Bünde. Vorsichtig wischt Julian Hofemeier mit dem Mikrofasertuch über das schwarze Vinyl. Die Leuchtstoffröhre an der Decke spiegelt sich auf der Oberfläche. Lautlos fährt der Tonabnehmer hoch, die sieben Zoll kleine Single dreht sich auf dem Plattenteller und mit einem satten Knistern fährt die Diamantnadel in die Rille. "Warm, rund und natürlich", sagt der 28-Jährige. Er ist mit dem Klang zufrieden. 80 Stunden hat der Tischler an dem "Phonocube" gearbeitet – seinem Gesellenstück.
Hofemeier wollte keinen Esstisch oder Kleiderschrank präsentieren – zum Ende seiner Umschulung zum Tischler. "Ich wollte etwas Besonderes und etwas, das mit meinem Hobby zu tun hat", sagt der 28-Jährige. Hi-Fi-Technik im allgemeinen sei bereits seit langem seine Spezialität. Und seit einiger Zeit sammelt er Schallplatten verschiedener Genres, beispielsweise Rock’N’Roll oder Jazz.
"Nur fehlte mir bisher ein anständiger Plattenspieler, also entschied ich mich, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und die Idee zu meinem Gesellenstück stand." Fast zwei Jahre hat er die Herstellung seines "Phonocubes" geplant, hat Skizzen angefertigt, sich Gedanken über Material und Proportionen sowie die spätere Akustik gemacht.
Ziel auf Umwegen erreicht
"Mein Chef und mein Meister haben mich sehr unterstützt", sagt Hofemeier, der bei der Möbel-Zuliefererfirma Ludewig in Dünne seine Umschulung zum Tischler beendet hat und dort auch als Geselle weiter arbeiten wird.
Für den geborenen Bünder, der seit einem Jahr im benachbarten Oberbauerschaft lebt, ist das ein Glücksfall, denn er wollte immer schon als Tischler arbeiten. Dieses Ziel hat er nun auf Umwegen erreicht.
"Nach der Schule habe ich keinen Tischler-Ausbildungsplatz gefunden. Nach langer Suche und mehreren Praktika habe ich eine Ausbildung zum Friseur begonnen", sagt Hofemeier. Er streicht mit der Handfläche über die glatte Oberfläche seines Gesellenstückes. Dreieinhalb Jahre hat seine erste Ausbildung gedauert. "Es war eine Notlösung. Ich war froh, als es vorbei war." Er habe sich nicht vorstellen können, längere Zeit als Friseur zu arbeiten.
Musik von Johnny Cash
Durch ein weiteres Praktikum bei der Dünner Tischlerei Ottemöller bekam er dort das Angebot zur Umschulung, das er gerne annahm. Nach einem Jahr kam er zur Firma Ludewig, und am 31. Juni diesen Jahres fand seine Freisprechung statt. Dort, in der Lehrwerkstatt der Tischlerinnung des Kreises Herford, wurde sein Gesellenstück ausgestellt und interessiert betrachtet.
Und: "Ausbildungsmeister Heiko Bahls, der mich auch sehr unterstützt hat und mir viele Anregungen gab, hat Musik von Johnny Cash spielen lassen, das hat mich sehr gefreut", erzählt Hofemeier.
Inzwischen steht das Klangmöbel in seinem Wohnzimmer, neben der Vinylsammlung, und wird täglich benutzt. Gut 80 Stunden Arbeit hat Hofemeier in sein ganz aus Nussbaum hergestelltes Werk investiert, nicht wenige davon in der Freizeit. "Es ist alles ganz gut gelaufen, nur die Ausschnitte für Plattenteller und Tonarm, das war etwas knifflig; ich habe vier Abdeckungen zur Probe vorgemacht", beschreibt er seine Arbeit.
Kann man so eine Box denn vielleicht auch bestellen? Wär nen super Geschenk für meinen Liebsten...