Eltern am Gymnasium in Bielefeld-Heepen fürchten Übergriffe eines Kindes mit Asperger-Syndrom
Bielefeld. Jörg Neumann, der Rektor des Städtischen Gymnasiums in Bielefeld-Heepen, ist ein kräftiger und großgewachsener Mann, den normalerweise kaum etwas aus der Ruhe bringen kann. Seit einigen Wochen aber liegen bei dem Studiendirektor die Nerven blank. Der Disput um einen behinderten Schüler, der am sogenannten Asperger-Syndrom leidet, droht, seine Bildungseinrichtung zu spalten.
Etwa ein Dutzend Eltern sind sehr aufgebracht. Weil es offenbar zu verschiedenen Übergriffen gegen ihre Kinder gekommen ist, wollen sie nicht länger akzeptieren, dass der behinderte Schüler am Unterricht teilnimmt. Nach Angaben von Neumann wurden bereits Flugblätter verteilt. Das Klima sei zunehmend vergiftet, räumt er ein. Die Angelegenheit droht ein Fall für die Gerichte zu werden.
"Wir sind eine offene Schule, und wir wollen es bleiben", sagt Neumann. "Kein Kind mit einer derartigen Behinderung wird von uns fallengelassen", betont der Schulleiter. Es lohne sich "weiterzukämpfen" – er jedenfalls werde sich "nicht dem Druck der Straße beugen".
Schwächen in der sozialen Interaktion
Einzelheiten zum konkreten Fall will Neumann aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht nennen. Nach Informationen dieser Zeitung ist der betreffende Schüler vor gut anderthalb Jahren mit einer entsprechenden Schulformempfehlung zum Gymnasium nach Heepen gekommen. Heute besucht er eine siebte Klasse. Es war von Anfang an bekannt, dass der Schüler Bernd Z. (Name geändert) unter dem Asperger-Syndrom litt. Damit wird eine Störung innerhalb des Autismusspektrums bezeichnet, die vor allem durch Schwächen in der sozialen Interaktion und Kommunikation gekennzeichnet sind.
Nach groben Schätzungen leiden etwa 0,5 Prozent der Kinder unter dieser Störung, aber bei vielen werde sie nicht diagnostiziert, sagt Schulrätin Karin Tscherniak, die von der Bezirksregierung in Detmold als "Autismuskoordinatorin" bestellt und auch über den Fall am Heeper Gymnasium gut informiert ist.
Kein Förderbedarf nötig
Für Kinder mit dem Asperger-Syndrom gebe es "keinen sonderpädagogischen Förderbedarf" sagt Tscherniak, sie seien in der Regel sehr begabt und intelligent. Vor allem dann, wenn plötzlich "Strukturen aufgelöst werden", hätten diese Kinder aber Probleme. Wegen ihrer "Andersartigkeit" könnten sie die neue Situation oft nicht adäquat interpretieren. So erkläre sich beispielsweise, dass sich Kinder mit dem Asperger-Syndrom in Pausen oder beim Wechsel eines Klassenraumes "merkwürdig" verhielten.
Brief an den Rektor
Im konkreten Fall soll der Schüler, der auch im Unterricht einen ständigen Begleiter hat, häufiger aggressiv gegen Mitschüler und Lehrer agiert haben. Einige Eltern haben eine Liste verfasst, die dieser Zeitung vorliegt. Auf ihr ist von zahlreichen, zum Teil schweren körperlichen Übergriffen gegen Mitschüler und auch gegen Lehrer die Rede.
Mit Datum vom 13. September haben die aufgebrachten Eltern zudem einen Brief an Rektor Neumann geschickt. Darin heißt es, dass mit der Liste eine "Gefahr für Leib und Leben der Kinder und der betroffenen Lehrer und Betreuer" dokumentiert werde. "Wir setzen Sie hiermit weiterhin in Kenntnis, dass wir Sie als verantwortliches leitendes Organ des Gymnasiums Heepen persönlich aufgrund unterlassener Hilfeleistung in die Haftung einbeziehen werden", heißt es weiter in dem Brief.
"Übergriffe hat es gegeben"
Der Adressat, Schulleiter Jörg Neumann, weist den Vorwurf, dass eine Gefahr für Leib und Leben existiere, zurück. Zwar habe es "Übergriffe" des Schülers gegeben. Diese seien allerdings keineswegs derart gravierender Natur gewesen, wie es nun von den aufgebrachten Eltern dargestellt werde. Details zu den Übergriffen will Neumann auf Nachfrage nicht nennen. Auch die Bezirksregierung habe als Schulaufsicht bislang aber keinen Anlass gesehen zu intervenieren.
Das bestätigt Autismuskoordinatorin Tscherniak. Der Schüler Bernd Z. sei "nicht aggressiver als andere auch", sagt sie.
Einige Mitschüler hätten wohl erkannt, wo man bei ihm "den roten Knopf" drücken müsse, um ihn zum Ausrasten zu bringen. Die Eltern des behinderten Kindes, die sich nicht äußern wollten, haben den Rechtsanwalt Volker Küpperbusch eingeschaltet. Das Landgericht Bielefeld müsse über eine einstweilige Verfügung entscheiden, damit die Liste mit den angeblichen Verfehlungen ihres Sohnes nicht mehr verbreitet werde, sagt er.
Ich kann mir gut vorstellen, wie " die Geschichten" über den "gewalttätigen Behinderten" zustande kommen. Das wird allein mit Ihrer "Fenstersturzgeschichte" deutlich. Schulfenster lassen sich nämlich für die Schüler nur kippen, niemals groß öffnen. Schon gar nicht im 4. Stock.
Die restlichen Geschichten werden einen ähnlichen Hintergrund haben. Auf Schultreppen herscht IMMER ein Gedrängel und wie schnell ist jemand der Schuldige, nur weil er direkt daneben stand. Ich arbeite selbst in der Schule und weiß, wie Geschichten entstehen. Am interessantesten sind Beschuldigungen gegen Schüler, die an diesem Tag noch nicht einmal in der Schule waren.