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07.01.2012
GÜTERSLOH
Regierung macht Shishas Dampf
Neues Nichtraucherschutz-Gesetz würde für Wasserpfeifen-Bars das Aus bedeuten
VON KATY HACKEL

Vielleicht bald Vergangenheit | FOTO: PATRICK MENZEL

Gütersloh. Menschentrauben vor zwei Shisha-Bars in der Berliner Straße. Dabei ist es Mittwoch, ein eher unbeliebter Kneipentag. Gibt es dort Besonderheiten, Starauftritte? Nein. Das ist bei Shisha-Bars in Gütersloh eben so, sagen die Betreiber. Sie sind im Trend und werden gut besucht. Aber nicht mehr lange - sollte im Sommer das absolute Rauchverbot für NRW kommen.

Es riecht süß und würzig. Rauch steht in der Luft der abgedunkelten Räume. Im Schummerlicht sitzen die Gäste auf großen Kissen, unterhalten sich und ziehen ab und zu am Mundstück einer Shisha, die vor ihnen auf einem niedrigen Tisch steht. Andere liegen kuschelnd auf riesigen Sofas, genießen die chillige, orientalische Musik und ein kühles Getränk. So oder so ähnlich verbringen vorrangig Jugendliche ihre Abende in Güterslohs Wasserpfeifen-Bars.

"Vor drei Jahren hat es in der Stadt noch keine gegeben", sagt Volker Kiewert vom Ordnungsamt. "Heute sind sie voll im Trend." Fünf Shisha-Bars gibt es mittlerweile in Gütersloh. Fragt sich nur, wie lange noch.

Gesetz soll im Sommer in Kraft treten

Die rot-grüne Landesregierung will in diesem Jahr ein schärferes Rauchverbot in NRW durchsetzen. "Das Gesetz soll zum Sommer in Kraft treten", erklärt Serap Celen, Pressesprecherin des Gesundheitsministeriums. Das bedeute dann das absolute Rauchverbot in Kneipen, Gaststätten und Raucherclubs. "Und auch die Shisha-Bars sind betroffen", bestätigt Celen. Dann müssen die Pfeifen aus den Bars verschwinden.

"Aber was ist eine Wasserpfeifen-Bar ohne Wasserpfeife?", fragt Enis Muslin. "Das ist so, als ob man die Ente aus einem China-Restaurant verbannt", fügt der 20-Jährige empört hinzu. "Deshalb geht man doch dorthin." Muslin ist Stammgast einer Shisha-Bar. "Ich brauche jeden Tag zwei Pfeifen", erklärt er. "Außerdem chille ich hier mit meinen Freunden."

Die jungen Gäste setzen sich aus 60 Prozent Deutschen und 40 Prozent Migranten zusammen, berichtet Segin Sözen, Betreiber der Shisha Lounge. Viele sind Raucher, viele auch nicht. Sie würden es lieben, ab und zu ein Pfeifchen zu rauchen. Dann sitzen sie und quatschen - das mache einfach Spaß.

Tabak mit Fruchtaromen

In einer Shisha wird Tabak mit Fruchtaromen oder ähnlichen Geschmacksrichtungen geraucht. "Er kommt oben in einen Kopf", erklärt Sözen, während er das rotkrautähnliche Gewächs in den metallischen Zylinder stopft. Dann legt er Alufolie darüber und durchlöchert sie mit einer Nadel. "Dort kommt die Kohle drauf", sagt Sözen. Er setzt den Kopf auf eine Bowl, ein mit Wasser gefülltes Glasgefäß.Durch Saugen am Schlauch entsteht in der Flasche ein Unterdruck, der bewirkt, dass ein Gemisch von Luft, Dampf, Rauchpartikeln und Aromen nachgezogen wird. Sechs Euro kostet eine Wasserpfeifen-Füllung. "Mit der hat manein bis zwei Stunden Freude, je nachdem wie viele rauchen", sagt der Betreiber. "Und so ungesund wie Zigaretten ist sie auch nicht."

Darüber scheiden sich jedoch die Geister. Das Ausmaß der Schädlichkeit ist nicht eindeutig erforscht. "Fakt ist, dass Shisha-Raucher Nikotin, Kohlenmonoxid und Giftstoffe inhalieren", sagt Siegfried Ermer vom Bundesverein Pro Rauchfrei. "Darum gehören sie verbannt aus öffentlichen Räumen." Der Anti-Rauch-Aktivist unterstützt das Vorhaben der Landesregierung. "Diesen deutschen Flickenteppich mit quarzenden Schlupflöchern darf es nicht länger geben", betont Ermer.

