Enger. Frank Bockschatz vollführt tagtäglich den Spagat zwischen Moderne und Nostalgie: Im Berufsleben arbeitet der 36-Jährige in der Modebranche. Nach Feierabend zieht es ihn jedoch in die Werkstatt. Dort bastelt er an seinem Kindheitstraum.
Bockschatz und seine Freundin wohnen in Jöllenbeck, seine Kindheit hat er aber auf einem entlegenen Bauernhof im Süden von Westerenger verbracht; eine Scheune des Gehöfts hat er vor sechs Jahren zu seiner Werkstatt umfunktioniert. Darin verbringt Bockschatz seine freien Abende und schraubt an alten VW-Bullis.
Seine Liebe zu den Transportern wurde ihm als Steppke eingeimpft. "Zur Grundschule wurde ich immer mit einem blauweißen Bulli Typ T2 B gefahren", erinnert er sich. Mit 21 Jahren kaufte er sich einen sogenannten Clipper, einen T2-Fensterbus. Bei Musikfestivals diente der geräumige Wagen zugleich als Schlafplatz.
Heute besitzt er fünf Transporter des Typs T2 aus den Baujahren 1969 bis 1974: einen Pritschen-, zwei Kastenwagen und zwei Clipper. Nicht alle sind fahrbereit.
"Etwa 5.000 Euro muss man für einen gut erhaltenen T2 A hinlegen", schätzt der Bulli-Fan. Gut erhalten muss er gar nicht sein. "Ich stehe auf das, was das Auto mitgemacht hat", sagt er. Rost und Beulen empfindet er als Zierde - aber original müssen sie sein. Über Bulli-Besitzer, die mit einem Speziallack und selbst gemachten Dellen nachhelfen, rümpft er die Nase.
Die alten Motoren seien nicht das Problem, sagt Bockschatz. Viel Arbeit machen Schweißarbeiten an der Karosserie und die Elektrik. "Manchmal funktioniert die Zündung nicht." Wenn der Bulli einmal läuft, unternimmt er Ausfahrten - stets sitzt sein Mischlingshund Liam auf dem Beifahrersitz. Bei 1,6 Liter Hubraum und 50 PS geht es dabei gemächlich zu.
Etwa 15 Freunde treffen sich unregelmäßig in Bockschatz’ Werkstatt, um zu basteln oder zu klönen. Die Fangemeinde in Deutschland ist groß: "Wir könnten jedes Wochenende zu einem Treffen fahren", sagt der 36-Jährige.
Doch das macht er nur ab und zu, denn er will auch Zeit mit seiner Freundin verbringen. Sie akzeptiere sein Hobby; davon ist er überzeugt. "Wenn ich nicht ausgerechnet am Sonntag schraube, ist alles okay."