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24.11.2012
OWL
Kehraus für das Monopol der Schornsteinfeger
Ab 2013 freier Wettbewerb im Schornsteinfegergewerbe / Preise könnten steigen
VON JENS MÖLLER

Mann in Schwarz | FOTO: DPA

Bielefeld. Den Schornsteinfegern bot die Innung in OWL dieses Jahr besondere Fortbildungsangebote: Kurse in Betriebswirtschaft. Die Kehrbranche bereitet sich auf die freie Wirtschaft vor. Denn ihr althergebrachtes Monopol wird zum 1. Januar weggefegt. Dann sollen externe Firmen den Wettbewerb um Ruß, Asche und Dreck ankurbeln.

Dann dürfen Heizungsbauer oder Klempner ebenfalls Kehrarbeiten anbieten. Außerdem werden die 196 Bezirksschornsteinfeger in Ostwestfalen-Lippe zu Konkurrenten. Neuland für die Herren der Kehrbezirke, die bislang friedlich die Gebühren untereinander aufteilten. "Wenn der erste Kollege dem anderen drei Straßen abgenommen hat, könnte es schwierig werden", ahnt Peter Silbermann, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung OWL.

Interessiert können Hausbesitzer das Ende einer Ära verfolgen. "Zehn Minuten Arbeit, dafür 60 Euro, darüber ärgern sich viele Eigentümer", sagt Jürgen Upmeyer, Geschäftsführer von Haus und Grund OWL. Die Eigentümergemeinschaft verwaltet 3.600 Wohnungen in der Region. Es gebe bereits Anbieter, "die mit den Hufen scharren", sagt Upmeyer. Etwa Sanitärfirmen, die ihren Service ergänzen wollen. Über eines aber seien sich die Hauseigentümer einig: Man wolle keine "Billiganbieter".

Wenig Raum für Preiskämpfe

"Der Wettbewerb wird sich langsam entwickeln", sagt Obermeister Silbermann, selbst Bezirksschornsteinfeger in Horn-Bad Meinberg (Kreis Lippe). Während es in Städten wie Bielefeld mit 27 Kehrmeistern schneller echten Wettbewerb geben könnte, scheinen ländliche Bezirke wenig verlockend. Hier muss mit weiten Anfahrtswegen kalkuliert werden. Und mit den Gewohnheiten der Hausbesitzer. Die meisten Kunden würden dem angestammten Kehrmann die Treue halten, glaubt der Obermeister.

Es gebe außerdem wenig Raum für Preiskämpfe. Wirklich? Silbermann rechnet vor: Ein Kehrbezirk habe bislang jährlich etwa 135.000 Euro Umsatz abgeworfen. Das ergab nach Abzug der Betriebskosten ein Einkommen von rund 50.000 Euro für den Bezirksschornsteinfeger – Sozialabgaben noch nicht abgerechnet.

Die Nachfrage nach Qualifizierungsangeboten für Neueinsteiger ist jedenfalls überschaubar. An der Fachhochschule Dülmen – die einzige Akademie für Schornsteinfeger in NRW – haben sich laut Verwaltung bislang zwölf Heizungsbauer weiterbilden lassen. Und die für Zulassungen zuständige Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld bekam "ganz wenig Anfragen", sagt Pressesprecher Siegfried Mühlenweg. Man erwarte 2013 "keine Antragsflut".

Das Ende des Monopols könnte anfangs sogar die Kosten gering steigen lassen. Bezirksschornsteinfeger sind weiter für Brandschutz in ihrem Revier zuständig. Weil sie auch künftig überwachen, ob jeder Hausbesitzer Kontrollfristen einhält, aber nicht mehr zwingend überall fürs Kehren bezahlt werden, verlangt die Branche Entschädigung. Anfang Dezember entscheidet ein Bund-Länder-Ausschuss über neue Gebührensätze. Teurer wird vermutlich die Kontrolle von Feuerstätten. Die dürfen weiter nur Bezirksschornsteinfeger vornehmen. Die Prüfung ist im Schnitt alle 3,5 Jahre fällig. Die Gebühr liege meist bei rund 20 Euro, sagt Obermeister Silbermann. Schön wären "fünf bis sieben Euro mehr".

Erst auf lange Sicht dürften die Kosten sinken – um etwa zehn Prozent binnen fünf Jahren, schätzt Silbermann. Spätestens 2015 kommt große Bewegung in die Branche. Dann werden rund drei Viertel der Kehrbezirke in OWL neu vergeben. Viele ältere Kollegen dächten an den vorzeitigen Ruhestand, sagt der Obermeister. "Die wollen sich das nicht mehr antun."
      

