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11.07.2012
BIELEFELD
Johanneswerk kürzt Mitarbeiter-Bezüge
Beschäftigtenvertreter protestieren
VON SEBASTIAN KAISER

Bielefeld. Das Evangelische Johanneswerk, diakonische Unternehmensgruppe mit mehr als 70 Einrichtungen für Alte, Behinderte und Kranke an rund 30 Standorten in NRW, hat die Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) für zahlreiche Beschäftigte gekürzt. Betroffen sind Mitarbeiter in Bielefelder und Gütersloher Altenheimen, bei der Diakonie Bielefeld, in den Oerlinghausener Hellweg-Kliniken und in Verwaltungsabteilungen. Viele bekommen stark reduzierte Sonderzahlungen, andere gar keine.

"Ein 13. Monatsgehalt wird in zwei Hälften als Jahressonderzahlung geleistet. Sie ist abhängig vom Jahresergebnis, das gilt auch für gemeinnützige Unternehmen. Die zweite Hälfte der Jahressonderzahlung kann daher ganz oder teilweise einbehalten werden, wenn eine Einrichtung oder mehrere in einer Region zusammengefasste Einrichtungen kein positives Jahresergebnis erreichen. Von dieser bundesweit geltenden Regelung macht das Johanneswerk Gebrauch", heißt es in einer Erklärung des Vorstands. 2011 schloss das Johanneswerk mit negativem Ergebnis ab. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 10 auf 210 Millionen Euro. "In einigen Regionen konnte mit den Kürzungen das Minus ausgeglichen werden, in anderen nicht", sagt Vorstandsvorsitzender Pastor Dr. Ingo Habenicht. Insgesamt summierten sich die Kürzungen der Bezüge auf 1,116 Millionen Euro.

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Könnten Sie in ihrer Haushaltsplanung Einbußen bei der Jahresleistung verkraften, wie sie das Johanneswerk seinen Mitarbeitern verordnet hat?




Georg Neumann, Vorsitzender der Gesamtmitarbeitervertretung im Dienststellenverbund des Johanneswerkes, berichtet: "Es gibt in Bielefeld Kollegen, denen die zweite Hälfte der Jahressonderleistung komplett gestrichen wurde." In anderen Geschäftsbereichen, etwa Herford, würden dagegen 100 Prozent gezahlt.

"Die Kollegen sind empört, wütend und enttäuscht", so Neumann. Die Mitarbeitervertretung fordert den Vorstand auf, die Kürzung zurückzunehmen. "Ihre Entscheidung, wirtschaftliche Sanierung auf unserem Rücken zu betreiben, können wir nicht akzeptieren", heißt es in einem Brief an den Vorstand.

Ab 2015 sollen Verluste nicht mehr auf komplette Geschäftsbereiche umgelegt, sondern nur noch für einzelne Häuser ausgewiesen werden. "Nur in Einrichtungen mit negativem Betriebsergebnis wird die Jahresleistung gekürzt", sagt Habenicht. Georg Neumann befürchtet, dass die Einschnitte für die betroffenen Mitarbeiter dadurch noch tiefer werden.

Die Mitarbeitervertretung spricht sich für ein anderes Verfahren aus. Denn: Schon einmal sei es zu Kürzungen der Jahressonderzahlungen aufgrund schlechter Geschäftsergebnisse gekommen. Die aber sei gleichmäßig als achtprozentige Kürzung auf alle 6.200 Mitarbeiter des Johanneswerks verteilt worden. Neumann: "Das war solidarisch und wurde akzeptiert."

Das Johanneswerk will künftig bei den Sachkosten sparen. Pastor Habenicht: "Außerdem wird die Zahl der Vorstandsmitglieder von vier auf drei gesenkt." In den Bielefelder Altenheimen habe sich die Geschäftslage in diesem Jahr bereits wieder positiv entwickelt.

Kommentare
Es ist sehr erstaunlich, daß das Johanneswerk nie langfristig in ein professionelles "Fundraising" investiert hat. Viele Probleme, die wohl jetzt über kurz oder lang zum Exitus führen, würde es so nicht geben. Meines Wissens sind die Bethel Bodelschwingschen Anstalten diesen Weg gegangen und darin sehr erfolgreich. Vielleicht eine falsche Managemententscheidung unter anderen, die nun für Probleme sorgt?

