Größter Kunde am Flughafen schließt Flugzeughalle und Kundenschalter / Von Streik nicht betroffen
VON JENS MÖLLER
Kreis Paderborn. Plant der wichtigste Kunde einen Abgang auf Raten? Air Berlin gibt am Flughafen Paderborn-Lippstadt zum Februar 2013 seine Flugzeughalle auf. 14 Mitarbeiter müssen gehen. Die Fluggesellschaft schließt auch ihren Kundenschalter. Air Berlin bleibe aber "ein wichtiger Anbieter von Flügen", sagt eine Sprecherin des Unternehmens.
Bei der Halle handelt es sich um eine 43 Meter breite Flugzeugwerft, in der Air Berlin seit 2004 eigene Mittelstreckenflugzeuge gewartet hat. Anfangs beschäftigte Air Berlin hier mehr als 30 Mitarbeiter, die sich um vier Maschinen kümmerten.
Info
Konkurrenzkampf
Der Flughafen Paderborn-Lippstadt steckt im harten Konkurrenzkampf mit anderen Regionalflughäfen.
Auch Air Berlin ist an mehreren Flughäfen vertreten.
Für Wartungsarbeiten an seinen Fliegern kann das Unternehmen künftig auf eigene Werften an den Flughäfen Dortmund und Münster/Osnabrück zurückgreifen. jm
Zuletzt arbeiteten hier aber nur noch 18 Angestellte. Höchstens zwei Maschinen waren hier abgestellt. Die Halle im Gewerbepark hatte Air Berlin von der Flughafengesellschaft laut deren Angaben "langfristig gemietet".
Nach Informationen der NW wurden die Mitarbeiter durch ihren Arbeitgeber – das Tochterunternehmen Air Berlin Technik – informiert, dass die Werft geschlossen wird. 14 Mitarbeiter sollen gehen, vier bleiben als Rumpfmannschaft, die Maschinen künftig nur noch auf dem Rollfeld warten soll.
"Wir sind davon überrascht worden", sagt ein Mitarbeiter. Die strauchelnde Fluggesellschaft fährt derzeit einen rigiden Sparkurs. In den Sommerferien hatte Air Berlin bereits Ferienflüge von Paderborn-Lippstadt aus gestrichen. Die Betroffenheit unter den Kollegen sei groß, sagt der Mitarbeiter.
Es laufen bereits Verhandlungen mit der Fluglinie, bestätigt Oliver Müller, Gewerkschaftssekretär bei Verdi. Die Angestellten bekommen demnach Versetzungsangebote an andere Flughäfen. "Ein Umzug stellt Menschen mit Familien vor Probleme", sagt Müller. Womöglich gebe es doch betriebsbedingte Kündigungen mit Abfindungen. Verdi fordert jetzt einen Sozialplan.
Auch im Flughafen spart Air Berlin: Der wichtigste Touristikflieger am Standort streicht seinen Kundenschalter. Der Schalter werde von "eigenen Mitarbeitern" weitergeführt, sagt Flughafensprecherin Elke Rawisch de Teran.
Dass angeblich auch die Lufthansa ihren Schalter Ende September schließt, will sie nicht kommentieren. Das hatte der Patriot gemeldet. Über die Zukunft der Werfthalle in Büren-Ahden, die in ihrer Größe für Airbus- und Boeing-Maschinen konzipiert wurde, ist am Flughafen nichts zu erfahren.
Die Geschäftsführung wolle den Vorgang nicht kommentieren, sagt die Flughafensprecherin. Auch zur Frage, wie Geschäftsführer Elmar Kleinert die zukünftige Zusammenarbeit mit Air Berlin sieht: "keine Stellungnahme". Die Sprecherin des Flughafens, der komplett in öffentlicher Hand ist, verweist in allen Punkten an Air Berlin.
Die Fluggesellschaft reagierte gestern um 19.20 Uhr mit einer Stellungnahme. Air Berlin gebe die Halle zum 1. Februar 2013 auf, bestätigt Unternehmenssprecherin Alexandra Bakir. "Das Engagement am Flughafen Paderborn wird durch diese Entscheidung nicht beeinträchtigt", sagt sie. Air Berlin bleibe "ein wichtiger Anbieter von Flügen" in Büren-Ahden. "Auch die Air Berlin Technik soll weiterhin in Paderborn einen Stützpunkt haben und wird weiterhin Flugzeuge warten."
Die Fluggesellschaft führte früher in Büren-Ahden fast 70 Prozent der Touristikflüge durch. Der Anteil war zuletzt auf unter 50 Prozent gesunken.
Der Flughafen ist von der aktuellen Streikandrohung bei der Lufthansa nicht betroffen. Die Flüge nach München werden von der Tochtergesellschaft Lufthansa City-Line durchgeführt, die nicht in die zur Verhandlung anstehenden Tarifverhandlungen eingebunden ist. Die Verhandlungen für rund 19.000 Flugbegleiter der Lufthansa sind zunächst gescheitert.
