Bielefeld. Das Evangelische Johanneswerk, diakonische Unternehmensgruppe mit mehr als 70 Einrichtungen für Alte, Behinderte und Kranke an rund 30 Standorten in NRW, hat die Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) für zahlreiche Beschäftigte gekürzt. Betroffen sind Mitarbeiter in Bielefelder und Gütersloher Altenheimen, bei der Diakonie Bielefeld, in den Oerlinghausener Hellweg-Kliniken und in Verwaltungsabteilungen. Viele bekommen stark reduzierte Sonderzahlungen, andere gar keine.
"Ein 13. Monatsgehalt wird in zwei Hälften als Jahressonderzahlung geleistet. Sie ist abhängig vom Jahresergebnis, das gilt auch für gemeinnützige Unternehmen. Die zweite Hälfte der Jahressonderzahlung kann daher ganz oder teilweise einbehalten werden, wenn eine Einrichtung oder mehrere in einer Region zusammengefasste Einrichtungen kein positives Jahresergebnis erreichen. Von dieser bundesweit geltenden Regelung macht das Johanneswerk Gebrauch", heißt es in einer Erklärung des Vorstands. 2011 schloss das Johanneswerk mit negativem Ergebnis ab. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 10 auf 210 Millionen Euro. "In einigen Regionen konnte mit den Kürzungen das Minus ausgeglichen werden, in anderen nicht", sagt Vorstandsvorsitzender Pastor Dr. Ingo Habenicht. Insgesamt summierten sich die Kürzungen der Bezüge auf 1,116 Millionen Euro.
Könnten Sie in ihrer Haushaltsplanung Einbußen bei der Jahresleistung verkraften, wie sie das Johanneswerk seinen Mitarbeitern verordnet hat?
Georg Neumann, Vorsitzender der Gesamtmitarbeitervertretung im Dienststellenverbund des Johanneswerkes, berichtet: "Es gibt in Bielefeld Kollegen, denen die zweite Hälfte der Jahressonderleistung komplett gestrichen wurde." In anderen Geschäftsbereichen, etwa Herford, würden dagegen 100 Prozent gezahlt.
"Die Kollegen sind empört, wütend und enttäuscht", so Neumann. Die Mitarbeitervertretung fordert den Vorstand auf, die Kürzung zurückzunehmen. "Ihre Entscheidung, wirtschaftliche Sanierung auf unserem Rücken zu betreiben, können wir nicht akzeptieren", heißt es in einem Brief an den Vorstand.
Ab 2015 sollen Verluste nicht mehr auf komplette Geschäftsbereiche umgelegt, sondern nur noch für einzelne Häuser ausgewiesen werden. "Nur in Einrichtungen mit negativem Betriebsergebnis wird die Jahresleistung gekürzt", sagt Habenicht. Georg Neumann befürchtet, dass die Einschnitte für die betroffenen Mitarbeiter dadurch noch tiefer werden.
Die Mitarbeitervertretung spricht sich für ein anderes Verfahren aus. Denn: Schon einmal sei es zu Kürzungen der Jahressonderzahlungen aufgrund schlechter Geschäftsergebnisse gekommen. Die aber sei gleichmäßig als achtprozentige Kürzung auf alle 6.200 Mitarbeiter des Johanneswerks verteilt worden. Neumann: "Das war solidarisch und wurde akzeptiert."
Das Johanneswerk will künftig bei den Sachkosten sparen. Pastor Habenicht: "Außerdem wird die Zahl der Vorstandsmitglieder von vier auf drei gesenkt." In den Bielefelder Altenheimen habe sich die Geschäftslage in diesem Jahr bereits wieder positiv entwickelt.