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14.10.2009
Exotische Tiere in verwahrloster Wohnung beschlagnahmt
Giftiger Zoo neben dem Sofa: Ämter räumen auf
VON CHRISTOPH SACKMANN

Kaum zu halten | FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Eine Niederkalifornische-, eine Schauer- und eine Pazifik-Klapperschlange, eine zwei Meter lange Boa-Constrictor, drei Königs- und Teppichpythons, drei Wasserschildkröten, eine Siedler-agame (Echse) und eine Vogelspinne - das ist das Ergebnis einer Wohnungsräumung nahe der Städtischen Klinken Mitte. Die unterernährten und vermilbten Tiere pflegt vorerst Zoofachhändler René Henke. Wie viele falsch gehaltene Exoten noch in Bielefeld leben, ist laut Veterinärin Julia Friedrich unklar: "Die Dunkelziffer ist hoch."

Für die Haltung der Exoten gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen in Nordrhein-Westfalen. "Jeder Volljährige kann sich eine Giftschlange halten", sagt Friedrich. Wird die übers Internet bestellt, entfalle auch die sachkundige Beratung in der Zoohandlung. Fünf- bis sechsmal im Jahr wird das Amt gerufen, um misshandelte exotische Tiere zu befreien.

Auch im Falle der 25-Jährigen Besitzerin der aufgezählten Tiere riefen nicht die Exoten die Ämter auf den Plan. Der Privatzoo flog auf, weil auch ein Hund in der Wohnung lebte. Für den hatte die Halterin erforderliche Papiere wie einen Sachkunde-nachweis nicht abgegeben. Das Ordnungsamt intervenierte. Der Hund lebt im Tierheim.

Im Mai noch doppelt so viele Schlangen

Zur Beschlagnahmung der teilweise tödlichen Giftschlangen wurde Henke vom Zoofachhandel Aqua- und Terraeck in Hillegossen zu Rate gerufen. Der 28-Jährige hat sich auf exotische Tiere spezialisiert und hilft den Veterinären. Er war bereits im Mai mit Veterinärin Friedrich in der Wohnung. "Da besaß die Dame doppelt so viele Schlangen", sagt er. "Die Zustände waren aber noch im Rahmen", sagt Friedrich. Die 25-Jährige habe Besserung gelobt.

Das Gegenteil sei aber eingetreten: "Die Terrarien waren teilweise nicht verschlossen, die Schlangen unterernährt und total vermilbt, Ratten liefen frei in der Wohnung herum", sagt Henke Besonders schockierend: "Die giftigen Klapperschlangen hätten jederzeit aus dem Terrarium heraus und unter der Tür ins Freie entwischen können." Die Vogelspinne lebte in einer mit Erde gefüllten Weingummi-Packung. Eine Schlange starb kurz nach der Befreiung.

"Solche Tiere erfordern hohe Sachkunde", sagt Friedrich. Der Trend ginge zu Exoten als Haustieren. Dementsprechend steigen auch die Tierschutzfälle. "Aber wir werden weit häufiger wegen Hunden und Katzen gerufen", beruhigt sie. Henke will durch diesen Fall nicht sein Hobby verunglimpft wissen: "Die meisten Halter lassen sich beraten."

Terrarium muss ausreichend beheizt sein

Wie viele Reptilien in Bielefeld leben, ist schwer zu schätzen. Henke verkauft zum Beispiel etwa 100 Mäuse in der Woche - das entspricht etwa dem wöchentlichen Futterbedarf von genauso vielen kleinen Schlangen. Die beschlagnahmten Tiere hat er in seinem Wohnzimmer aufgenommen. Sollte die Halterin sie nicht zurückbekommen, wird er sie befreundeten Züchtern geben.

Wer Schlangen oder andere Exoten halten will, sollte sich vorher die nötige Sachkunde aneignen. Dazu raten sowohl Händler René Henke als auch Veterinärin Julia Friedrich. Schlangen und Echsen etwa bräuchten ein Terrarium, dass ausreichend geheizt wird. Schließlich lebten diese Tiere normalerweise in tropischen Ländern. Die meisten Schlangen müssen regelmäßige Ölbäder nehmen. Der leichte Film schütze vor Parasiten. Zudem sollte die Größe der Kriechtiere bedacht werden. Niedliche kleine Boas etwa könnten zu mehreren Metern Größe heranwachsen. Zudem rät Henke von Giftschlangen ab. Der Biss von Klapperschlangen etwa führe schnell zu Lähmungen und Blindheit.(csa)


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