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22.11.2012
Bielefeld
Die Biene Maja und Bethel
Autor Waldemar Bonsels lebte am Eckardtsweg und lernte hier Missionskaufmann
VON KURT EHMKE

Maja und Willi hören begeistert zu | FOTO: KURT EHMKE

Bielefeld. Ein Buch hat Waldemar Bonsels berühmt gemacht: "Die Biene Maja und ihre Abenteuer." Erschienen vor 100 Jahren. Dass Bonsels, 1880 geboren, in Bielefeld lebte und den Beruf des Missionskaufmanns lernte, ist eher unbekannt. Nach seiner Mutter Ellen ist der Ellenhof in Bethel benannt. Hier lebte die Familie Bonsels. Heute dürfen Eltern von krebskranken Kindern am Eckardtsweg 1 übernachten und sind so den Kleinen nahe, die in der Kinderklinik des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld behandelt werden.

Ob er zwischen 1897 und 1900 in Bethel einer Biene begegnete, die ihn auf die Roman-Idee brachte, sei dahingestellt. Auch ist offen, ob er hier im Teutoburger Wald die idyllische Natur sah, die ihn 1912 zur Biene Maja und 1915 zum Nachfolgeroman Himmelsvolk inspirierte. Fest steht: Waldemar hatte das Gymnasium geschmissen und war mit Vater Reinhold sowie seiner Mutter und – je nach Quelle – vier bis sieben Geschwistern nach Bielefeld gekommen.

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Info

Waldemar-Bonsels-Stiftung

  • Die Waldemar-Bonsels-Stiftung hat ihren Sitz in Pöcking bei München.
  • Sie wurde am 31. Juli 1977, dem 25. Todestag von Schriftsteller Waldemar Bonsels, von seiner Witwe Rose-Marie Bonsels errichtet.
  • Die Stiftung ist selbst aktiv – und sie fördert auch Projekte Dritter rund um den Autor der Biene Maja.
  • In ihrer Förderarbeit hat sich die Waldemar-Bonsels-Stiftung folgende Themenschwerpunkte gesetzt:
  • Wissenschaftliche Forschung zum Leben und Werk Waldemar Bonsels
  • Verbreitung, Pflege und Weiterentwicklung des Stoffes der Biene Maja
  • Unterstützung von Projekten aus dem Bereich Kinder- und Jugendliteratur, zum Beispiel Leseförderung
  • Förderung der buchwissenschaftlichen Forschung


Vater Reinhold arbeitete hier bei den von Bodelschwingh-schen Anstalten Bethel als Zahnarzt. "Er war wohl schnell berüchtigt, weil er sehr schlecht sah und teilweise mehrere Brillen übereinander getragen haben soll", sagt Bärbel Bitter, Leiterin der Historischen Sammlung Bethel. 1897 hatte Bonsels angefangen, für Bethel zu arbeiten, "für 3.000 Mark und das Wohnen im heutigen Ellenhof", so Bitter. "Das war ein ganz gutes Gehalt."

Doch die Familie Bonsels entpuppte sich offenbar "als recht problematisch", sagt die Historikerin, "man legte Reinhold Bonsels nahe, in die Zentralrechnungsstelle zu wechseln – und kündigte letztlich zum 1. Oktober 1910 das Dienstverhältnis". 1923 starb Waldemars Vater im Alter von 75 Jahren, er liegt auf dem Sennefriedhof. Seinen Sohn hielt es zwar nur wenige Jahre in Bielefeld, doch scheint er auch nach seinem Wegzug Ende 1900 Kontakt gehalten zu haben: Er heiratete Elise Ostermeyer, Tochter eines Missionskaufmannes aus Bethel.

1912 folgte die Biene Maja

Nach einer kaufmännischen Lehre in Bielefeld hatte Bonsels den Beruf des Schwiegervaters gelernt – und ging dann 1903 für die Baseler Mission nach Indien. 1904 trat er enttäuscht aus und schrieb seine Perspektive nieder – seine erste Publikation.

1912 folgte dann die Biene Maja, in den nächsten Jahren Himmelsvolk und Indienfahrt. Er wurde einer der bekanntesten Schriftsteller der 20er Jahre. Das Buch "Die Biene Maja und ihre Abenteuer" wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Auftrieb bekam die Biene Maja, die noch heute in vielen Kinderzimmern als Buch, DVD, Puppe oder Stofftier zu Hause ist, durch eine Zeichentrickserie ab 1975 und einen Comic ab 1976.

Wie prägend für die Kinder damals Zeichentrickserie und Comic waren, ist an zwei Figuren zu erkennen: Weder Grashüpfer Flip noch Bienenjunge Willi kommen bei Waldemar Bonsels vor. Sie wurden 1975 zur Geschichte hinzugedichtet. Bereits 1925 war der Film in die Kinos gekommen, nach zwei Jahren Produktionszeit. Bonsels war beteiligt, arbeitet mit Regisseur Wolfram Junghans zusammen.

In die Kritik kam Waldemar Bonsels während und nach der Nazizeit. Er soll antisemitische Literatur verfasst haben. Bonsels starb am 31. Juli 1952 in Ambach – wann er zuletzt in Bielefeld war, ist nicht überliefert. Doch der Ellenhof erinnert an ihn; zumindest indirekt.



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