Gütersloh. Menschentrauben vor zwei Shisha-Bars in der Berliner Straße. Dabei ist es Mittwoch, ein eher unbeliebter Kneipentag. Gibt es dort Besonderheiten, Starauftritte? Nein. Das ist bei Shisha-Bars in Gütersloh eben so, sagen die Betreiber. Sie sind im Trend und werden gut besucht. Aber nicht mehr lange - sollte im Sommer das absolute Rauchverbot für NRW kommen.
Es riecht süß und würzig. Rauch steht in der Luft der abgedunkelten Räume. Im Schummerlicht sitzen die Gäste auf großen Kissen, unterhalten sich und ziehen ab und zu am Mundstück einer Shisha, die vor ihnen auf einem niedrigen Tisch steht. Andere liegen kuschelnd auf riesigen Sofas, genießen die chillige, orientalische Musik und ein kühles Getränk. So oder so ähnlich verbringen vorrangig Jugendliche ihre Abende in Güterslohs Wasserpfeifen-Bars.
"Vor drei Jahren hat es in der Stadt noch keine gegeben", sagt Volker Kiewert vom Ordnungsamt. "Heute sind sie voll im Trend." Fünf Shisha-Bars gibt es mittlerweile in Gütersloh. Fragt sich nur, wie lange noch.
Gesetz soll im Sommer in Kraft treten
Die rot-grüne Landesregierung will in diesem Jahr ein schärferes Rauchverbot in NRW durchsetzen. "Das Gesetz soll zum Sommer in Kraft treten", erklärt Serap Celen, Pressesprecherin des Gesundheitsministeriums. Das bedeute dann das absolute Rauchverbot in Kneipen, Gaststätten und Raucherclubs. "Und auch die Shisha-Bars sind betroffen", bestätigt Celen. Dann müssen die Pfeifen aus den Bars verschwinden.
"Aber was ist eine Wasserpfeifen-Bar ohne Wasserpfeife?", fragt Enis Muslin. "Das ist so, als ob man die Ente aus einem China-Restaurant verbannt", fügt der 20-Jährige empört hinzu. "Deshalb geht man doch dorthin." Muslin ist Stammgast einer Shisha-Bar. "Ich brauche jeden Tag zwei Pfeifen", erklärt er. "Außerdem chille ich hier mit meinen Freunden."
Die jungen Gäste setzen sich aus 60 Prozent Deutschen und 40 Prozent Migranten zusammen, berichtet Segin Sözen, Betreiber der Shisha Lounge. Viele sind Raucher, viele auch nicht. Sie würden es lieben, ab und zu ein Pfeifchen zu rauchen. Dann sitzen sie und quatschen - das mache einfach Spaß.
Tabak mit Fruchtaromen
In einer Shisha wird Tabak mit Fruchtaromen oder ähnlichen Geschmacksrichtungen geraucht. "Er kommt oben in einen Kopf", erklärt Sözen, während er das rotkrautähnliche Gewächs in den metallischen Zylinder stopft. Dann legt er Alufolie darüber und durchlöchert sie mit einer Nadel. "Dort kommt die Kohle drauf", sagt Sözen. Er setzt den Kopf auf eine Bowl, ein mit Wasser gefülltes Glasgefäß.Durch Saugen am Schlauch entsteht in der Flasche ein Unterdruck, der bewirkt, dass ein Gemisch von Luft, Dampf, Rauchpartikeln und Aromen nachgezogen wird. Sechs Euro kostet eine Wasserpfeifen-Füllung. "Mit der hat manein bis zwei Stunden Freude, je nachdem wie viele rauchen", sagt der Betreiber. "Und so ungesund wie Zigaretten ist sie auch nicht."
Darüber scheiden sich jedoch die Geister. Das Ausmaß der Schädlichkeit ist nicht eindeutig erforscht. "Fakt ist, dass Shisha-Raucher Nikotin, Kohlenmonoxid und Giftstoffe inhalieren", sagt Siegfried Ermer vom Bundesverein Pro Rauchfrei. "Darum gehören sie verbannt aus öffentlichen Räumen." Der Anti-Rauch-Aktivist unterstützt das Vorhaben der Landesregierung. "Diesen deutschen Flickenteppich mit quarzenden Schlupflöchern darf es nicht länger geben", betont Ermer.
Ermer: "Keine Ausnahme für Shisha-Bars"
Würde man eine Ausnahme für Shisha-Bars zulassen - weil dorthin ja nur Leute zum Rauchen kämen - hätte bald jede Eckkneipe eine Pseudo-Wasserpfeife stehen, ist sich Ermer sicher. "Und wir sind hier nun mal nicht im Orient." Obwohl dort, beispielsweise in der Türkei, das Shisha-Rauchen in öffentlichen Räumen ebenfalls verboten sei.
Ein Zustand, den sich die Jugendlichen in den Gütersloher Bars nicht vorstellen wollen. "Was sollen wir dann machen?", fragt eine junge Frau, die nicht genannt werden möchte. Auch sie raucht mehrmals wöchentlich Wasserpfeife. "Das möchte ich nicht missen", betont sie.
"Bei uns geht es aber um viel mehr, um unsere Existenz", sagt Sözen. Der 20-jährige Betreiber hat seine Bar vor einem Jahr zusammen mit seinem Vater eröffnet und 20.000 Euro in den Laden gesteckt. Für sie würde das neue Nichtraucherschutz-Gesetz den Ruin bedeuten.
Ab Sommer dann Cocktails statt Shisha
Anders als für Isa Ay, den Betreiber der Sahara Bar. "Für mich ist das ein Hobby", sagt der Makler, der mit seiner Schwester, einer Mode-Designerin, seit einem Jahr Shishas serviert. Es wäre schade, bei ihm laufe das Geschäft hervorragend - doch er könne auch ohne Shishas leben. "Dann gibts ab Sommer eben nur Cocktails", sagt Ay.
"Auch wenn die Wirte in Gütersloh schreien, nach einer Übergangszeit von drei Monaten haben die Gäste und sie sich daran gewöhnt", sagt Ermer. In Bayern und im Saarland würden die rauchfreien Gaststätten mittlerweile tadellos laufen.
Ein Gutmensch mit dem alleine seelig machenden Wissen...
Und alle, wirklich alle haben sich nach seinen (teils verqueren) Lebensansichten zu richten.
Wie wäre es denn, wenn diese Fanatiker endlich mal mit ihrer Anti-Raucherpolemik aufhören und sich einfach nur noch um ihren eigenen Mist kümmern würden?
Und komme mir niemand mit:
"Raucher stören mich immer und überall"..
Denn das stimmt so einfach nicht!
Kaum zu fassen, dass ein paar wenige Gesundheitsapostel einer ganzen Nation ihre Lebensphilosophie aufozwingen können...?