Kommentare
Ich bedaure, es so sagen zu müssen; aber der Artikel ist ausgesprochen schlecht recherchiert. Der durchschnittliche Kehrbezirk besteht aus etwa 2.500 Häusern. Bereits vor der Einführung der unverschämten "Anfahrtspauschale" von rund 9 EUR netto pro Wohnung, betrug der durchschnittliche Umsatz eines Kehrbezirks mehr als 250.000 EUR. Gerichtsaktenkundig (vorgetragen vom Anwalt eines Schornsteinfegers in Berlin) betrugen die Gebühren pro Haus "im Durchschnitt" und "minimal" 100 EUR. Wer jetzt rechnen kann, ist klar im Vorteil!

Die hier gezogenen Vergleiche mit den Nachbarländern hinken gewaltig. Erstens gibt’s nirgends auf der Welt einen mir zwangsweise zugeteilten "Bezirksschornsteinfegermeister" mit Zutrittsrecht zu allen Räumen eines Hauses. Zweitens sind das im Ausland wirklich "Handwerker", die auch Service-Arbeiten anbieten und dafür haften müssen. Einen deutscher Schornsteinfeger haftet für NICHTS! Selbst wenn drei Minuten nach seinem Besuch die Bude abfackelt oder Menschen zu Tode kommen. Gerichtsurteile finden sich auf den Internetseiten (Übliches bitte ergänzen) "schornsteinfegermonopol" und "schornsteinfegerfrei".
Drittens schließlich sind z.B. in der teuren Schweiz die Maximal-Gebühren für einen Fegermeister auf umgerechnet etwa 60 EUR pro Stunde gesetzlich festgeschrieben. Bei uns sind nachweislich Stundenlöhne von 250 EUR eher die Regel als die Ausnahme.
Viertens schließlich: Der oberste Schofi des Bundeslandes X (wir von der IG-ZS waren mal bei dem zu Besuch und Infoaustausch) fährt von seinem Hungerlohn zwei AUDI-A-6 mit Vierradantrieb, einen SUZUKI-Jeep und ein nicht ganz billiges Motorrad. Dass im Haus goldene Wasserhähne waren, rundet das Bild ab. Und das alles von dem angeblichen "A-9-Einkommen"! A 9 bedeutet brutto etwa 36.000 EUR pro Jahr.

Und jetzt, liebe Verteidiger dieses Scheindienstleistungsgewerbes (Ausdruck steht im einem Gerichtsbeschluss), denkt auch mal darüber nach, wie es kommen kann, dass es in Deutschland mehr Schornsteinfegerbetriebe gibt als in der gesamten übrigen Welt zusammen! Und trotzdem haben wir doppelt soviel Unfälle und CO-Tote wie vergleichbare Länder. Die Schofis gaukeln eine Sicherheit vor, die sie weder geben können noch geben wollen!

Schönen Abend miteinander!

Hier kann man alternative Schornsteinfeger suchen: Link unterdrückt

@Feuerwehrfrau Cornelia Altenhüser Ich denke mal darüber nach. Hoffentlich kommt jetzt die Feuerwehr nicht auch noch auf den Trichter Feuerstättenschau zu betreiben.

Das ist mir nicht entgangen. Auch bei einem Austausch (Selbst oder durch Verkaufsfirma) kann es zu Unwägbarkeiten kommen. Oft erlebt: Abgasrohr mit falscher Dimension, Abdichtung des Abgasrohres nicht ausreichend, Zwangsminimalöffnung des Querströmers im Abgasrohr falsch justiert, Feuer/Brandsicherheit vor dem neuen Ofen (Blech, Glas oder Steinzeug in ausreichender Fläche) nicht korrekt, Feinstaubfilterdurchflutung falsch oder gar nicht eingestellt bzw. Transportsicherung erst gar nicht entfernt und weitere Kleinigkeiten. Sie sehen: Gerade die heute modernen Öfen/Kamine nach neuesten Umwelt- und Sicherheitsbestimmungen schreien geradezu nach der Feuerstättenschau incl. der nötigen Einstellungen. Gönnen Sie sich unbedingt dieses wichtige Stück Sicherheit! Bitte. Danke!

@Feuerwehrfrau Cornelia Altenhüser Ich schrieb das ich den Ofen austauschen würde nicht die Dunstabzugshaube die bliebe nämlich die Gleiche.
Das Problem mit der Umluft solcher Geräte ist mir bekannt.



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