelang viel zu hoch subventioniert! Mein Chef ist einer von denen, die so Multi-Millionär geworden sind! Aber Trittins einziger Erfolg war eben sein Dosenpfand!

Man kann doch nicht ernsthaft behauptet, dass das bisher gut gelaufen ist! Da könnte ich abendfüllend drüber sprechen!

@WURSTSAFTTRINKER

Ich arbeite seit Jahren im Bereich Erneuerbare Energien! Aber Wind in der Nordsee ist Quatsch und das weiß auch jeder. Es sind übrigens die großen Energieversorger, die die Parks dort bauen! Sie haben also für diese Konzerne gesprochen - nicht ich!

Man sollte vielleicht einfach nur zu Themen sprechen, bei denen man Ahnung hat! Das hat auch nichts mit der Frage des Atom-Mülls zu tun, oder was Sie da noch in meine Aussage rein interpretiert haben wollen...

hallo chefplaner!
zu welchem der 5 großen stromriesen gehören sie denn??
wir sollen nur für dumm verkauft werden von den energieriesen & ihren lobbylakaien ,vorsicht ist geboten.

nur eines von vielen beispielen:wozu neue netze??
die existieren bereits... sie surfen übrigens gerade damit..
was wir brauchen sind fähige leute und kein atomklo mehr!
ich schreibe hier grad mit sonnenenergie - welch ein gutes gefühl !!
und noch was : ich bekomme keine (überdrehte) stromrechnung mehr.



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