Löhne. Die öffentliche Suche nach den Rettern des Dreiradfahrers war erfolgreich: Drei junge Kirchlengeraner haben sich auf unseren Aufruf gemeldet. Der nach einem Schlaganfall behinderte Ostscheider war nahe des Löhner Klärwerks vom Weg abgekommen und mit seinem Dreirad drei Meter tief einen Hang hinuntergerutscht. Die drei Freunde zogen ihn und das Rad aus dem Bach. Jetzt traf der Verunglückte seine Retter wieder.
Den drei Freunden ist der öffentliche Dank ein wenig unangenehm. "Das war doch selbstverständlich", sagen sie und schauen ein wenig verlegen zu Boden. Doch der Gerettete lässt nicht locker. "Mir ist erst im Nachhinein bewusst geworden, wie gefährlich das für mich war", sagt der Dreiradfahrer, der aus Scham anonym bleiben möchte. Mit warmherzigen Worten, Schokolade und Geld bedankte er sich bei seinen Rettern Chris Schäpsmeier, Marcus Schacht und Tobias Bulk und sagte: "Ich hatte mehr Glück als Verstand."
Der 30. Mai war ein lauschiger Frühlingsabend, als es passierte. Kurzentschlossen war der Ostscheider mit seinem Dreirad zu einer Spritztour losgefahren. Ein Telefon hatte er gar nicht erst mitgenommen. "Meine Frau war zum Sport. Wen hätte ich anrufen sollen?", erzählt er. Kurz hinter dem Löhner Klärwerk fuhr er über die neue Radfahrerbrücke und bog in das kleine Waldstück ab, entlang am Rehmerloh-Mennighüffener Mühlenbach.
Der Weg wurde immer holpriger
Der Weg wurde immer holpriger, Wurzeln und Bäume versperrten den Weg. Der Trampelpfad führte einen kleinen Hügel hoch. Bäume engten den Weg auf der rechten Seite ein und links klaffte ein etwa drei Meter tiefer Abhang, den der Ostscheider nicht erkannte. Seit dem Schlaganfall sieht er auf dem linken Auge schlecht und ist auch in seinen Bewegungen eingeschränkt.
Das linke Vorderrad rutschte ab und mit ihm purzelte das ganze Gefährt samt Fahrer hinunter in den Mühlenbach. Das Dreirad lag komplett im Wasser, der Fahrer nur bis zum Bauchnabel.
Ertrunken wäre er nicht. Doch wie lange hätte er im Wasser ausharren können? Die Autobahn 30 ist von dieser Stelle nur einen Steinwurf entfernt. Aber der Mühlenbach hat sich so tief in das sandige Gelände eingegraben, dass die Stelle selbst vom Trampelpfad aus nur schwer einzusehen ist. Immer wieder versuchte er sich an Wurzeln hochzuziehen, doch im Sand schwanden seinen Kräfte. Er rief um Hilfe.
"Ich habe erst nur so ein Gestell im Wasser gesehen"
Und wurde erhört. Denn ausgerechnet an diesem lauschigen Frühlingstag hatten in Kirchlengern drei Freunde ebenfalls die Idee zu einer Spritztour mit dem Fahrrad.
Sie rollten wie viele Male zuvor über den Werre-Else-Radweg nach Löhne. Diesmal aber wagten sie sich von dem ausgeschilderten Pfaden ab und probierten denselben Waldweg am Mühlenbach aus, nur in anderer Richtung.
"Ich habe erst nur so ein Gestell im Wasser gesehen", erzählt Tobias Bulk. Fast wären die drei weitergefahren. "Die Hilferufe waren echt leise." Der verunglückte Radler lag auf der steilen Schräge und war auf den ersten Blick gar nicht zu sehen. Die drei schauten genauer hin und dann ging alles sehr schnell. Chris Schäpsmeier sprang in den Bach und schob den Verunglückten den Hang hoch. Von oben schnappten sich Tobias Bulk und Marcus Schacht jeweils einen Arm und zogen. "Das ging zack, zack!", erzählt Tobias Bulk. Sie beruhigten den alten Herrn, gaben ihm zu trinken, fischten seine Mütze aus dem Wasser, setzten die Kette auf und hätten ihn auch bis zu seiner Haustür geleitet. Doch das wollte der Dreiradfahrer nicht.
"Meine Frau hätte sonst geschimpft"
"Meine Frau hätte sonst geschimpft", erzählt er bei dem Wiedersehen mit seinen Rettern und kann schon wieder lachen. Denn bemerkt hat die Gattin das Malheur natürlich trotzdem. Schließlich war der Unglücksrabe von oben bis unten durchnässt und über und über mit Sand und Schlamm bekleckert.
Das ist mal wieder ein sicherer Beweis dafür, dass die Jugend nicht so "doof" ist, wie sie häufig tituliert wird. Jungs, ihr könnt stolz auf euch sein. Wir sind es allemal! ;-)