Gütersloh. Ach, Österreich. Selbst im Mutterland der Bälle hat Bauunternehmer Richard "Mörtel" Lugner ja mittlerweile Probleme, eine angemessene Begleitung für seine Seite zu finden und muss auf amerikanische Sternchen aus zweitklassigen TV-Serien zurückgreifen. Dass es an bereitwilliger Prominenz mangelt, diese Erfahrung macht auch der Landespresseball NRW zunehmend.
Nicht dass der Samstagabend in der Gütersloher Stadthalle dadurch zu einem Langeweiler geworden wäre. Im Gegenteil, die erneut 1.100 Gäste amüsierten sich auch diesmal, bei der inzwischen 61. Auflage, unübersehbar prächtig. Doch dass auf der Gästeliste von Jahr zu Jahr weniger überregional Bekannte stehen, fällt auch hierzulande auf.
Kein Guido Westerwelle, keine Vicky Leandros, kein Drafi Deutscher (†), kein Hartmut Ostrowski, nicht mal Barbara Sommer oder Laurenz Meyer: Viele Promis, die in den vergangenen Jahren dem Presseball ihre Aufwartung machten, blieben in diesem Jahr fern.
Niveauvolles Programm und gute Unterhaltung
Wilfried Burmann vom Journalistenverband OWL konnte in seiner Begrüßungsansprache lediglich den NRW-Minister für Europaangelegenheiten, Andreas Krautscheid (nun ja), sowie die hinlänglich bekannten Elmar Brok und Klaus Brandner als besondere Gäste hervorheben. Den Mangel an illustren Gästen werden manche bedauert haben. Doch festzustellen ist auch: Diejenigen, die kamen, kamen gerne, und ihnen wurde niveauvolles Programm und gute Unterhaltung geboten.
Das fing schon - womit der Bogen zu Österreich geschlagen wäre - bei der Wahl des diesjährigen Partnerlandes an. "Es ist uns eine Ehre", sagte der Botschafter Österreichs, Ralph Scheide, man habe gerne die Schirmherrschaft über dieses glanzvolle Ereignis übernommen. Besonders erfreue ihn das sicher sehenswerte Defilee der Debütanten; er werde den Veranstaltern des Wiener Opernballs empfehlen, seine Spione auszuschicken und in Gütersloh zu sehen, "wie man das hier so macht".
Auch Minister Krautscheid sparte nicht an wohlwollenden, wohlgesetzten Worten. Dass man in Gütersloh, Verbreitungsgebiet hochgeachteter Tageszeitungen und Sitz eines nicht unbedeutenden mittelständischen Medienkonzerns, einen Presseball feiere, sei für ihn naheliegend und bestimmt ein Ereignis.
Die Tanzfläche blieb gefüllt
Dass es eines wurde, dass es manchem am Ende gar wie eine rauschende Ballnacht erschien, dazu trug die Amüsierbereitschaft der Gäste wesentlich bei. Kaum hatte die Tanzkapelle "Valendras" die ersten Takte angespielt, war die Tanzfläche voll. Sie blieb es bis in die Nacht.
In der Tat gab es so einige Dinge, die einen guten Abend zu einem besonderen machten: das köstliche Buffet von Stadthallengastronom Sieweke, die Musical-Show im großen Saal, der Udo-Jürgens-Interpret Andy Rühl im kleinen Saal. Auf den drei Bühnen - so ist es Brauch - wurde den Tänzern unterschiedliche Musik serviert, dazwischen war Flanieren möglich und angesagt. Dabei, das sollte man hervorheben, ging es leicht, locker und alles andere als steif zu. Wer da noch den Anblick von Prominenten vermisste, dem war nicht mehr zu helfen.
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