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07.03.2011
BÜNDE
Vorläufiges Aus für Schulleiter in Bünde
Disziplinarverfahren gegen Gymnasiums-Chef
VON PATRICK MENZEL

Beurlaubt | FOTO: ANDREA ROLFES

Bünde. Fassungslosigkeit bei Schülern, Lehrern und der Elternschaft des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Bünde: Der Leiter der Schule, Michael Neuhaus, ist am Freitagvormittag mit sofortiger Wirkung vom Dienst beurlaubt worden. Über die Gründe ihrer Entscheidung schweigt die Bezirksregierung Detmold bislang. Jedoch geht aus inoffiziellen Quellen hervor, dass sich Schüler über "unangemessene Erziehungsmethoden" ihres Schulleiters beschwert haben.

Bürgermeister Wolfgang Koch wollte sich auf Nachfrage dieser Zeitung nicht zu den näheren Umständen äußern. Neuhaus habe ihn am Freitagvormittag über seine vorläufige Beurlaubung informiert, nahezu zeitgleich sei die Stadt als Träger des Gymnasiums von einem Mitarbeiter der Bezirksregierung darüber in Kenntnis gesetzt worden, so der Bürgermeister.

"Die genauen Hintergründe und Vorwürfe sind mir nur bedingt bekannt", sagte Koch, dessen Tochter die neunte Klasse des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums besucht. Nach Informationen von Lehrern hat die Bezirksregierung das mehr als 100-köpfige Kollegium in einem Gespräch in der ersten großen Pause am Freitag über die Beurlaubung des Schulleiters informiert und "zum Stillschweigen" verpflichtet.

Elternschaft wird "zu gegebener Zeit" informiert

Jens Ransiek, der nach der Suspendierung die Leitung des Gymnasiums übernimmt, legte gegenüber der Neuen Westfälischen ausdrücklich Wert auf die Feststellung, dass die Beurlaubung keineswegs als "Vorverurteilung" zu verstehen sei. "Die Angelegenheit muss sachlich aufgeklärt werden - und das wird sie", versicherte der stellvertretende Schulleiter. Allerdings wollte Ransiek weder zum Inhalt noch zur Schwere der Vorwürfe eine Aussage machen. Die Elternschaft werde zu gegebener Zeit informiert.

Ulrike Schwarze ist nach eigenen Angaben von der Bezirksregierung "in vollem Rahmen über die Suspendierung informiert worden", die Vorsitzende der Schulpflegschaft wollte sich allerdings zu Einzelheiten ebenfalls nicht weiter äußern und verwies auf das laufende Verfahren. "Im Moment kursieren viele Gerüchte. Wir reden ausschließlich von Erziehungsmethoden", sagte sie. Michael Neuhaus selbst war am Wochenende für die NW telefonisch nicht zu sprechen.

Anlass für das Verfahren gegen ihn sollen nach Recherchen dieser Zeitung die Beschwerden einiger Schüler über zweifelhafte Erziehungsmethoden ihres Schulleiters sein. Ein Schüler berichtete der NW von Liegestütze, die er im Büro des Oberstudiendirektors als Strafe habe machen müssen, weil er in einem Test eine Frage nicht beantworten konnte.

Handball-Lehrwart für Bielefeld-Herford

Ob auch die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Neuhaus einleiten wird, ist unklar. Staatsanwalt Christoph Mackel: "Uns liegen bislang keine Informationen vor."

Nach dem Wechsel Dr. Claudia Langers ins Bildungsbüro Kiel hatte Michael Neuhaus am 26. Januar 2009 die Leitung des Gymnasiums im Schulzentrum Ennigloh übernommen und dort die Fächer Sport und Englisch unterrichtet. Von 1993 bis 2004 war er Leiter der Orientierungsstufe an der Gesamtschule Bielefeld-Brackwede, danach in der gleichen Stadt stellvertretender Schulleiter des Helmholtz-Gymnasiums. Der 52-Jährige ist verheiratet und Vater einer Tochter.

In seiner Freizeit engagiert er sich als Lehrwart des Handballkreises Bielefeld-Herford. Dort sorgte die Nachricht von der Beurlaubung am Wochenende für Entsetzen. "Ich bin schockiert", sagte Handballkreis-Vorsitzender Thomas Boerscheper. Er werde das Gespräch zu Michael Neuhaus suchen, habe ihn aber noch nicht erreichen können, so Boerscheper. Neuhaus sei schon viele Jahre dabei und auf seiner Position als Lehrwart unersetzlich. Man schätze ihn wegen seiner offenen und ehrlichen Art, sagte Boerscheper.

Mehr zum Thema in nw-news.de

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