Löhne. Die Bauarbeiten für die Nordumgehung starten mit einem Paukenschlag ins neue Jahr. Gestern haben Arbeiter am zukünftigen Autobahnkreuz Löhne damit begonnen, 4.000 Pflanzen, darunter 100 massive Bäume, zu fällen. Insgesamt werden 40 Hektar Fläche gerodet, im waldarmen Löhne allein 30 Hektar.
Andrzej Kulas lässt die Späne fliegen. Seine Motorsäge frisst sich in wenigen Sekunden durch den 30 Zentimeter dicken Stamm. Ratzfatz ist der erste Baum ohne Verbindung zu seinen Wurzeln und hängt in der Luft - fällt aber nicht um. Denn die Arbeiter arbeiten mit schwerem Gerät. Sein Chef Josef Werneke klemmt mit dem Greifarm eines Baggers den Stamm fest.
Er macht das so lange, bis alle Medienvertreter ihre Fotos vom Baum, der Säge und dem Bagger gemacht haben. Eine absurde Situation an einem grauen Januarmorgen: Der erste Baum, der gestern auf der Strecke blieb, ist heute die meistfotografierte Pflanze im Werretal. Der Beginn der Rodungsarbeiten verläuft abgesehen vom Blitzlichtgewitter unspektakulär. Naturschützer haben sich den Arbeitern nicht in den Weg gestellt.
Alles wird verwertet
Die meisten Pflanzen auf den 40 Hektar Fläche sind Sträucher. Der Bagger reißt sie samt Wurzeln aus dem Boden. "Das wird alles verwertet", sagt Josef Werneke. "Vor zehn Jahren noch wollte keiner die Wurzeln haben", sagt Tobias Fischer vom Amt Straßen NRW. Jetzt wird selbst das erdige Wurzelwerk kleingehäckert. "Wir verkaufen die Hackschnitzel als Biomasse", sagt Werneke.
Der Firmenchef ist mit zwei Mitarbeitern im Einsatz. Heute sollen noch zwei Großgeräte dazu kommen: Ein Häcksler, der das Buschwerk zerkleinert und ein Hackschnitzelautomat. In den letzteren werden die Pflanzen auf einer Seite reingeschoben und kommen auf der anderen als ofengerechte Stücke wieder heraus. Die Rodung dieser riesigen Fläche von 30.000 Quadratmetern rund um das alte Autobahndreieck und das künftige -kreuz ist vor allem Sache von Maschinen.
Für gerodete Fläche wird allerdings auch wieder aufgeforstet, das ist Pflicht: 70 Hektar Fläche verbraucht die Tasse der Nordumgehung im gesamten Werretal. Dafür werden 120 Hektar Ausgleich- und Ersatzfläche geschaffen, erklärt Tobias Fischer von Straßen NRW. Nicht die gesamte Ausgleichsfläche wird mit Bäumen bepflanzt, aber immerhin 31 Hektar bekommen neue Bäume. Elf Hektar sind sogar schon vor dem Start der Rodungsarbeiten fertig geworden. Nur einen Katzensprung entfernt vom Kahlschlag, am Hundeplatz Mahnerfeld, ist ein kleiner Wald mit jungen Bäumen entstanden.
Tunnelbau hat noch nicht begonnen
Die Rodungsarbeiten sollen vier Wochen dauern. Bäume und Sträucher werden bis direkt an den Asphalt der bestehenden Autobahn 30 gerodet. Danach wird ein Teil der obersten Erdschichten im Autobahnkreuz abgetragen.
Der Erdaushub vom Dehmer Tunnel soll dann nach Löhne gekarrt und hier zu neuen Erdwällen aufgeschüttet werden. Die Arbeiten für den Tunnelbau haben noch nicht begonnen. "Wir sind in der Submission", sagte Fischer.
Bei Ihnen muss die Bitte um Schweigen reichen, da Argumente sowieso nicht verfangen!