Ermer: "Keine Ausnahme für Shisha-Bars"

Würde man eine Ausnahme für Shisha-Bars zulassen - weil dorthin ja nur Leute zum Rauchen kämen - hätte bald jede Eckkneipe eine Pseudo-Wasserpfeife stehen, ist sich Ermer sicher. "Und wir sind hier nun mal nicht im Orient." Obwohl dort, beispielsweise in der Türkei, das Shisha-Rauchen in öffentlichen Räumen ebenfalls verboten sei.

Ein Zustand, den sich die Jugendlichen in den Gütersloher Bars nicht vorstellen wollen. "Was sollen wir dann machen?", fragt eine junge Frau, die nicht genannt werden möchte. Auch sie raucht mehrmals wöchentlich Wasserpfeife. "Das möchte ich nicht missen", betont sie.

"Bei uns geht es aber um viel mehr, um unsere Existenz", sagt Sözen. Der 20-jährige Betreiber hat seine Bar vor einem Jahr zusammen mit seinem Vater eröffnet und 20.000 Euro in den Laden gesteckt. Für sie würde das neue Nichtraucherschutz-Gesetz den Ruin bedeuten.

Ab Sommer dann Cocktails statt Shisha

Anders als für Isa Ay, den Betreiber der Sahara Bar. "Für mich ist das ein Hobby", sagt der Makler, der mit seiner Schwester, einer Mode-Designerin, seit einem Jahr Shishas serviert. Es wäre schade, bei ihm laufe das Geschäft hervorragend - doch er könne auch ohne Shishas leben. "Dann gibts ab Sommer eben nur Cocktails", sagt Ay.

"Auch wenn die Wirte in Gütersloh schreien, nach einer Übergangszeit von drei Monaten haben die Gäste und sie sich daran gewöhnt", sagt Ermer. In Bayern und im Saarland würden die rauchfreien Gaststätten mittlerweile tadellos laufen.

Kommentare
Ja ja, der Siggi...

Ein Gutmensch mit dem alleine seelig machenden Wissen...

Und alle, wirklich alle haben sich nach seinen (teils verqueren) Lebensansichten zu richten.

Wie wäre es denn, wenn diese Fanatiker endlich mal mit ihrer Anti-Raucherpolemik aufhören und sich einfach nur noch um ihren eigenen Mist kümmern würden?

Und komme mir niemand mit:

"Raucher stören mich immer und überall"..

Denn das stimmt so einfach nicht!

Kaum zu fassen, dass ein paar wenige Gesundheitsapostel einer ganzen Nation ihre Lebensphilosophie aufozwingen können...?

Die hier geführte Debatte erinnert mich an einen Witz den ich vor geraumer Zeit mal von einem Theologen gehört habe: Auf einer Veranstaltung der Zeltmission hält ein Prediger einen flammenden Appell gegen das Rauchen:"Hütet euch vor dem Genuss von Zigaretten. Die erste Zigarette zieht unweigerlich den Missbrauch von Alkohol nach sich - und dem folgt unwiderruflich die erste Sünde mit einer Frau!" Zwischenruf aus dem Zuhörerkreis: "WO gibt es diese fantastischen Zigaretten zu kaufen?"
Die Debatte wirkt schon streckenweise reichlich bizarr. Vor allem wenn manche Zeitgenossen unter dem Deckmäntelchen des Jugendschutzes ihre Anschauungen als die allein selig machenden zu verkaufen suchen. Meine persönliche Erfahrung: je gefestigter die Persönlichkeit eines Menschen ist - AUCH schon bei Minderjährigen - umso eher ist er gegen jegliche "Verführung" immun. Alles eine Frage der Erziehung. Aber DAS ist wieder eine GANZ ANDERE Geschichte...

@ godfather. Das einzige argument, was sich grade wirklich auf das verbot von shishas bezog war ihr zweites, aber für mich ist es dennnoch nicht schluessig. Erstens ist ihre 3 punkte theorie nur eine theorie, oder können sie eine studie oä zeigen, die belegt, dass man vom shisharauchen automatisch zur zigarette gelangt? Und ausserdem reicht zur lösung dieses problems eine strickte einhaltung des jsg! Ansonsten müsste nach ihrer theorie wirklich überall det ausschank von alkohol verboten werden, da so unter 16 jaehrige mit mischbier zu alkoholikern herangezogen werden.
sie redenstaendig vom davor mit dem rauchen zu beginnen, es geht aber beim nsg nur darum nichtraucher vor belästigung durch rauch zu schützen.

