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07.02.2012
BIELEFELD
Frust wegen Bielefelder Tafel geht weiter
Dauerstreit um Umgangston und vergammelte Waren
VON ANSGAR MÖNTER

Will sich nicht mehr unwürdig abspeisen lassen | FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Die Kritik an der Bielefelder Tafel reißt nicht ab. Seit Wochen beschweren sich Kunden über die Einrichtung, die gespendete Lebensmittel an arme Menschen weiterleitet. Die Hauptvorwürfe: Es werden teilweise vergammelte Waren ausgegeben; es wurde Gespendetes verkauft; es werden Nutzer beleidigt, eingeschüchtert und sanktioniert.

Der ganze Frust zielt auf Tafel-Leiterin Rosetraut Kirse. Die ist selbst konsterniert über den nicht abreißenden Ärger. Sie spricht von "Hexenjagd". Nun will der Sozialpfarrer Matthias Blomeier eingreifen.

Als "menschenverachtend" beschreibt Barbara Beckmann vom Tafel-Landesverband den Ton von Kirse gegenüber den Menschen, die dort Wurst, Kartoffeln und Brot bekommen, um ihre leeren Kühlschränke aufzufüllen. Beckmann ist beim Tafel-Ableger in Herford tätig. Flankiert wird ihre Einschätzung von Kunden wie Sandra Mönch und Nicole Wrede. Die Frauen sagen, sie hätten die Zustände endgültig satt.

Umtausch wurde verwehrt

Mönch, Mutter von zwei kleinen Kindern und seit gut eineinhalb Jahren wegen finanzieller Schwierigkeiten auf die Tafel angewiesen, moniert den "unwürdigen" Umgangston und die Ungenießbarkeit vieler Waren. "Ich habe Fisch bekommen, der seit drei Wochen abgelaufen war. Der Umtausch wurde mir verwehrt." Die Ausgabe von welkem Gemüse und überalten Kühlprodukten sei nicht Ausnahme, sondern die Regel.

Die Leiterin Rosetraut Kirse dementiert das. Alle Negativmeldungen seien "unzutreffend und falsch", schrieb sie jetzt an Tafelfreunde, Tafelspender und Sponsoren. "In immer wiederkehrender Form wird versucht, die Tafel in Misskredit zu bringen". Sie beteuert: "Es wird nur das weitergereicht, was wir selbst essen würden." Außerdem habe es bei Prüfungen des Amtes nie Beanstandungen gegeben. Hans-Helmut Jostmeier, zuständig für die Lebensmittelkontrolle bei der Stadt Bielefeld, bestätigt das. Das Amt kommt standardmäßig einmal im Jahr. Ansonsten sei es auf konkrete Hinweise angewiesen. Die habe es nicht gegeben.

Tatsächlich haben die Kritiker diesen Weg noch nicht eingeschlagen. Die Beschwerden haben aber immerhin dazu geführt dass Bernd Seidner, zweiter Vorsitzender der Tafel, sofort benachrichtigt werden will, falls Gammeliges in der Tüte sei. Die Berichte über schimmelige Möhren, aufgeplatzte Bananen, wochenlang abgelaufene Joghurts oder aufgeblähte Wurstpakete sind zahlreich – obwohl vergangene Woche die Ware laut Mönch – endlich einmal – "einwandfrei" gewesen sei.

Viele Kunden fragen sich, was mit den "besseren" Spenden geschehe. Sie berichten, dass ein Teil der haltbareren Lebensmittel wie Cornflakes oder Kaffee lange Zeit verkauft worden seien. Laut Barbara Beckmann wäre das ein "eklatanter Verstoß" gegen die Tafel-Regeln. Für Kirse handelt es sich um "Genussmittel", die gegen Spenden weiter gegeben worden sind. Das sei übliche Praxis auch bei anderen Tafeln.

Es drohe Hausverbot

Viel Hoffnung auf grundlegende Änderungen machen sich die Tafel-Nutzer nicht, solange die jetzige Leiterin dort die Regie führe, sagen sie. Sie wollen sich nicht mehr "unwürdig" abspeisen lassen und agieren deswegen offen gegen sie. Im Freizeitzentrum Baumheide hat Sandra Mönch eine Liste ausgelegt für die, die ebenfalls die Nase voll haben. Sie habe keine Angst mehr, sagt sie, obwohl Hausverbot drohe. "Die wirft alle vom Hof, die den Mund aufmachen", bestätigt Nicole Wrede, die kranke Bedürftige begleitet. Kirse führt hingegen an, mit einer "schwierigen Klientel" zu tun zu haben und deswegen klare Worte sprechen zu müssen. Wer sich nicht wohl fühle bei der Tafel, könne sechs weitere Anbieter dieser Art in Bielefeld aufzusuchen.

Noch im Januar hatten Vertreter von Bundes- und Landesverband zusammen mit der Bielefelder Tafel versucht, die Lage zu befrieden. Sie hatten neue Regeln ausgehandelt. Demnach muss sich Kirse aus der Ausgabe zurückziehen, "Verkäufe" sind verboten und Verdorbenens darf ausgetauscht werden. Der zweite Vorsitzende Seidner pocht seitdem darauf, dass die Qualität der ausgegebenen Waren genau geprüft wird. Nur: Das grundlegende Vertrauen vieler Nutzer und anderer Kritiker in die Tafel bleibt erschüttert.

Nun versucht Matthias Blomeier, Sozialpfarrer des evangelischen Kirchenkreises, zu vermitteln. "Als Mediator habe ich einen gemeinsamen Gesprächstermin am Mittwoch vorgeschlagen", sagt er. Barbara Beckmann wird dabei sein, ebenso Bernd Seidner und Rosetraut Kirse. Die Tafel-Leiterin selbst erkennt Veränderungsbedarf: "Es muss was passieren, und es wird was passieren."

