Paderborn (NW). Die EHEC-Bakterien haben ein drittes Todesopfer im Kreis Paderborn gefordert. Ein 83-jähriger Mann ist an in einem Paderborner Krankenhaus an den Folgen der Darminfektion verstorben. Das teilte der Kreis Paderborn am Dienstag mit.
Der Mann wurde seit dem 21. Mai stationär wegen schwerer Durchfälle behandelt und hatte das gefährliche HU-Syndrom entwickelt. Der Mann hat sich während der ersten Erkrankungswelle Anfang Mai, wahrscheinlich durch kontaminierte Sprossen, angesteckt. Der Todesfall steht mit dem derzeitigen, begrenzten Ausbruchsgeschehen in Altenbeken in keinerlei Verbindung.
Inzwischen steht auch die Quelle der EHEC-Infektionen fest: Die drei Mitarbeiterinnen der Essensausgabe in der Altenbekener Schule und der Koch des Cateringbetriebs, einem Ableger der Bad Lippspringer Fleischerei Paul Schröder, haben sich nachweislich infiziert. Die Erkrankungen gehen auf das Konto des gefährlichen und aggressiven EHEC-Keims 0 104. Wo und wie die Betroffenen sich angesteckt haben könnten, ist nicht bekannt.
Von den 43 Mitarbeitern des Betriebes waren nach Auswertung der Lieferbeziehungen Stuhlproben gezogen worden. Eine weitere Mitarbeiterin ist ebenfalls positiv getestet, neun negativ. Der Cateringbetrieb der Fleischerei wurde bereits Montagabend geschlossen. Die Schaufenster des Betriebs waren am Dienstag mit weißem Papier abgeklebt, auf einem Schild war zu lesen: "Aus betrieblichen Gründen geschlossen". Vorsorglich übernimmt eine andere Großküche übergangsweise die Speisenzubereitung. Nur Mitarbeiter mit negativem Testergebnis dürfen darin beschäftigt werden.
Betrieb ist völlig unverschuldet in diese Lage geraten
"Da es sich nicht um einen harmlosen Durchfallerreger handelt, haben wir in Betracht gezogen, aufgrund der räumlichen Verbindungen zur angrenzenden Fleischerei den gesamtem Betrieb zu schließen", erklärt Landrat Manfred Müller. Der Betrieb habe sich jedoch von sich aus entschlossen, keine Ware mehr auszuliefern. Der Betrieb bleibt bis zum Abschluss der Reinigung- und Desinfektionsmaßnahmen geschlossen. "Nach derzeitigem Kenntnisstand ist der Betrieb völlig unverschuldet in diese Lage geraten", bekräftigt Klaus Bornhorst, Leiter des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen.
Auslieferung an weitere Einrichtungen
Das Paderborner Kreisgesundheitsamt hat alle Lieferbeziehungen recherchiert. Das Unternehmen liefert im Cateringbereich pro Tag 500 Essen an Schulen und Kindergärten sowie 300 Portionen "Essen auf Rädern" aus – darunter auch an das DRK in Bad Lippspringe. Am vergangenen Wochenende waren ein 88-Jähriger und eine 91-Jährige nachweislich an einer durch die EHEC-Bakterien verursachten Darminfektion erkrankt. Beide hatten Essen aus dem Cateringbereich der Firma geliefert bekommen.
Die Fleischerei Schröder liefert zudem Fleisch- und Wurstwaren an weitere Einrichtungen und im Thekenverkauf aus. Den Kunden wird empfohlen, "die Produkte aus dem Geschäft nur gut durchgegart zu essen", empfiehlt Dr. Georg Alles, Leiter des Kreisgesundheitsamtes.
Bisher sind keine weiteren EHEC-Fälle im Kreisgebiet aufgetreten – weder in der Altenbekener Grundschule noch im übrigen Kreisgebiet, teilt die Kreisverwaltung mit.