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15.07.2013
Minden
Minden führt QR-Codes auf dem Straßenpflaster ein
Der Weg zum virtuellen Stadtführer
VON JAN HENNING ROGGE

Das geht einfach kinderleicht | FOTO: ALEX LEHN

Minden. Rio de Janeiro und Minden haben künftig mehr als nur die überschwängliche Lebenslust der Bewohner gemeinsam - beide Städte haben auch QR-Codes im Straßenpflaster. QR steht für "Quick Response" (zu deutsch: schnelle Antwort) und ist ein neuartiges Kommunikationsverfahren per Smartphone. Jetzt wurden die ersten Steine verlegt.

Am Anfang stand ein Artikel in einer Zeitschrift: "Ich habe vor einigen Monaten im Stern gelesen, dass am Strand von Rio QR-Codes ins Pflaster eingelassen wurden", sagt Jörg-Friedrich Sander, Geschäftsführer der Minden Marketing. Schnell war die Idee geboren, im Zuge der Neupflasterung der Innenstadt solche Codes auch in Minden einzubauen. Doch der Weg zum fertigen Pflasterelement war kompliziert.

QR-Codes sind Verwandte des Strichcodes. Der ist auf nahezu jeder Verpackung zu finden. Mit einem Lesegerät oder jedem modernen Smartphone kann der Code erfasst und weiter verarbeitet werden. Im Fall der Mindener QR-Codes baut das Handy als Lesegerät eine Verbindung zum Internet auf.

In Rio wurden die Codes als Mosaik ins Pflaster eingebaut. Die Minden Marketing experimentierte zunächst mit Mosaik-Fliesen. "Davon haben uns Fachleute aber abgeraten", sagt Johann Zilke von der Minden Marketing, der die Umsetzung betreute. Der Kleber könnte im öffentlichen Raum und bei wechselnden Temperaturen nicht strapazierfähig genug sein. "Außerdem darf die Oberfläche nicht glatt sein." Jörg-Friedrich Sander fasst die Anforderungen zusammen: "Man muss da drüber laufen und fahren können und niemand darf darauf ausrutschen."

Pionierarbeit für die Minden Marketing. "Vermutlich sind wir die Ersten in Deutschland, die QR-Codes ins Pflaster bringen", sagt der Geschäftsführer. Nach mehreren Versuchen gibt es nun eine Lösung, die auch die strengen Auflagen für Gehwege erfüllt. Die Grundlage bildet eine Stahlwanne. "Die wird in ein Betonbett gesetzt", erklärt Johann Zilke. Der QR-Code ist auf eine Aluplatte gedruckt, die in die Wanne gelegt wird. "Da kommt dann eine Panzerglasscheibe drüber, die versiegelt wird." Die Scheibe ist auf der Oberseite geriffelt. Auch bei Nässe bleibt sie trittfest. Fertig ist der QR-Pflasterstein.

Zunächst haben die Städtischen Betriebe Minden drei Steine verlegt: Vor dem alten Rathaus am Durchgang zum Dom, auf dem Marktplatz am Übergang zur Obermarktstraße und an der Tonhallenstraße. Sie werden auf die Internetseite der Minden-Marketing verlinken, die in den nächsten Tagen für Smartphones optimiert wird. "Das ist jetzt erstmal ein Pilotprojekt", sagt Jörg-Friedrich Sander.

Später könnten die Codes auch als virtueller Stadtführer eingesetzt werden. Touristen können sich dann über historische Gebäude per Handy informieren. Noch ist das Zukunftsmusik. Aber Mindens QR-Code-Pflaster, einzigartig in Deutschland, kann ab sofort ausprobiert werden. Rio de Janeiro sei Dank.

"Es hat keine Probleme gegeben", kommentiert Johann Zilke die Montage der ersten QR-Codes in der Mindener Innenstadt. In der Anfangsphase werden die frisch zementierten Steine noch mit Warnbaken gesichert. Bei der Bevölkerung kommen die Neuerungen durchweg gut an. "Einige Passanten haben sich schon dorthin gestellt und die Codes ausprobiert.", stellt Zilke zufrieden fest.

Kommentare
In Hüllhorst funktioniert das Ganze schon. Zwar nur mit Schildern und nicht im Pflaster, aber mit der entsprechenden Webseite :-)

Link unterdrückt

ein Hoch auf die Gläubigen....

@schattenspringerin Nö – meine App greift nur auf die Kamera zu. Und das muss sie ja auch. Einfach mal die Berechtigungen auslesen, bevor hier wilde Behauptungen aufgestellt werden.

Was ich vielmehr sagen wollte: warum beschweren sich hier Leser über Dinge, die sie nicht gezwungenermaßen betreffen? Wenn Müllgebühren angehoben werden sollen o.ä., dann kann ich mich dem nicht entziehen. Aber so ein QR Code? Einmalige Kosten von vielleicht 500 EUR (die nächsten günstiger, weil man ja jetzt weiß, wie das umzusetzen ist). Entweder ich finde das Prinzip gut und nutze die kleinen, praktischen Klötzchenbilder – so wie ich – oder eben NICHT. So einfach.

Die Dinger schaden keinem (abgesehen von den Kosten von geschätzt unter 1 Cent pro Einwohner) – und nutzen vielen. Jedenfalls all denjenigen, die Apps mit einem gesunden Menschenverstand nutzen und nicht pauschal alles als Teufelswerk ansehen, nur weil jetzt das Thema in den Medien präsenter ist.

Werfen Sie Ihr Smartphone weg, fangen Sie an zu trommeln (auch "normale" Telefone werden abgehört!) und machen Sie einen groooßen Bogen um Minden.

erstmal dagegen schreinen ? @Fen
Das "auflösen" der Klötzchen schickt gleichzeitig auch ein paar Informationen an den "Dienst", der dann auch Deine Daten ausliest, wie Deine Playlists, Verbindungsprotokolle und auch noch die Liste der POI der letzten 24 Stunden. Du magst ja gerne ein gläserner Bürger sein... ich nicht...

Super, ich schon!



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