Godelheim/Ottbergen. Bei zwei schweren Verkehrsunfällen auf der B 64 sind am Wochenende fünf Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Der schlimmste Unfall ereignete sich Sonntagnachmittag in Höhe der Godelheimer Seen, als bei starkem Regen zwei Autos frontal zusammenstießen. Am Samstagmorgen war bei Ottbergen ein 32-Jähriger verunglückt. Autofahrer retteten den Mann aus dem brennenden Auto in buchstäblich letzter Minute.
Ein Großaufgebot an Rettungskräften war gestern Nachmittag erforderlich, als gegen 15 Uhr in Höhe des Kieswerks Durant ein mit drei jungen Leuten besetzter Golf Cabrio im Gegenverkehr mit einem Smart frontal zusammenstieß.
Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hatte der 18-jährige Fahrer bei starkem Regen trotz Gegenverkehrs überholt. Der 18-jährige Fahrer eines entgegenkommenden Smart hatte keine Chance. Die Fahrzeuge stießen mit voller Wucht frontal zusammen.
Bis in die Abendstunden gesperrt
Die Feuerwehr musste die eingeklemmten Insassen mit Spezialgeräten aus den zertrümmerten Fahrzeugen befreien. Die beiden 18-jährigen Fahrer, ein 18-jähriges Mädchen und ein 17-Jähriger erlitten schwere Verletzungen, einige schwebten gestern Abend noch in akuter Lebensgefahr.
Die Verletzten wurden am Unfallort von mehreren Notärzten und den Besatzungen von vier Rettungswagen und drei Rettungshubschraubern versorgt und anschließend in Spezialkliniken nach Göttingen, Kassel und Hannover geflogen. Ein Verletzter kam ins Höxteraner St.-Ansgar-Krankenhaus. Die B 64 zwischen Godelheim und Höxter war bis in die Abendstunden komplett gesperrt.
Vermutlich Alkohol am Steuer ist die Ursache für einen Unfall am Samstagmorgen auf der B 64 bei Ottbergen. Unmittelbar vor dem Bahntunnel am Ortseingang Ottbergen hatte ein 32-Jähriger die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Der BMW geriet gegen die rechte Bordsteinkante. Dadurch wurde das Fahrzeug angehoben, stieß auf der rechten Seite gegen eine Warnbake, schleuderte dann gegen die linke Betonstützwand am Tunneleingang. Der Wagen wurde anschließend in den Tunnel katapultiert, wo er gegen die linke Betonwand prallte, sich überschlug und auf dem Dach bis zum Ende des Tunnels rutschte.
Ein Lkw-Fahrer und eine Krankenschwester, die kurz danach an dem Unfallort vorbeikamen, retteten den schwer verletzten Mann aus dem Fahrzeug, das inzwischen Feuer gefangen hatte (siehe Bericht unten).
Der 32-Jährige kam ins Höxteraner St.-Ansgar-Krankenhaus und ist laut Polizei inzwischen nicht mehr in akuter Lebensgefahr.
Helden der Straße
Ottbergen. Der 32-jährige BMW-Fahrer, der am Samstagmorgen bei Ottbergen schwer verunglückt war, verdankt sein Leben zwei couragierten Autofahrern: Peter Schmidt, 64-jähriger Spediteur aus Muldestausse-Pouch (Sachsen-Anhalt) und Ilona Müller, Krankenschwester aus Ottbergen.
Peter Schmidt steht der Schreck noch ins Gesicht geschrieben, als er der NW das dramatische Geschehen am Samstagmorgen schildert. Der 64-Jährige ist mit seinem Brummi von Paderborn auf dem Weg nach Hause, als er kurz nach 6 Uhr die Unfallstelle passiert. Sofort stoppt er seinen Lkw und eilt zu dem Verunglückten. Aus dem zertrümmerten Motorbereich des BMW züngeln bereits Flammen, Benzin läuft auf die Straße. Eine hochgefährliche Situation. "Ich versuchte, den Fahrer herauszuziehen, schaffte es aber nicht ganz", berichtet er. In dem Moment kommt Ilona Müller zu Hilfe. Die 33-Jährige ist bei einem ambulanten Pflegedienst beschäftigt und gerade auf der Fahrt zu ihrem ersten Patienten an diesem Tag. Gemeinsam ziehen sie den Schwerverletzten aus dem Fahrzeugwrack und bringen ihn in Sicherheit. Während die gelernte Krankenschwester Erste Hilfe leistet, löschen andere Autofahrer beherzt den Brand und verhindern Schlimmeres.
"Das ist doch selbstverständlich", meint Ilona Müller nur, als sie auf ihre Heldentat angesprochen wird. "Wenn ich mal in eine ähnliche Situation geraten sollte, dann hoffe ich, dass mir auch jemand hilft". (mbr)