Für Sandra Mönch gibt es nur eine Lösung: "Frau Kirse muss aufhören, sonst hört es nie auf."

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Nach ersten Telefonaten und Facebook-Korrespondenz gehe ich auf Distanz zu (...) und Co.. Gemeinnützige Träger sollten im eigenen Interesse für Transparenz sorgen. Nur so vermeiden sie Angriffsfläche.

Liebe Leute langsam solltet ihr mal auf dem Boden derTatsachen bleiben was hättet ihr ohne die Tafel ...
knurrende Hungerbäuche. Es geht euch so gut das ihr seit wochen nur am meckern seid. Seht zu das ihr an die Arbeit kommt dann könnt ihr euch endlich selbst ernähren. Wenn man bedenkt das ihr kostenlos von der Tafel seit 15 Jahren beköstig werdet. Müssiggang ist aller Laster Anfang....

Hallo erst mal .Zu Frau Kriese kann ich nur zustimmen das sie da nicht mehr Arbeiten sollte .Sie sollte lieber beim Bund anfangen da kann sie rumkomandieren...Ichj hatte ein paar mal Telefonitsch mit ihr gesprochen in einen vernumpftigen ton von meiner seiter her...
Es ging um einen Standort Ausgabe der Lebensmittel..Es gibt einen in (Brake )-Einen in (Baumheide ).So das Milse -Altenhagen in der mitte liegt..Darum fragte ich nach wo den die leute aus Milse-Altenhagen hingehen müsten .Nach Brake oder Baumheide .Darauf bekam ein eine Antword die mich fast vom Stuhl gehauhen hätte.Die aus Milse und Altenhagen müsten in die Stadt zur Ausgabestelle an der Kirche (nähe Wittekindstr-Schlosshofstr.)Das sind dann ungefähr so ca 8-10 Km .darauf frage ich was solldas den Brake und Baumheide sind doch näher drann ..Antwort war :Wenn ihnen das nicht passt brauchen sie ja nicht hingehen und bei den anderen Stellen bekommen sie nichts Meine antwort war was soll das den .und schwupp hatte sie aufgelegt...Dieses ist nun schon ein Paar Jahre her ...Ich war bis jetzt nicht bei der Tafel ..Von einen Bekanten habe ich dann mal mitbekommen der dar am Fahren war .das Sie sich den besten sachen schon vorher raussuchen ,da die es ja erst mal sotieren und so ...Di eFrau muß einfach weg ..

Hey Ihr lieben Nachdenker!
Ich habe alle Kommentare von Euch gelesen und es entsteht die Frage, warum ist es teilweise für manche MENSCHEN so schwer sich hineinzufühlen in die Situation von Lebensnotlagen? Arbeitslose werden stigmatisiert, es ist wirklich kein Vergnügen sich so durch die Welt zu schlagen. Meine Tochter hatte Läuse aus der Schule mitgebracht. Die Behandlung ist langwierig und teuer. Läuse sind eine Seuche. Angeblich ist dieses Geld im Regelsatz enthalten, obwohl man die Behandlung vielleicht öfter durchziehen muss, weil sich das Kind erneut ansteckt. Auch für die Zahnspange müssen 20% zugezahlt werden. Kinder brauchen durch das Wachstum regelmässig neue Schuhe und Kleidung. Zudem, was sonst das Leben fordert, Lebensmittel etc.. Ich weiss nicht, warum manche Menschen meinen, dass man sein Geld grossartig einteilen kann. So komme ich jetzt auch zu dem Thema Bielefelder Tafel, wo viele Menschen drauf angewiesen sind und auch nicht einfach zu anderen Spendestellen wechseln können, da diese schon übervoll sind.Ich habe vor 5 Jahren an der Meisenstrasse Frau Kirse erlebt und kann folgende Einzelheiten von ihr berichten: Zu einem Mitarbeiter sagte sie, der ist dick genug, der kriegt nichts mehr. Dabei schob sie genüsslich einen Riegel Schokolade in ihren Mund. Zum Anderen sagte sie, alle Deutschen vor, die Ausländer nach hinten. Das Klopapier, was sie verteilte, sei schon benutzt, sagte sie. Ein Mann, der Schokolade mit Maden ihr wieder mitbrachte, sollte in Zukunft ebend auf Schokolade verzichten. Einer alte Frau, die vor Weihnachten in der Kälte auf ein Weihnachtspäckchen wartete, wurde gesagt, die Pakete sind nur für Familien. Ich selber habe drei STunden in der Winterskälte an der Johanneskirche auf sie gewartet und bekam nichts, da ich meinen Bielefeld-Pass nicht mit hatte, obwohl ich Frau Kirse bekannt war.Grundsätzlich finde ich die Idee natürlich von dem einen Kommentierenden hier sehr wichtig und unbedingt nachzueifern, die Tafeln abzuschaffen und dafür mehr Regelsatz den Arbeitslosen zuzugestehen. Allerdings greife ich trotzdem das Problem der Tafel auf, da es aktuell ist.

@I.Meyer
ich finde es sehr ungerecht, daß Sie für Ihre Arbeit
so schlecht bezahlt werden. Man sollte etwas dafürtun, daß gerechte und höhere Löhne gezahlt werden.
Wegen dem sog. Lohnabstandsgebot haben Hartz IV Empfänger noch weniger zur Verfügung, gleichwohl jedoch das Recht auf eine menschenwürdige Existenz und das Recht Ihre
Bedürfnisse einzufordern.



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