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18.08.2009
BIELEFELD
Vorwürfe gegen JVA: Beamter in Reizwäsche
Leiter hat Zweifel an Echtheit schmuddeliger Bilder
VON JENS REICHENBACH

Tatort

Bielefeld-Ummeln. Das Justizministerium und die Leitung der Justizvollzugsanstalt (JVA) Brackwede I sehen sich seit dem vergangenen Samstag pikanten Vorwürfen der Bild-Zeitung ausgesetzt. Ein Beamter des Hochsicherheitsgefängnisses soll während seines Dienstes in einem der Wachtürme Fotos von sich in Damenreizwäsche und im Adamskostüm gemacht und diese ins Internet gestellt haben.

Unter dem Titel "Schmuddel-Skandal in der JVA Brackwede?" zeigt die Boulevard-Zeitung einen Mann in Strapsen und Korsage. Im Hintergrund sind die charakteristischen Fenster der JVA-Wachtürme zu erkennen. In einer Mail, die auch der NW vorliegt, bestätigt der Unbekannte, der die Bilder in verschiedenen Internet-Sex-Portalen veröffentlicht hat, dass er in Ummeln arbeitet ("Ja, als Wachmann").


Oliver Burlage, stellvertretender Anstaltsleiter, bezweifelt die Echtheit der Fotos. "Mindestens eines der vier vorgelegten Bilder ist klar als Montage zu erkennen." Auch ob die Fotos auf einem seiner Türme in Bielefeld entstanden sind, sei fraglich. "Schließlich liegen viele Anstalten in NRW mit vergleichbaren Türmen am Waldrand." Eine Ministeriumssprecherin sieht keinen Anlass tätig zu werden. Sie spricht von Rufschädigung.

"Man muss dem nachgehen"

Trotzdem räumt Burlage ein: "Sollte sich herausstellen, dass die Bilder nicht gefälscht sind, dann wird das Konsequenzen haben", so Burlage. Allein weil den Beamten innerhalb der JVA keine Fotoapparate oder Handys gestattet sind. Letztlich ist es also unerheblich, ob die Fotos montiert wurden oder nicht. Die Handy-Fotos stellen auch ohne Reizwäsche einen Verstoß gegen geltendes Recht dar.

Der zweite Anstaltsleiter betonte sein Interesse um Aufklärung: Nicht etwa, weil ein Staatsbediensteter privat skurrilen Passionen nachgehe, sondern weil er das in seiner Funktion als Justizvollzugsbeamter mache. "Dann muss ich dem nachgehen."

Durch solche Fotos könne eine ganze Abteilung in Misskredit gebracht werden, sagte Burlage. Schließlich war erst nach dem Ausbruchsversuch von Jan Zocha über die Sicherheit in der JVA diskutiert worden. Dass ein Justizvollzugsbeamter mit solchen Vorlieben erpressbar werde, sei ein zweiter Aspekt dieser Sache, so Burlage.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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