Also ich sehe es so: Zwischen Dortmund und Kassel sind es etwa 150 KM. Genau dazwischen liegt PAD. Kassel bekommt eine 2500 Meter Bahn und ILS Cat.III. Die neue Geschäftsführerin in Kassel hat beste Kontakte zu Airlines und Reiseveranstaltern. Da wird was kommen. Die Zukunft von PAD sieht leider nicht rosig aus, wenn ich mir allein das Desaster um Air Berlin ansehe.
Rhat schrieb am 29.08.2012 15:08 Uhr
@ostwestfale
Der FH Dortmund wird sicher nicht nächsten Monat pleite gehen und ist übeerdies eher eine gern gewähltw Ausrede in Paderborn. Oder warum ging es in Padeerborn nicht deutlich aufwärts, als easyjet und germanwings in Dortmund massiv zusammenstrichen? Das gròßte Problem vom FH Paderborn kann man leider nicht lösen, nämlich dass er in der Knüste liegt.
stefan_67 schrieb am 29.08.2012 13:25 Uhr
@Max, gibt es nächstes Jahr ab Kassel einen festen Flugplan? Nach meinem Kenntnisstand (aus der NW) hat Germania zugesagt, Flüge ab Kassel anzubieten. Mehr nicht. Es steht weder fest wie viele, noch wohin. Außerdem bezweifele ich stark, dass sich Fluggesellschaften (erst Recht keine renommierten) darum reißen werden, ab Kassel zu fliegen, da ja so ziemlich alle einen Sparkurs fahren. Die werden also mit "Kampfpreisen" angelockt werden müssen, aber auf die Dauer wird niemand den Flughafen subventionieren wollen.
Der Flughafen Dortmund wird evtl. wegen unzulässiger Subventionen schließen müssen (oder insolvent gehen). Wenn dem so sein sollte, dann steigen die Chancen für Paderborn wieder, dass es aufwärts geht.
Die Infrastruktur von Paderborn ist aber sicherlich verbesserungswürdig. Ohne Bahnanbindung und mit nur einem stündlichen Busverkehr ist die wirklich suboptimal. Vielleicht könnte ein regelmäßiger Pendelbusverkehr nach Bielefeld (z. B. Hauptbahnhof) und/oder Gütersloh für Verbesserung sorgen.
Warten wir entspannt, ab, was die nächsten Monate bringen werden, sowohl für Paderborn, aber erst Recht auch für Dortmund und Kassel. Die letzteren Beiden haben aktuell sicherlich die größeren Probleme, auch wenn sie dieses offiziell nicht zugeben.
Max schrieb am 29.08.2012 12:36 Uhr
@Ostwestfale:
Air Berlin wird auch ihre Station in Dortmund zum Winterflugplan schließen.
Ich sehe die Zukunft des Flughafens leider auch nicht so positiv. Kann sich hier jemand erinnern, wann das letzte mal eine neue Flugverbindung eröffnet wurde, die auch mindestens eine Flugplanperiode geflogen wurde? Das ist schon ziemlich lange her und irgendwie fehlt mir der Glaube daran, dass das ausgerechnet in den momentan sehr schwierigen Zeiten klappen sollte.
Wenn es dann ab nächstem Jahr ab KSF wirklich auch noch Urlaubsflüge geben sollte, so wie es die "Germania" momentan plant, steht PAD vor einem echten Problem. Ein paar Mallorca oder Antalya Flüge ab Kassel tun Paderborn noch nicht so weh, aber grade Ziele die sowieso nur ein bis zweimal in der Woche bedient werden, könnten sich dann nicht mehr lohnen, wenn sie auch ab KSF geflogen werden.
Ostwestfale schrieb am 29.08.2012 11:51 Uhr
Naja, ich sehe es so @Urlauber:
Die Infrastruktur des Flughafens ist katastrophal! Wie soll man denn ohne Auto dahin kommen? Jede Stunde fährt ´nen Bus. Wenn wenigstens die Bahn so oft dahin fahren würde...
@Thom
So schlecht sehe ich den Flughafen auch nicht aufgestellt. Der Flughafen in Dortmund wird wohl im nächsten Monat Pleite gehen. Deshalb wundert es mich schon stark, weshal AB nicht den Standort dort schließt, wird er doch bald eh. Wenn der Flughafen in Dortmund schließt werden dessen Fluglinien schnell verteilt werden. Da muss der Flughafen PB/LP schnell "hier" rufen! Dass man keine Billigflieger zulässt finde ich gut, denn die bringen kein Geld rein. Man sieht ja, was mit Dortmund passiert ist. Über Jahre hat man mit dem Wasserwerk den Flughafen subventioniert, damit man Billigflieger anlocken konnte. Jetzt hat die EU das zurecht unterbunden und der ganze Flughafen kann dichtmachen.
Was dem Flughafen fehlt sind zwei Dinge:
1.) Eine Anbindung ans Schienennetz, damit man auch hinkommt.
2.) Eine Anbindung an ein weiteres Drehkreuz wie Frankfurt, Amsterdamm oder (wenn der Flughafen denn mal fertig wird) Berlin.
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