Opfer in Tiefkühltruhe versteckt / Verdächtiger (42) mit Kontakten ins Rotlichtmilieu
Spenge/Bielefeld. Es begann als Ermittlungsverfahren wegen organisierter Kriminalität und wurde Montagmittag zu einem Fall für die Mordkommission: Bei der Durchsuchung einer Garage an der Bielefelder Straße in Spenge-Lenzinghausen, die von dem 42-jährigen Verdächtigen gemietet worden war, entdeckten Bielefelder Beamte eine gefrorene Frauenleiche. Sie lag in einer Tiefkühltruhe.
"Die Todesursache ist bisher unklar, möglicherweise wurde die Frau erwürgt", teilte ein Polizeisprecher in Bielefeld mit. Dort haben das für ganz OWL zuständige Spezialkommissariat für Organisierte Kriminalität (KK 22) und das für Mordfälle zuständige Kriminalkommissariat 11 ihren Sitz. "Es wird ein bis zwei Tage dauern, bis die Leiche der Frau aufgetaut ist", erklärte Oberstaatsanwältin Ina Leinkauf, die die Ermittlungen in dem Fall leitet.
Die Tote darf nicht zu schnell erwärmt werden, um keine Beweise zu vernichten. Nach dem Auftauen wird sie von Gerichtsmedizinern untersucht werden. Noch gebe es aber keine genauen Anhaltspunkte zur Identität der Toten, erklärt Leinkauf.
Verdächtiger mit Kontakten in die Rotlichtszene
Es gibt die Vermutung, dass der 42-Jährige Kontakte in die Rotlichtszene besaß. Vor einigen Jahren war der in Kirgisien geborene Spätaussiedler bereits wegen Einschleusens von Ausländern in Herford zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Damals hatte es eine ganze Reihe von Strafverfahren gegeben, in denen es um das Einschleusen russischer Prostituierter mit falschen Pässen aus dem Baltikum ging. Die Frauen waren damals im Kreis Herford ausgebeutet und zur Prostitution gezwungen worden.
Beim Amtsgericht Bielefeld wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft bereits Untersuchungshaftbefehl wegen des Verdachts des Totschlags erlassen. Bisher gibt es aber noch keine Hinweise darauf, wo das Motiv für eine Tat liegen könnte.
Die Hintergründe versucht die 16-köpfige Mordkommission aus Herforder und Bielefelder Beamten unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Knuth Packmohr derzeit zu klären.
Nachbarn an der Bielefelder Straße zeigten sich gestern schockiert. "Ich habe zunächst nur gesehen, dass da Männer standen - später kamen immer mehr Polizeiwagen und Beamte dazu", berichtet eine Nachbarin. Den Mieter der Garage - insgesamt grenzen fünf Garagen an die ehemalige Gaststätte - kenne sie nicht. Ein anderer Nachbar sagt, er habe es zunächst gar nicht glauben können, dass in der Nähe eine Leiche lag. "So was gibt es doch sonst nur im Fernsehen."
Was OK-Ermittler machen
Das Kriminalkommissariat 22 in Bielefeld wird immer dann aktiv, wenn Banden oder Gruppierungen Straftaten begehen. Das Verbrechensspektrum, das die OK-Ermittler dabei ins Visier nehmen, reicht von überregional operierenden Autodieben, Menschenhändlern und Zuhältern, Glücksspiel und Wettmafia bis hin zu mafia-ähnlich strukturierten und international agierenden Banden. Die Spezialisten, die teils verdeckt und mit neuester Überwachungstechnik arbeiten, haben in Bielefeld ihren Sitz und sind für Organisierte Kriminalität (OK) in ganz OWL zuständig.