@ Almuth Wessel

Eigentlich hatte ich schon "Ciao" gesagt, doch Ihr Beitrag hat mich noch einmal hinterm Ofen hervorgelockt.

Ihr Beitrag zum Thema "Shisharauchen" ist sehr informativ und zeugt von großem Allgemeinwissen. Vielen Dank also für den Ausflug in die Welt der Wissenschaften, namentlich Geschichte und Geographie, Soziologie und Medizin (keine Ironie!).
Schade deshalb,
1. ... dass auch Sie Menschen, die eine andere Meinung haben, als m i l i t a n t brandmarken. Hier ist der Rubikon überschritten, wir führen keinen Krieg! Durch solche Stimmungsmache erschweren Sie eine sachlich-konstruktive Auseinandersetzung...
2. .dass Sie mit Ihrer Stellungnahme ein zentrales Problem der Shishabars und Raucherclubs nicht erwähnen: die häufige Nichteinhaltung des Jugendschutzgesetzes (Zutrittsalter und Konsumalter für die sog. legalen Drogen).
Wenn ein Jugendlicher erst einmal "drin" ist, dann folgen drei Schritte: Gewöhnung an den physikalischen Prozess des Inhalieren von Rauchstoffen - Gewöhnung an den biochemischen Prozess der Einnistung und Wirkung aromatischer und ähnlicher Stoffe im Körper - Gewöhnung an den psycholabilen Zustand des Nicht- mehr- ohne- Könnens.
So funktionierts auch in vielen anderen Bereichen unserer Gesellschaft: Werben-verführen-abhängig machen-profitieren.
3. dass Ihnen entgangen ist, dass über Jobbelastungen und den damit verbundenen gesundheitlichen Problemen schon seit vielen Jahren diskutiert und etliche Arbeitsschutzgesetzt in Kraft getreten sind - sogar ohne Bürgerbewegung. Eine solche formiert sich übrigens nicht gegen die Raucher - oder warum greifen Sie in die rhetorischeTrickkiste? Doch wohl nicht schon wieder Stimmungsmache...

Es wird Sie wundern: Rauchen ja - aber ohne das perfide Vorspiel mit unreifen Jugendlichen, aus denen dann lebenslange "Kunden" werden sollen!

Verschwinde dann mal durch den Blauen Dunst...

Wir sind doch nicht im Orient"….

sagte vor Kurzem ein militanter Vertreter der Anti-Raucher-Fraktion einem Reporter der Neuen Westfälischen. Die Rede war vom Siegeszug der Wasserpfeife, kurz Shisha, der auch vor Gütersloh nicht Halt gemacht hat….
Jawoll ! Recht hat er! Weg mit dem fremdländischen Zeugs !

Ich fordere das sofortige Verbot von Kaffee(stammt AUCH aus dem Orient und gefährdet – im Übermaß genossen – die Herzkranzgefäße)
und von Seife (stammt AUCH aus dem Orient und gefährdet – im Übermaß angewendet – den Säureschutzmantel der Haut).

Aber jetzt mal ganz im Ernst und jenseits aller Satire:
Das Gebaren mancher Vertreter der militanten Anti-Raucher-Front erinnert fatal an das Auftreten der Temperenzler in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Ihr segensreiches Wirken bescherte den Bürgern der Vereinigten Staaten zunächst die Prohibition und dann in ihrem Gefolge die organisierte Kriminalität.
(ich stelle hier mal die ketzerische Frage, was denn nun ungesunder war….)

Was nun die Verteufelung des Rauchens in Deutschland angeht – die hat ja eine uralte Tradition. Schon in der 1848-Revolution gingen die Bürger in Berlin unter anderem dafür auf die Straße, im Tiergarten rauchen zu dürfen…
Und der Pietismus verdammte ohnehin immer alles was mit Genuss zu tun hat – wobei das Feindbild je nach geografischer Lage wechselte: im Schwabenländle – seit eh und je Weinanbaugebiet – war der Tabak die Wurzel allen Übels. Im Lipperland hingegen – Hochburg der Zigarrenmacher – war der Alkohol der Böse Feind…( das womit ich mir meine Brötchen verdiene, darf ich nicht verteufeln, sonst säge ich mir den Ast ab, auf dem ich sitze)
.
Und noch eine Anmerkung: laut einer OECD Studie leiden bereits rund 20 Prozent aller Arbeitnehmer in den Industriestaaten unter psychischen Erkrankungen weil sie die Belastungen im Job nicht aushalten. Wo bleibt denn nun die Bürgerbewegung zum Schutz der modernen Arbeitssklaven?



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