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30.05.2011
GÜTERSLOH/PADERBORN
Geflügelpest: Transportverbot für weitere 72 Stunden
Virus auch im Kreis Paderborn nachgewiesen

Gefährlicher Erreger | FOTO: A. EICKHOFF

Gütersloh/Paderborn (lnw/fred). Die Geflügelgrippe in Ostwestfalen hat sich auf den Kreis Paderborn ausgeweitet. Auf einem Hof im Raum Delbrück, wo der Virus nachgewiesen wurde, sollen vorsorglich rund 12.000 Tiere getötet werden. Das teilte der Kreis Paderborn am Dienstag mit.

Unklar war zunächst, ob es sich um eine hoch oder niedrig ansteckende Variante des Grippeerregers handelte. Laborergebnisse werden bis zum Ende der Woche erwartet. Um den betroffenen Betrieb wurde im Umkreis von einem Kilometer eine Sperrzone errichtet, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Bislang sind in Ostwestfalen im Kreis Gütersloh vier Betriebe mit zusammen fünf Standorten von der Geflügelseuche betroffen. Mehr als 64.000 Tiere wurden bereits getötet. Bei allen erkrankten Tieren handelte es sich laut dem Kreis nicht um den gefährlichen Erreger vom Typ H5N1, der vor fünf Jahren auch schwere Erkrankungen bei Menschen zur Folge hatte. Schwerpunkt der Seuche ist der Süden um die Stadt Rietberg.

Kreis Gütersloh verlängert Sicherheitsmaßnahme

Um der Geflügelgrippe Herr zu werden, bekommen die Tierärzte der Kreisverwaltung externe Unterstützung. Neben Veterinären aus angrenzenden Kommunen sind zwei Kollegen des Friedrich-Loeffler-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) von der Ostsee-Insel Riems im Einsatz.
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 Aus Angst vor der Ausbreitung der Geflügelgrippe  hat der Kreis Gütersloh das sogenannte "stand still", ein Transportverbot für Geflügel, verlängert. Es gilt vom 1. Juni, 0 Uhr, bis einschließlich Freitag, 24 Uhr, für das gesamte Gebiet der Gemeinde Langenberg, der Stadt Rheda- Wiedenbrück, der Stadt Rietberg, der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock und der Stadt Verl.


Hier ist das Verbringen von Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänsen, die in Gefangenschaft aufgezogen oder gehalten werden, untersagt. "Auch die Befreiung von der Aufstallpflicht wurde widerrufen", erklärte Jan Focken, Sprecher des Kreises auf Anfrage. Demnach muss Geflügel in den betroffenen Gebieten weiterhin im Stall gelassen werden.

Sperrgebiete eingerichtet

Nachdem in der Stadt Rietberg am 27. Mai die niedrigpathogene aviäre Influenza (LPAI) des Subtypes H7 amtlich festgestellt worden war,  mussten bereits über 64.000 Tiere getötet werden.  Betroffen sind bislang vier Betriebe im Kreis Gütersloh an insgesamt fünf Standorten.

Per Verfügung wurde im Rheda-Wiedenbrücker Ortsteil Lintel außerdem ein Sperrgebiet mit einem Radius von einem Kilometer errichtet.Laut Geflügelpest-Verordnung dürfen in dem Sperrbezirk gehaltene Vögel, Eintagsküken und Eier, Säugetiere sowie Gülle und Einstreu von Geflügeln aus einem Geflügelbestand oder sonstigen Vogelhaltung  nicht transportiert werden. Tierische Nebenprodukte von Geflügel sind unschädlich zu beseitigen,  der jeweilige Stall oder sonstige Standort darf nur von dem Tierhalter, seinem Vertreter, den mit der Betreuung und Beaufsichtigung betrauten Personen, Tierärzten oder Personen im amtlichen Auftrag und nur mit Schutzkleidung betreten werden.

Gleiches gilt für ein weiteres Sperrgebiet im  Rietberger Ortsteil Westerwiehe.  Nachdem am Montag in Rietberg zwei größere Geflügelbestände getötet wurden, gehen die Beprobungen im Umfeld der betroffenen Haltungen weiter.

Proben bisher negativ

Alle Proben, die bis Montagmittag im Umfeld der Seuchenbetriebe und bei Kontaktbetrieben (Lieferungen) genommen worden sind, sind negativ. Weitere Ergebnisse werden aus dem Chemischen Veterinäruntersuchungsamt in Detmold erwartet. "Das ist aber noch keine Entwarnung", erläutert Dr. Günter Brehs, stellvertretender Leiter der Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Kreises Gütersloh.  "Wir haben hier einen Raum mit hoher Geflügeldichte und müssen mit der Beprobung erst mal durch sein. Das braucht noch etwas Zeit. Der "stand still" trägt im Seuchenfall dazu bei, dass keine Erreger mehr verschleppt werden können."

Im ganzen Landkreis Gütersloh gibt es 3,5 Millionen Stück Geflügel an 2.100 Standorten. Schwerpunkt der Seuche ist der Süden um die Stadt Rietberg.

Kritik aus Niedersachsen zurückgewiesen

Der Landkreis wies Kritik aus Niedersachsen zurück, die nordrhein-westfälischen Behörden hätten zu spät über die Seuche informiert. Die erste Meldung des Betriebs bei Rietberg sei am 24. Mai gegen 15.30 Uhr beim Kreis eingegangen. Um 16.30 Uhr sei das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz informiert worden.

Tierärzte hätten umgehend Proben entnommen. Die Diagnose habe dann am Donnerstag (26. Mai) vorgelegen. Am Freitag begann die Keulung.

Der niedersächsische Agrarminister Gert Lindemann (CDU) hatte das Vorgehen der rot-grünen Landesregierung in Düsseldorf gegen die Tierseuche kritisiert. Es gebe Hinweise, dass die Geflügelpest bereits seit drei Wochen in Ostwestfalen schwele, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ein Sprecher des NRW-Ministeriums für Verbraucherschutz hatte das bereits am Wochenende zurückgewiesen. Das Ministerium und der Kreis Gütersloh hätten "schnell, umfassend und nachhaltig reagiert". Er forderte Niedersachsen auf, die dort angeblich vorhandenen Hinweise und Informationen offen zu legen.

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