@ NW
Ich kann nicht viel über das eigentliche Thema "Johanneswerk kürzt Mitarbeiter-Bezüge" schreiben und wollte mich durch den Artikel und die Kommentare nur informieren. Das das Thema abgleitetet in "Sterbehilfe" ist bedauerlich. Aber gleichzeitig finde ich es erfreulich das fast alle Kommentatoren eine Diskussion ablehnten. Dafür gebührt großes Lob, und zeigt wie verantwortungsbewußt die Leser der NW sind.

wettbewerb unter den einrichtungen????
es gibt feste sätze die bezahlt werden für die erbrachten leistungen!!! die gestiegenen kosten die wir ja auch alle haben fließen da leider nicht mit ein!
so und wenn es bei gestiegenen kosten das gleiche geld gibt, wo wird dann wohl gestrichen??! und der gewinn muß ja für die unternehmensleitung auch gesteigert werden!
es gibt jetzt schon zu wenig plätze in pflegeeinrichtungen da über wettbewerb zu sprechen ist schon...... zumindest eigenartig!

zum thema sterbehilfe:
man (frau ) sollte sich vorher ansehen bei welchen menschen und unter welchen bedingungen sterbehilfe "durchgeführt" wird.
so einfach weil jemand nicht weiter will ist das nicht, und das ist auch verdammt gut so!!!
und die lösung im bereich der pflege ist es schon lange nicht!!!!!!
dieses land sollte endlich anfangen mit den alten und kranken und denjenigen die sich um diese MENSCHEN kümmern, auch menschenwürdig umzugehen!!!!
und da sollten auch die gehälter der unternehmensleitungen offen gelegt werden!!!!!

@alle: Wir weisen daraufhin, beim Thema zu bleiben. Es gab wiederholt Kritik, dass sich die Kommentare mehr und mehr auf das Thema "Sterbehilfe" beziehen und nicht mehr auf das ursprüngliche Thema "Johanneswerk kürzt Mitarbeiter-Bezüge". Wir bitten darum, das zu beachten und nicht zu sehr "off topic" zu schreiben.
Beste Grüße, NW


@ Vanessa
Das Sterbehilfe diskussionswürdig ist, ist keine Frage, allerdings nicht hier zum Thema von Kürzungen der Mitarbeiter-Bezüge.
Userin @ Buntrock hat mehrmals betont das es ihr vor allem um die Kosten von Pflegebedürftigen und den Arbeitsbedingungen des Personal geht. In diesem Zusammenhang mit Sterbehilfe zu argumentieren, ist mehr als zweifelhaft.
Ich vermute, nach so vielen Stunden Funkstille, das @ Buntrock nicht bewußt war, was sie schreibt.

Natürlich muss auch die Kirche vor allem im Interesse von Mitwettbewerbern kostendeckend arbeiten.

Pflegeleistungen werden kaum aus der Kirchensteuer finanziert. Die Einrichtungen wirtschaften so wie alle Einrichtungen.

Wer nicht völlig ignorant ist, der weiß, dass zwischen den Einrichtungen intensive Konkurrenz herrscht. In erster Linie wird auch hier der Preis die Nachfrage bestimmen. So entsteht Kostendruck und zwar für alle Einrichtungen, ob Kirche, Wohlfahrt oder freie Träger.

Es ist absehbar, dass die Leistungen/Bedingungen sowohl für Pflegebedürftige als auch Mitarbeiter
schlechter werden. Der Grund liegt darin, dass immer mehr Menschen pflegebedürftig werden, aber vom Prinzip her immer weniger Zahler zu Verfügung stehen. Verschärft wird das Ganze durch steigendes Anspruchsdenken, viele Auflagen und medizinischen Fortschritt.

Verschärfte Mitarbeiterbedingungen sind ein Problem des Pflegebereichs insgesamt und eben nicht der Kirche. Das muss man gerechterweise feststellen.

Und wer es nicht beim Meckern belassen möchte, der sucht Lösungsansätze. Ein Lösungsansatz ist Sterbehilfe zu legalisieren.



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