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07.11.2012
Dornberg
"Ich muss alles wissen"
Sigrid Lichtenberger las in der Stadtteilbibliothek Dornberg über ihre "Aufbrüche"
VON SYLVIA TETMEYER

Aufmerksam | FOTO: SYLVIA TETMEYER

Dornberg. Ihr Werk ist umfangreich: Seit den 80er Jahren veröffentlicht Sigrid Lichtenberger Lyrik- und Prosabände. Vor einigen Monaten ist das neueste Buch der 89-Jährigen erschienen. "Auf einer Kugel im Weltall. Tagebuchgedichte". In der Reihe "Kulturtreff Dornberg" im Bürgerzentrum gab die Autorin eine Kostprobe ihrer Werke.

"Aufbrüche – Autobiographisches und Gedichte" lautete der Titel der Lesung zu der der Freundeskreis der Stadtteilbibliothek Dornberg in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Bielefeld eingeladen hatte. Rund 25 Besucher lauschten den Geschichten der gebürtigen Leipzigerin: "Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass die Aufbrüche entscheidend für mein Leben waren." Lichtenberger schildert das Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Luftschutzkeller wurde die Atemluft knapp. "Die Müdigkeit hat mich zermürbt." Dann habe es einen "ohrenbetäubenden Lärm" gegeben. "Da fliegt ein Munitionszug in die Luft." Als junges Mädchen habe sie das Gefühl gehabt, "zwischen den Stühlen zu sitzen." Erst im Rückblick habe sie entdeckt, dass dies auch eine Chance war, "als ob sich überall Türen aufgetan hätten."

1948 setzte sie ihr Chemiestudium in Hannover fort, mit dem sie bereits in Leipzig begonnen hatte. Auch ihr Mann, mit dem sie bis zu seinem Tod 44 Jahre lang verheiratet war, studierte an der Technischen Hochschule. Die Schriftstellerin beschreibt, wie schwierig sich die Wohnungssuche gestaltete: "Wir fanden nur Trümmer."Bald nach der Hochzeit sei der erste Sohn zur Welt gekommen. Schon früh hat Lichtenberger Gedichte geschrieben, die aber in der Schublade blieben.

Fasziniert war die vierfache Mutter von der Lyrikerin Hilde Domin. Ab 1971 nahm sie an Literaturseminaren und einer Schreibwerkstatt teil.

"Wie haben sie es geschafft, bei vier Kindern noch Bücher zu schreiben?", fragt Sigrid Gerbaulet, Vorsitzende des Freundeskreises der Stadtteilbibliothek. Die Autorin, die seit 1953 in Bielefeld lebt, berichtet, dass sie ihre ersten Werke erst nach der Erziehungszeit veröffentlicht hat. Ein Zuhörer findet es "sehr ungewöhnlich", dass eine Naturwissenschaftlerin zum Schreiben kommt. Lichtenberger verrät, dass sie als junges Mädchen gedacht habe, sie könne nicht Germanistik studieren, weil sie dann nur als Lehrerin arbeiten könne. "Mich interessiert es, den Dingen auf den Grund zu gehen. Ich muss alles wissen." Dies sei bis heute so. In manchen Geschichten komme auch Chemie vor.

Nach einer Pause las Sigrid Lichtenberger dann aus ihrem neuen Buch. Am 16. November gibt es in der Stadtteilbibliothek von 10 bis 13 Uhr eine Vorleserunde für Kinder. Im kommenden Jahr dürfen sich Besucher auf Lesungen mit Mechtild Borrmann und Dietrich Lemke freuen.



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